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31. December 2008, 16:20

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The Beef is Over

beef Was waren das noch für Zeiten™, als Beef in Hip Hop Kreisen noch kreative Früchte trug, und Battle Rap noch Niveau hatte, das über den Sprachgebrauch von pubertierenden 15-jährigen Hauptschülern hinausging. Man erinnere sich an LL Cool J gegen Kool Moe Dee Ende der 80er Jahre, oder an Ice Cube gegen seinen alten N.W.A. Kollegen Eazy-E Mitte der 90er, oder natürlich an den inzwischen legendären Battle zwischen Jay-Z und Nas in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends. Das waren Battles, die ganze Alben inspirierten, die inzwischen als Klassiker gelten. Natürlich, es ging nicht immer alles nur lyrisch vonstatten, manche kostete der Beef das Leben. Tragisch und überflüssig, keine Frage, aber immerhin authentisch.

Inzwischen sind Hip Hop Battles zur Farce verkommen, wie sogar der Guardian jetzt festgestellt hat. Dank dem Internet und YouTube ist der klassische, durchdachte und wohlformulierte Diss der öffentlichen Zurschaustellung von Profanitäten gewichen. Rapper battlen sich nicht mehr in Tracks, sondern in Videos, sind keine Lyriker mehr, sondern Schauspieler, es geht nicht mehr um den kreativen Austausch von Beats und Texten, sondern nur um die Views bei YouTube. Und das Schlimme ist, dass gerade junge Rapper darauf aus sind, sich genau damit einen Namen zu machen, wie Brian McManus von Philadelphia Weekly zusammenfasst:

“I can make a YouTube video dissing everyone I know, and it would be fucking hilarious. But I can’t make a rap song anyone would want to hear. These kids were not raised to respect rap as art. They were raised with it as a means of commerce. They’ll do anything to exploit themselves to get the almighty dollar.
[...]
Essentially, the internet has turned rap battles into 2girls1cup. We’re all morbidly curious about what might go on behind the veil, but we’re none the better for having seen it.”

Angesichts der tristen Realität ist es fast schon erfreulich, dass es in Deutschland nie eine wirkliche Battle-Kultur gegeben hat. Wenn sich ein Kool Savas mit einem Eko Fresh in den Haare hatte, wirkte das immer wie zwei Mädchen, die sich auf den Schulhof um die Barbie-Puppe zankten, und auch Sido und Azad hatten immer den Anschein, dass sie eher Backstage zusammen Panini-Bilder tauschen, während ihre “Bodyguards” sich gegenseitig für die Kameras auf die Mütze hauen, und später dann trotzdem alle bei Stefan Raab auf der Couch sitzen. An einen wirklich textlich und musikalisch ansprechenden Beef kann ich mich jedenfalls nicht erinnern.

Ein Kommentar

  1. rydm

    moses pelham hat dem raab ja mal das nasebein gebrochen. leider nur konkret und nicht textlich.

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