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28. September 2009, 21:48

Alben

Thomas Köner – La Barca

Thomas Köner ist ein alter Hase im Business. Damals, Anfang der 90er Jahre, hat er mit Teimo und Permafrost vielleicht die ersten Alben produziert, die nach “Arctic Ambient” klangen, bevor Biosphere den Sound dann endgültig publik machte. Zu dieser Zeit hatte sich Köner aber schon umorientiert, und war gemeinsam mit Andy Mellwig als Porter Ricks mit einem aquatischen Dub-Sound auf Chain Reaction unterwegs. Nach der Auflösung von Porter Ricks Ende der 90er Jahre frönte Köner dann wieder dem minimalistischen Sound, an dessen Live-Umsetzung ich selbst vor einigen Jahren in Barcelona teilhaben durfte. Jetzt ist er mit neuem Material zurück, und mit La Barca, das es anscheinend nur in limitierter Auflage gibt, hat er seinen Sound nochmals verfeinert.

Natürlich heißt der gemeinsame Nenner hier wieder Ambient, allerdings weisen schon die Koordinaten der Tracktitel auf eine vermehrte Anzahl von Fieldrecordings und unterschiedliche Settings und Stimmungen hin. Über Japan und Israel bis nach Paris und Brooklyn verweisen die Daten auf jene Orte, an denen Köner in den letzten Jahren Sounds gesammelt hat. Ebenso spannend wie das Googeln der Längen- und Breitengrade ist es allerdings, die Tracks zunächst unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen, denn an mehr als einer Stelle lässt sich die Herkunft fast schon anhand der Umgebungsgeräusche, zahlreicher Gesprächsfetzen und dezent platzierter Instrumente verorten. Schon der Opener verbirgt eine leicht orientalische Aura, die von einer verschleppten Bassline untermalt klingt, als würde man im Wind des tibetanischen Hochplateaus stehen, während an anderer Stelle entfernte Zug-Geräusche, sich überlagende Stimmen und gedrungenes Rauschen auf ein eher urbanes Setting, und damit eine andere Geschichte dahinter hinweisen. Überhaupt, sehr cineastisch das Ganze, und das obwohl die Instrumentalisierung bewusst gering gehalten ist und die Aufnahmen vielmehr für und über sich selbst sprechen. Das ist stellenweise düster und befremdlich, zwischenzeitlich aber auch immer wieder melancholisch-friedlich, weil doch immer wieder die menschliche Komponente zu erkennen ist. Ein leises und doch ungemein dichtes Album, das zum Kopfkino einlädt.

# Preview @ Boomkat
# Video: La Barca

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