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thelastbeat.com. Sympathy for Disruption. Elektronische Musik, Netzkultur und Anti-Establishment, portioniert serviert im Blogformat, pikant gespickt mit ausgewählten Interviews, Features und Reviews, und abgeschmeckt mit einer Brise Netaudio, unkontrolliert gebraut seit 2005.
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Soap & Skin - Live in Frankfurt, 5.4.2008

Soap & Skin, das ist der Künstlername von Anja Plaschg, einer inzwischen 18-jährigen Künstlerin, die an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert, und eine klassische Pianoausbildung genossen hat - die Basis ihrer Songs. Mit 16 Jahren kam sie mit dem Berliner Shitkatapult Label in Kontakt, veröffentlichte dort einen Track auf einer 12″ Compilation, und plant für Ende dieses Jahr ihr Debütalbum, eine Mischung aus tieftraurigen Pianostücken, auf der sich ihre fragile Stimme mit dezenten elektronischen Sounds vermischt. Wie weit sie inzwischen als Künstlerin gereift ist, hat der Auftritt im Frankfurter Mousonturm gezeigt.

Es ist ein bestuhltes Konzert in einem kleinen Raum. Kaum zwei Meter trennen die erste Reihe des Publikums von der Bühne, auf der ein einsames Piano steht. Auf dem Piano ein Laptop, das einzige Instrument, daneben eine Leinwand, die jedoch vorerst nur einen monotonen Blauton preisgibt. Die Stimmung ist von Beginn an sehr andächtig, man traut sich kaum zu atmen, ein Foto wäre unangemessen, eine Unterhaltung mit dem Nachbar unvorstellbar. Nur das gelegentliche Eintreten neuer Besucher durchbricht die intime Atmosphäre.

Soap & Skin sitzt schüchtern, leicht gebeugt über ihrem Instrument, richtet oft ihr Mikrofon neu aus, nippt gelegentlich an einer viel zu großen Wasserflasche. Zwischen den Songs spricht sie nicht, ihr kaum hörbares “Dankeschön” geht im Applaus unter. In ihren Songs ein anderes Bild: Ihre Stimme durchdringt den Saal, mal gefühlvoll hauchend, mal verschmerzt schreiend, während ihre Finger elegant und stets anmütig über das Instrument gleiten. Sie beherrscht es, das merkt man, sie spielt präzise, geleitet von der Zeitangabe auf dem Bildschirm geht sie in den sehr kurzen Stücken eine Symbiose mit ihrer Musik ein, sie taucht ab, sie entblößt sich in jedem Stück ein bisschen mehr, und lässt das Publikum daran teilhaben.

Ein Großteil der Songs besteht fast gänzlich aus Piano und der fragilen Stimme, nur wenige werden mit experimentell-elektronischen Beats untermalt, wobei einige durchaus an die Produktionen von Apparat erinnern. Es sind gezielt akzentuierte Höhepunkte, spärlich, aber gewusst eingesetzt. Die Stücke von Soap & Skin sind traurige Pop-Elegien, sie handeln von Trauer, von Schmerz, von Liebe und Gewalt, angetrieben von dem stetigen Gefühl, dass hier etwas nicht in Ordnung ist, von einem geradezu verstörenden, aber nicht minder faszinierenden Weltschmerz. Ihre Stimme erhebt sich aus dem rauschenden Elektronikteppich, sie verstärkt sich im Einklang mit den Noten, und geht mit einem durchdringenden Schreien und Flehen dem Klimax entgegen.

Nach gut 50 Minuten erhebt sie sich, stellt sich in die Dunkelheit neben die Leinwand, wo in hektischer Stop-Motion-Manier immer wieder eine nackte Gestalt inmitten eines Schweinestalls auftaucht. Soap & Skin weiß genau wie ihre Musik wirkt, und sie weiß ebenfalls über die Provokation ihrer Performance Bescheid, und wie die Zuschauer darauf reagieren. Zunächst mit unsicherem Schweigen, mit gespanntem Warten ob hier noch etwas folgt, dann mit zurückhaltendem, aber ehrlichem Applaus. Sie kehrt zurück auf die Bühne, spielt ein weiteres Kleinod auf dem Piano, und gibt dann schüchtern zu, dass sie leider nicht mehr Songs parat an. Dabei huscht ihr tatsächlich ein kleines, entwaffnendes Lächeln über das Gesicht.

# Livevideo, Salzburg 2008 @ Youtube


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