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19. February 2007, 15:11

Visuelles

Why LOST is lost

Ich gebe zu, ich schaue LOST. Ich bin kein LOST Fanatiker, der sich die Mühe macht durch die LOST Experience zu gehen, ich browse keine Foren im Anschluss an neue Folgen um Fehler im Script (und davon gibt es reichlich) oder Kleinigkeiten zu diskutieren, aber ich bin dennoch ein regelmäßiger Zuschauer in den letzten zwei Jahren gewesen. Doch während die erste Staffel noch spannend und fesselnd war, scheint der Serie nun, in der Mitte der dritten Staffel, die Luft auszugehen.
Die Auffassung hat auch folgender Blogger, der in fünf Punkten versucht zu erklären warum LOST in der Tat verloren ist.

Interessant vor allem der Kommentar zu den ‘Plot Holes’, die sich inzwischen angehäuft haben:

With so many completely unanswered questions about the island, there’s no reason every episode shouldn’t contain half a dozen new, tantalizing tidbits of information. Go back to Black Rock, show Jack’s dad again, give us anything. You can berate people for lack of patience, but the bottom line is that a compelling plot needs to have constant motion. And instead you gave us Sawyer and Kate fucking in a bear cage for three episodes.

Gerade im Hinblick auf die zahlreichen mysteriösen Begebenheiten auf der Insel in den ersten beiden Staffeln, ist es erschreckend wie viele davon (bis dato zumindestens) nicht aufgelöst wurden. Ein paar Beispiele, die mir auf Anhieb in den Sinn kommen: Die Eisbären, der schwarze Rauch, Danielle Rousseau, die gänzlich verschwunden ist, was ist aus Walt und Michael geworden, the Black Rock, die Nummern (!), die anderen Teile der Forschungsstation die nie wirklich entdeckt/benutzt wurden, das rote Telefon in der Arktis am Ende der zweiten Staffel, oder die Frage warum Locke plötzlich laufen kann – alles bis heute ungeklärte Vorfälle. Doch anstatt die Dinge aufzulösen, werden vielmehr neue Charaktere eingeführt, die wiederrum mehr Fragen hervorrufen, was zu einer einzig großen Ansammlung von Fragezeichen führt, deren Aufklärung weiterhin auf sich warten lässt.

Producer Carlton Cuse behauptet dagegen dass eine Aufklärung dieser Mysteries nicht im Sinne des Zuschauers steht, da es den Plot nicht weiterführt.:

“The reality is, we’ve written those scenes, and in some cases we even shoot those scenes. And whether you take our word for it or not, we think they don’t work. They’re incredibly boring. … If, for example, everybody got together and basically Sayid said, “Well, I’ll tell you, I found this wire ,and I followed this wire,” and then somebody else said, “Wait a minute,” … and they started to put it together, it would make for very uninvolving television.”

Ist es also besser eine Vielzahl von Löchern im Plot zu haben als, zumindestens teilweise, einige der Löcher zu schließen? Ich für meinen Teil als Zuschauer bin irritiert von der Leichtigkeit, mit der die Producer Vorfälle außer Acht lassen und sich gänzlich anderen Aspekten widmen. Gut zusammengefasst dazu die Meinung des Bloggers:

Maybe there is a “much larger” audience that cares about a clumsy, cliche love triangle than an innovately mysterious island, but I seriously doubt it. My interest in Lost, like many people’s, was centered around the “mythology” and not the ham-fisted characters. I like character development more than most, but a show like Lost needs to keep its characters well-rooted in what is central to the show: the mystery

Das sehe ich ähnlich: Seit dem Auftreten der ‘Others’ scheint sich der Schwerpunkt von der Insel, dem Ereignis per se auf die Charaktere verlagert zu haben, ohne dass jene sich wirklich weiterentwickeln würden. Gerade die altbekannten (Jack, Kate, Sawyer, Locke) scheinen auf der Stelle zu treten. Zugegeben, der Fokus der dritten Staffel liegt auf den Flashbacks der ‘Others’, aber ist es trotzdem nötig die alten Charaktere dermaßen auf Eis zu legen und als bloßes Mittel zur Entwicklung des Plots zu verwenden? Und in der Tat sind es die Figuren die nicht in jeder Episode vorkommen, die am meisten zu erzählen haben (man erinnere sich beispielsweise an die wenigen Episoden in den Hurley vorkommt und seine Verbindung mit den Nummern – unaufgelöst, bis heute).

That’s not to say there haven’t been fascinating characters on Lost–Desmond, early Locke, Mr. Eko, Ben–but do you notice a pattern? The only time characters are interesting is when we don’t know much about them. [...] Every time the producers turn their focus to character development, they bungle the job and ruin the character.

Was bleibt den Producern also zu sagen? Keine neuen Charaktere mehr einzuführen wäre wünschenswert, doch dafür ist es wohl zu spät, ebenso wie eine Rückkehr zu dem Mysterium der ersten Staffel. Sicher, vielleicht ist es die vierte Staffel, die die Fäden zusammenbringt, die die Dharma Corporation mit den ‘Others’ verlinkt und nebenbei noch den Flugzeugabsturz und die Verbindung der Überlebenden untereinander (und es scheint eine zu geben wenn man sich die Flashbacks anschaut) erklärt. Ich befürchte allerdings dass sich die Producer weiter eingraben werden, bis sie zu einem Punkt gelangen an dem das Potential so tief unter, prinzipiell guten, Ideen begraben ist dass es nie mehr an das Niveau der ersten beiden Staffeln heranreichen kann.

Ich werde LOST auch weiterhin schauen, aber eher aus allgemeinen Interesse ob es die Producer noch schaffen den Bogen zu bekommen oder sich im Laufe der nächsten zwei, drei oder sieben Staffeln (momentan geht man von insgesamt fünf aus) gänzlich im Plot verlieren.

Für spannendes Fernsehen jedoch schaue ich weiterhin Prison Break, oder das ebenso verstörend wie großartige Dexter.

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