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18. February 2007, 23:08

Alben

The Marcia Blaine School For Girls – Halfway Into The Woods

IDM ist ein aussterbendes Genre: Ehemals bekannte Labels wie Merck machen dicht, andere verlagern ihren Schwerpunkt auf Dubstep (Planet Mu) oder Indie (Warp), und wieder andere scheinen gänzlich in der Versenkung verschwunden zu sein (wann gab es beispielsweise das letzte nennenswerte Release auf Rephlex?). Ansonsten scheint der Trend im IDM Genre eher zu Ambient zu tendieren, wenn man sich die Entwicklung von Labels wie Sending Orbs oder n5md anschaut.

Umso erfreulicher wenn dann plötzlich ein Album auftaucht, dass ebenso die abstrakte Seite des IDM wie auch die eher sphärischen Töne gleichermaßen bedient, und dabei es trotzdem schafft originell zu bleiben, was leider viele IDM Alben heutzutage nicht von sich behaupten können. The Marcia Blaine For School For Girls ist ein Trio aus Schottland um Ruaridh Law, der auch unter dem Pseudonym The Village Orchestra bekannt ist. Halfway Into The Woods ist das Debüt Album der Band, die schon seit 1997 zusammen produziert, und nun auf Highpoint Lowlife ein Zuhause gefunden hat.
Halfway Into The Woods ist eine unglaublich dichte Angelegenheit. Wo dem Village Orchestra Album auf Dauer noch etwas die Puste ausging, sind hier die Beats dominanter, die Melodien greifbarer, ohne dabei die gewisse Abstraktheit zu verlieren. Tracks wie Rude Mechanicals und Quoleth erinnern stark an die Breakbeats von Squarepusher, während Still und Yugo or Iago mit spärlich gehauchten Vocals eine Emotionalität erzeugen, die man viel zu selten in dem Genre erfährt. Es ist gerade dieses Facettenreichtum, dass positiv auffällt, es ist kein Album, welches das gleiche Preset konsequent abruft, sondern eine Sammlung von Songs, von denen jeder eine eigene Geschichte zu erzählen scheint (das Booklet, die Zeichnung eines verzauberten Waldes mit allerlei merkwürdigen Dingen auf dem Weg, scheint dies zu bestätigen). Der Einfluss von Ruaridh Law ist dennoch zu spüren, gerade die Background Sounds, die Ambience erinnert stark an das Village Orchestra, aber es sind die Beats, die Glitches, die undefinierbaren Geräusche, die nervösen Klicks, die kleinen Details wie beispielsweise die Gitarre die sich aus dem Nichts am Ende von Yugo or Iago zu erheben scheint, die sich perfekt mit dem sphärischen Hintergrund verbinden, und insgesamt ein großartiges (Kopfhörer-) Erlebnis bieten.

Nebenbei gibt es noch, als Bonus, gratis eine Remix EP zum Download auf der Highpoint Lowlife Seite. Wunderschönes Release.

3 Kommentare

  1. coicoi

    I agree totally without having heard the whole release yet. appears sheer optically and from the snippets like a diamond made of gold. greetings random

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  2. andi

    ambient ist das neue idm.

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Trackbacks

  1. [...] Das Trio aus Schottland ist schon seit 1997 zusammen. Fast ein Wunder dass erst so spät ein gemeinsames Album erschienen ist. Im stark stagnierenden Dschungel der IDM-Welt waren sie jedenfalls dieses Jahr ein Lichtblick. Es ist das Facettenreichtum, das positiv auffällt, es ist kein Album, welches das gleiche Preset konsequent abruft, sondern eine Sammlung von Songs, von denen jeder eine eigene Geschichte zu erzählen scheint. Die Beats sind dominant, die Melodien greifbar, ohne dabei trotzdem eine gewisse Abstraktheit vermissen zu lassen. Ein vollkommenes Kopfhörererlebnis und eines der besten IDM Alben seit langem. [Review] [...]

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