RSS

20. July 2005, 20:08

the.last.beat

Zwischenbilanz 2005

Die Jahresmitte wird mal eben um einen Monat verschoben, um eine kleine Zwischenbilanz der diesjährigen Releases zu ziehen. Folgende Alben haben mir persönlich mehr als einmal eine gute Zeit bereitet, aber insgesamt habe ich wohl niemals zuvor so viel neue Musik gehört wie dieses Jahr, daher spiegelt diese Liste vermutlich auch nur die Spitze des Eisbergs wider. Änderungen und Ergänzungen sind daher vorbehalten.

Sufjan Stevens – Illinois (Asthmatic Kitty)
Zweite Platte aus Stevens’ 50 Bundesstaaten Projekt, und inzwischen wird mir sein Output unheimlich. Waren die Vorgänger schon sehr ambitioniert, erreicht Stevens hier in Sachen Songwriting und Arrangements fast Perfektion. Beim ersten Mal vielleicht noch etwas pompös, aber das lässt mit jedem Mal etwas nach. Was bleibt sind 22 abwechslungsreiche Tracks, die den Begriff “Neo-Americana” (hab ich irgendwo gelesen) wirklich sehr nahe kommen. So schaut also Folk im Jahr 2005 aus. Wunderschön auch die weibliche Zweitstimme, die Stevens’ Falsetto untermalt.

Ada – Blondix 1 (Areal)
Erste Remix-12″ von Ada’s Debutalbum, hier mit Remixen von Sascha Funke und DJ Koze, aber nur letzterer auf der A-Seite zählt. Monster, immer noch.

Roisin Murphy – Ruby Blue (Echo)
Roisin Murphy macht das Album was letztes Jahr Dani Siciliano gerne machen wollte. Passgenaue Produktion von Matthew Herbert, über der Roisin’s Gesang unantastbar schwebt. Klickender Neo-Jazz trifft auf entspannte Balladen, in denen Miss Murphy mal schmachtend, mal aufreibend, mal schnoddrig singt, aber immer passend zum Thema. “Dear Diary” hat starke Chancen auf den Titel des (nicht-elektronischen) Track des Jahres. Und wenn man diese ‘Diva’ (ich hasse das Wort) dann noch live sieht, macht das alles noch viel mehr Sinn.

Portable – Version (Scape)
Minimalism trifft auf Worldbeats, und das ganze dermaßen ausgeklügelt, dass es eigentlich nur mit Kopfhörern zu empfehlen ist. Interessant und bleibend, besonders wenn man dazu morgens um 5 Uhr durch Barcelona schlendert.

Wir Sind Helden – Von Hier an Blind (EMI)
Vorurteile über Bord werfen – die Helden sind erwachsen geworden und verabschieden sich fast völlig von den teilweise nervenden Chartstürmern der letzten Platte. Judith Holofernes verdreht immer noch herrlich irrsinnig Zitate, und kann trotzdem noch ernst genommen werden. Musikalisch ausgereifter ist “Von Hier an Blind” die neue Referenz des deutschen Chartpops.

Nathan Fake – Dinamo (Traum)
Das einzig wahre Techno-Anthem des Jahres. Glänzt sowohl als 12 min. Single als auch im aktuellen Superpitcher Mix wie eine frisch gewachste Platte im Mondlicht.

Minotaur Shock – Maritime
Das zweite Album von Minotaur Shock hat mehr Liveinstrumente als das Debut, was dem Ganzen aber keineswegs schadet. Im Gegenteil, es groovt sich lässig durch 11 Tracks. Weniger Abstraktheit, dafür mehr Offenheit für traditionelle Songstrukturen ist hier vorzufinden, und irgendwie seh ich bei allen Songs ein wenig die Sonne scheinen. Vielleicht deswegen auch der Titel.

Emiliana Torrini – Fisherman’s Woman (Rough Trade)
Reines Akustik-Album der isländischen Sängerin. Etwas für die ruhigen Stunden, ohne jemals in tiefe Melancholie oder Pathos abzudriften.

Venetian Snares – Rossz Csillag Alatt Szueletett (Planet Mu)
Mit Venetian Snares ist das so ne Sache – entweder er ist großartig wahnsinnig oder einfach nur trivial (kein Wunder bei soviel Output). Dieses Album, inspiriert von der Stadt Budapest gehört jedenfalls in die erste Kategorie. Noisecore, Jungle – man kann es nennen wie man mag, aber man wird es niemals richtig einordnen können. Spätestens wenn die Streicher rauskommen kann man nur Staunen über das was Aaron Funk hier zusammengeschraubt hat.

Kettel – Through Friendly Waters (Sending Orbs)
Mein erster Favorit des Jahres, und noch immer ein heißer Tip. Die Liebe zum Piano und die kindliche Spielfreude von Kettel erreicht hier seinen vorläufigen Höhepunkt. Seit langem mal wieder ein IDM Album das mich fesselt.

Johan Skugge – Volume (Mitek)
Schwedentechno mit gewissem Dubfaktor. Treibend, minimal, es knarzt und klickt in allen Ecken als wäre Force Tracks nie weg gewesen. Achja, Vocals gibt es auch noch auf gut der Hälfte der Tracks. Wenn Mitek so weiter macht habe ich bald ein neues Lieblingslabel.

Ebenfalls gerne gehört:

13&God – 13&God (live noch besser)
Marc Leclair – Music Pour Trois Femmes Enceintes
Matthias Schaffhäuser – Coincidance
Röyksopp – The Understanding (zum Glück kein zweites ‘Melody a.m.’!)
Autechre – Untilted
Kaito – Soul of Heart
Kammerflimmer Kollektief – Absencen
VA – Elektronische Musik Interkontinental 4
Jaga Jazzist – What We Must (erst gar nicht gemocht, dann zu schätzen gelernt)
VA – Today (Superpitcher Mix)

In Erwartung für die zweite Hälfte des Jahres:

Underworld, Metope, Boards of Canada, Sigur Rós, Broadcast.

6 Kommentare

  1. coi.coi

    great selection. u hit the point of 2005. ich muss noch soviel hören. oh my gosh.

    ReplyReply
  2. nemo

    afx – analord serie fehlt ^^

    ReplyReply
  3. Eikman

    Die Analord hat mich mit Ausnahme einiger einzelner Tracks nicht wirklich vom Hocker gerissen.

    ReplyReply
  4. coi.coi

    venetian snares macht bessere songs als squarepusher.

    ReplyReply
  5. Eikman

    Niemals!

    ReplyReply
  6. Gaxer

    Also mit AFX is es wie mit Lakritz entweder man liebt oder hasst es. Bin Aphex Twin Fan und war anfangs auch nicht überzeugt aber nach mehrmaligen hören gefällts doch recht gut! Is schwer sich da reinzufuchsen. Würde sagen ähnlich Jagga Jazzist.

    ReplyReply

Antworten