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16. May 2007, 23:39

Alben

Von Südenfed – Tromatic Reflexxions

Von Südenfed. Das ist nicht der Name einer neuen Kette für gehobene Herrenkonfektion. Von Südenfed, das sind Mouse on Mars aus Düsseldorf und Mark E. Smith aus Manchester. Die ersteren sind bekannt für verschroben-poppige Electronica, letzterer dagegen ist ältestes und so ziemlich einzigstes permanentes Mitglied einer der besten und gleichzeitg schlimmsten Rockbands des letzten Jahrhundert: The Fall. Die Kollaboration kam im Jahre 2004 zustande, als Smith seine Vocals für die Wipe That Sound Single zur Verfügung stellte, und, wie ich vermute, war davor und danach auch noch das ein oder andere Pint im Spiel.

Zunächst gilt jedoch zu sagen dass es sich hierbei nicht um eine Kollaboration von The Fall und Mouse on Mars handelt, sondern lediglich um Mark E. Smith, der patentiert nuschelnd unzusammenhängende Texte mit Manchester Akzent über die Beats von Mouse on Mars ‘singt’. Was eigentlich zum Scheitern verurteilt ist, entpuppt sich nach dem ersten Hören jedoch als durchaus interessant. Vielleicht liegt es daran, dass die Beats von Mouse on Mars deutlich fokussierter sind im Vergleich zu dem doch eher wilden Varcharz aus dem letzten Jahr. Tromatic Reflexxions ist die Reinkarnation des bleepigen Trademark FX Sound von Mouse on Mars. Spielhallensounds, verzerrte Gitarrenriffs, tiefe Dubstep Basslines, Garagebeats, eine Prise Acid, die Mischung ist abwechslungsreich und betont ‘over-the-place’. Mal schneller (The Rhinohead), mal langsamer (Family Feud) hämmern die Tracks untermalt von Samplern und Sequencern Smiths Wortschwall in den Gehörgang. Was er sagt ist dabei zweitrangig: die Hälfte der Texte geht ohnehin im Nuscheln und Akzent verloren, die andere Hälfte ist ebenso unzusammenhängend wie sinnlos. Einer der Highlights, Flooded findet Smith als imaginären DJ wieder, der einen gewissen Sven Väth trifft und mit ihm zusammen den Club unter Wasser setzt (oder auch nicht, wer weiß das schon). Und das alles über eine kompromisslose Bassline und dreckig-schleifende Drums, die sich durch den Großteil des Albums ziehen. Lediglich am Ende wird etwas Wind aus den Segeln genommen. Chicken Yaiamas und Dearest Friends packen die Westerngitarre aus während Smith wie Damo Suzuki zu seinen besten Zeiten über Gott-weiß-was vor sich hin schwadroniert. That Sound Wiped ist eine Version des 2004er Songs Wipe That Sound, und Jbak Lois Lane ist zur Abwechslung gänzlich beatlos und scheint eine Gesprächsaufnahme, möglicherweise während der Studiosessions, zu enthalten.

Die Stärken des Albums liegen aber wie erwähnt in den Uptempo Nummern, die irgendwo zwischen Anfang 90er Acidhouse und Riotelectro liegen (ich komme nicht darum herum bei Tracks wie Duckrog und German Fear of Österreich an frühere Atari Teenage Riot Produktionen zu denken). Ein Album so bizarr und anarchisch in der Ausführung dass man es einfach irgendwie gut finden muss. Und weil die drei Herren offensichtlich so viel Spaß hatten, ist schon der Nachfolger geplant. Zunächst gibt es aber einige Festivalauftritte im Sommer. Sollte man sich vielleicht mal anschauen.

# Von Südenfed @ MySpace
# Von Südenfed @ Domino Records
# Video: Fledermaus Can’t Get It

Ein Kommentar

  1. coicoi

    rat ma was in der brandneuen db dickstens gefeatured wird… ;)

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