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25. October 2005, 18:35

Tägliches

Überflieger

Kürzlich spielte Bryan Adams in der ausverkauften SAP Arena in Mannheim. Bald wird Peter Maffay bei seiner gefühlten 63ten Tournee die Festhalle Frankfurt füllen. Alles kleine Fische im Vergleich zum neuen Superstar.

Denn der neue Popstar ist breiter als Robbie Williams in den besten Drogenzeiten, und hat längere Beine als Eva Padberg und Naomi Campbell zusammen. Sein Name mag vielleicht nicht ganz so glamourös sein, auch seine Maße von 73/79/555 muten höchst seltsam an, aber dafür eilt ihm sein Ruf vorraus; die Vorbestellungen und das Medieninteresse übertreffen alle Rekorde. Sein Name: Airbus A 380. Seine Mission: Welttournee. Am Samstag den 29.10. startet sie in Frankfurt.

Es ist schon erstaunlich wie das ‘Super-Flugzeug’ die Massen in seinen Bann zieht. Bis zu 20.000 Menschen werden zur Landung um 9 Uhr morgens erwartet, die Stadt organisiert Pendelbusse von nahgelegenen Bahnhöfen, und das hessische Fernsehen wird live vom Flughafen berichten. Die Organisation der Veranstaltung wird den Flughafenbetreiber Fraport geschätzte 500.000 Euro kosten. Manch Popstar würde sich diese Publicity wünschen. Manche Hilfsorganisation auch. Zudem hat der Star durchaus seine Allüren und ist sehr kamerascheu; Für eine Detailaufnahme wird den Besuchern keine Zeit und Möglichkeit bleiben, denn das Programm ist dicht gestrickt. Dafür können die Flugzeug-Fans lecker Fraport-Brötchen (gegen Bezahlung) essen und den Gigant von der Besucherterrasse aus anschauen, vorrausgesetzt das Wetter spielt mit. Bei Nebel und Regen nämlich behält der Star seinen Mantel an.

Wozu also der Aufwand? Hat das erste Dieselauto diese Aufmerksamkeit bekommen? Oder der erste Farbfernseher? Die erste Digitalkamera? Der erste Gen-Mais? Ein Herzschrittmacher? Nein. Denn das waren keine Superlativen, keine Rekordbrecher. Die Gesellschaft braucht aber genau diese, quasi als Zeichen dass man entgegen der allgemeinen Meinung doch nicht stillsteht. Läuft doch noch, der technische Fortschritt ist ungebrochen, könnte man sagen. Vor allem wenn man diesen als europäisches Gemeinschaftsprojekt anpreisen kann (die Bauteile wurden schließlich in mehreren europäischen Ländern produziert), denn gerade in der stets strittigen Europapolitik ist es wichtig ein Zeichen zu setzen, auch im direkten Vergleich mit der amerikanischen Konkurrenz. Frei nach dem Motto: “Up yours, wir haben die dicksten Jets!” Bis auf weiteres zumindestens. Auch Fraport kann sich damit brüsten, dass die Airbus Manager Frankfurt den Vorzug vor London und Paris gegeben haben.

Bender betonte, in einem Schreiben der Airbus-Unternehmensleitung an Fraport seien ausdrücklich die “hohen Standards und die Kompetenz unseres Unternehmens, aber ebenso auch der Lufthansa, gewürdigt worden”

Zumindestens so etwas wie ein Punktgewinn, wenn man bedenkt dass der Flughafen Frankfurt in den letzten Jahren an Boden verloren hat im Vergleich mit den europäischen Konkurrenten. Da kann man schonmal Samstag morgens eine medienwirksame Veranstaltung raushauen, auch wenn derweil andere Teile des Flughafens seit Jahren vergammeln.
Klar, der neue Airbus wird mehr Passagiere schneller transportieren können als alles zuvor, er hat als technische Leistung Anerkennung verdient. Aber mal ganz ehrlich: Ist das nicht alles selbstverständlich, ebenso wie die neue Version des VW Golfs? Ich weiß zumindestens was ich am Samstag um 9 Uhr machen werden: Mich nochmal im Bett umdrehen, und fragen, was die Flughafengegner (respektive Anwohner) eigentlich dazu sagen.

[Bezug: Artikel in der FR vom 25.10.05]