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31. October 2010, 13:30

Alben

The Hundred in the Hands – s/t

So in etwa könnte die Kurzbiografie von The Hundred in the Hands lauten: Ein Männlein-Weiblein Duo aus Brooklyn, das Indiepop mit Elektronik macht. Das allein wäre für mich schon Grund genug, einen weiten Schritt um die Musik der Band zu machen. Wieso ich es doch nicht getan habe, liegt wohl vor allem am Label, auf dem das selbstbetitelte Debütalbum nun erschienen ist: Warp. Und wenn Warp Records in den letzten Jahren eines gezeigt hat, dann dass sie immer wieder ein gutes Gespür für interessante Bands haben. The Hundred in the Hands beweisen das einmal mehr, denn statt selbstreferentiellen Retro-Synthpop für die Hipster-Kommunen in Williamsburg gibt es tatsächlich einige gute Songs, die auch den kommenden Winter überdauern könnten.

Die Stärke des Duos besteht darin, sich trotz so offensichtlicher Einflüsse nicht in Klischees zu verfangen. Denn Natürlich ist diese Mischung aus Gitarren, Synthesizern und Drums aus der Konserve alles andere als neu. Doch The Hundred in the Hands sorgen, vielleicht auch dank der überzeugenden Stimme von Sängerin Eleanore Everdell, immer wieder für kleine Überraschungen. So zeugt gleich der Opener Young Aren’t Young mit seiner Synthesizer-Melodie und Glitzer-Feeling von einem gewissen 80er-Jahre Discochic, der immer wieder durchscheint, wenn Friedman und Everdell das Tempo anziehen. Last City und das bereits als Single erschienene Dressed in Dresden sind dagegen deutlich gitarrenlastiger und kokettieren mit trotziger Rock-Attitüde. Dagegen ist Pigeons mit seiner treibenden Kickdrum und eingänglicher Bassline ein heißer Anwärter auf den Pop-Track des Jahres. Und spätestens wenn es beim folgenden Commotion etwas schwermütiger wird, und sich Everdells Gesang in Wehleidigkeit verliert, ist man irgendwie gefangen in diesem Album, das mit seinen knapp 40 Minuten auch genau die richtige Länge hat.

Natürlich klingt das alles trotzdem irgendwie auch nach New York, nach Röhrenjeans und einer gewissen jugendlichen Trotzigkeit, sodass gelegentlich auch Vergleiche mit Kollegen wie beispielsweise den Yeah Yeah Yeahs nicht ausbleiben. Trotzdem: The Hundred in the Hands können als Projekt überzeugen, vielleicht gerade weil sie aus so scheinbar Altbekanntem so viel herausholen.

An dieser Stelle sei auch noch auf die schicke Website der Band hingewiesen. The Hundred in the Hands sind zudem momentan auf Tour – am 17.11. spielen sie in Berlin im Berghain.

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