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thelastbeat.com. Sympathy for Disruption. Elektronische Musik, Netzkultur und Anti-Establishment, portioniert serviert im Blogformat, pikant gespickt mit ausgewählten Interviews, Features und Reviews, und abgeschmeckt mit einer Brise Netaudio, unkontrolliert gebraut seit 2005.
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Schamoni liest “Dorfpunks”

‘King’ Rocko Schamoni liest in Frankfurt. Mit mittelstarker Erkältung betritt er die Bühne um aus seinem neuen Buch “Dorfpunks” über seine Jugend und sein Leben zu erzählen. Er beginnt, wie er selbst sagt, seine Lesetour chronologisch, d.h. am Anfang des Buches, nur um dann im Laufe der 90 min. doch immer wieder einige Jahre nach vorne springen.
Nachdem diverse Flaschenbiere an das Publikum verteilt sind geht es dann auch gleich los; Standort: Lütjenburg, irgendwo im nirgendwo der Holsteinischen Schweiz, nähe Kiel. Der kleine Rocko muss sich seine Position in der Dorfszene erarbeiten. Er erzählt über sein Waffenarsenal, wie er mit seinen Freunden auf Kühe geschossen hat, von einem Mädchen dass zu Ehren der Inkas Inka getauft wurde und von seinem wachsenden Interesse an einer Sache, der wohl wichtigsten: Punk. Ein AC/DC Konzert in Kiel wird zum Mekka der jungen Dorfpunks, eine Disco namens “Mayers” (die eigentlich “Schröders” hieß wie jemand aus dem Publikum anmerkt) avanciert zur heimlichen Wallfahrtsstätte des jungen Schamoni, der sich die Haare zerschnippelt und zerfetzte Hosen zu seiner Konfirmation trägt. Eine norddeutsche Sex, Drugs & Rock’n'Roll Geschichte. Gegen Ende gibt’s dann noch einen kleinen LSD Trip und die Geschichte seiner ersten Band, mit dem geistreichen Namen “Warhead”.

Sprachlich gesehen wirkt das Buch etwas holprig, Schamoni benutzt viele elliptische Sätze, die sich teilweise um sich selbst drehen (Niemand konnte ihr helfen, denn es war niemand da der ihr helfen konnte), was zwar so gewollt ist (hoffentlich!), aber insgesamt doch eher künstlich wirkt.
Trotz allem gelingt Schamoni genau das was er am besten kann: Unterhaltung. Auch wenn der (natürlich nur zur Behandlung seiner Grippe) verwendete Grog gepaart mit Bier, besonders im zweiten Teil der Lesung, allmählich Wirkung zeigt, und Schamoni immer häufiger selbst lachen muss, funktionieren die kleinen Anekdoten prächtig. Das Publikum ist gut gelaunt, lacht mit (und gelegentlich wohl auch über) ihn, einige scheinen sich zumindestens vom Alter her auch durchaus mit ihm und der Zeit identifizieren zu können. Etwas zerfahrener wird es dagegen wenn eine gewisse Selbstreflektion ins Spiel kommt und Schamoni versucht ‘ernst’ zu sein. Das funktioniert nicht ganz so gut, und wird dann auch per “Stop!”-Ruf vom Publikum aus bemerkt (wenn auch vorher so abgesprochen).

Insgesamt eine unterhaltsame Lesung, die nach gut 90 min. aber auch ein Ende verdient hat.

Rocko Schamoni - ‘Dorfpunks’ ist im Rowohlt Verlag erschienen.


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