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The Whitest Boy Alive - Rules (Asound)

rules So ist das also. Während die Welt weiterhin sehnsüchtig auf ein neues Album der Kings of Convenience wartet, tourt Erlend Oye, unser norwegischer Lieblingsnerd mit dem Faible für übergroße Brillen, lieber mit seiner Berliner Kombo als The Whitest Boy Alive durchs Land. Und nicht nur das, nebenbei hat er auch Zeit, mit eben jener im sonnigen Mexiko am Strand des Pazifiks ein neues Album aufzunehmen. Es ist das zweite der Band, und es heißt Rules. Eine der ‘Rules’, denen das Album unterliegt, ist auch gleichzeitig eine der wichtigsten: im Gegensatz zum Vorgänger Dreams ist hier alles live eingespielt, es gibt keine Overdubs und nachträglichen Effekte. The Whitest Boy Alive, kurz TWBA, ist zu einer voll funktionsfähigen Band gewachsen, nicht dass sie das live nicht ohnehin schon gewesen wäre.

Vielleicht ist auch aus der Live-Situation heraus eine Band enstanden, die die Kollegen der De:Bug mal eben “die beste House-Band der Welt” nennt. Aber Moment mal: House? Hier gilt es zu differenzieren. TWBA machen kein House im klassischen Sinne, aber ihre Musik klingt trotzdem sehr housig. Klingt paradox? Vielleicht sollte man einfach mal in die Songs hineinhören, dann wird so manches klarer. Da wäre zum Beispiel die locker wippende Kickdrum des Openers Keep a Secret, die sich durch einen Großteil der Tracks bewegt und einen stetiges, kopfnickendes Grundgerüst aufzieht. Oder die gelegtlichen Synth-Stabs wie bei Courage oder High on the Heels, die auch die eingesottenen Indie-Kids zu ungelenken Moves auf der Tanzfläche verführen könnten. Und über allem immer wieder: Gitarren, eingängliche Riffs und überraschendes Crescendos, gefühlvolle Rhodes-Schleier und ermunternde Keyboard-Couverturen, sowie ein klares, stets präsentes Drumming mit dem 4/4 Takt fest im Auge.

Rules ist zum einen ein herrlich entspanntes Pop-Album, das sich nicht scheut, immer wieder die House-Referenzen durchschimmern zu lassen, und gleichermaßen auch ein Album, mit dem ohne Probleme eine Party in Schwung versetzen könnte. Die Mischung aus gefühlvollen Lounge-Tracks mit einem Tupfer Melancholie wie bei Rollercoaster Ride und Gravity und lebhaften Uptempo-Gassenhauern wie Dead End wirkt dabei stets wie aus einem Guss, so herrlich ungezwungen und mit einer unwiderstehlichen Catchyness versehen. Dabei braucht es gar nicht mehr als Erlend Oyes sanfte Stimme, die wie auch schon bei den KoC über Beziehungen und allgemeine Weisheiten erzählt, und trotz oder gerade wegen gelentlicher Kryptik stets einen sympathischen Outsider-Humor versprüht, sowie die Dancefloor-Kenntnisse von Ex-DJ Marcin Oz und die Produzentenfertigkeiten von Sebastian Maschat (Drums) und Daniel Nentwig (Keyboard).

Das Ergebnis ist ein Album, wie es nicht besser zum Frühling passen könnte: reduzierter House-Pop in Bandform, bittersüß zeitweilen, aber mit einem stetigen Optimismus und einem durchgängigen Groove, der einen einfach mitreißen muss.

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