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3. June 2009, 17:34

Alben

Svarte Greiner – Kappe

Wer dachte, dass das Debüt von Erik K. Skodvin alias Svarte Greiner schon eine ziemlich düstere Angelegenheit war, sollte Kappe besser nicht im Dunklen hören. Denn die vier Tracks gehören zum verstörtesten und düstersten Dark-Ambient, das ich seit langem gehört habe. Vier Kompositionen in unterschiedlicher Länge, von denen der fast schon ironisch betitelte Opener Tunnel of Love noch das kürzeste Stück darstellt, auch wenn es den anderen in Sachen Intensivität in Nichts nachsteht: angetrieben von einem permanenten, metallenem Geräusch von rasselnden Ketten, braut sich im Hintergrund langsam ein kolossaler Sturm zusammen, ehe man in tiefe Drones und undurchdringendes Rauschen abdriftet. Dagegen wirkt der Anfang von Where Am I geradezu friedlich, doch auch hier setzt bald klaustrophobische Enge ein, weicht auch der letzte Kerzenschimmer totaler Dunkelheit. Immer wieder brechen Fragmente durch, die entfernt Stimmen und Schreie sein könnten, dekonstruierte Instrumente, Gitarrenfetzen und vermummte Saxophonklänge quellen aus der hallenden Weite hervor und verlieren sich wieder. Der fast schon sakrale Unterton wirkt zunehmend wie der Soundtrack des letzten Gerichts. Und doch ist Kappe keine willkürliche Ansammlung verstörender Sounds, sondern erstaunlich gut durchkonzipiert. Trotz der scheinbaren Monotonie, die die 16 Minuten von Candle Light Dinner Actress durchzieht, schafft es Skodvin, trotzdem die Aufmerksamkeit hoch zu halten, auch oder gerade wenn sich einem zuweilen die Nackenhaare aufstellen.

Kappe ist ein 45-minütiger Horrortrip, und damit auch ein Album, das an den Nerven und der Ausdauer der Hörer zehrt. Ein Album, das aus den tiefsten Wäldern Norwegens zu kommen scheint, und genau dorthin auch wieder verschwindet, ohne dass man genau weiß, was einen getroffen hat. Eine Unheimliche und vor allem unheimlich dichte Angelegenheit. Wahnsinnig, im doppelten Sinne.

Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] noch in den Jahren zuvor. Egal ob luftig-befreiend wie bei Bvdub, düster-beklemmend wie bei Svarte Greiner oder klassisch angehaucht wie bei William Basinski – schon lange gab es nicht mehr so viele [...]

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