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5. December 2007, 23:46

Alben

Roisin Murphy – Overpowered

Als ich Overpowered das erste Mal, oder eigentlich die ersten Male gehört habe, war ich geneigt es so schnell wie möglich zu vergessen. Bis mir aufgefallen ist, wie ähnlich Overpowered doch an das letzte Moloko Album Statues anknüpft. Doch der Reihe nach: Früher waren Moloko immer die etwas schrägen Trip Hop Heads, die zwar immer in Richtung Mainstream schielten (siehe Sing it Back), aber es auf Albumlänge nie so wirklich geschafft haben. Dann kam also Statues, dieser glattpolierte Swan Song; opulente Streicher statt Samples, ambitionierte Texte statt Phrasen. Langjährige Fans waren skeptisch, andere, mich eingeschlossen, begeistert – aber auch hier bliebt der erwartete Erfolg aus.

Ganz ähnlich ist es mit Róisín Murphy als Solokünstlerin: Ruby Blue war ein sensationelles Debüt; im Soundkleid von Matthew Herbert war es ein verschrobenes Avantgarde Jazz/Popalbum, dass trotz einiger eingängiger Songs zwar nie wirklich charttauglich war, die Kritiker jedoch überzeugte. Overpowered geht von vorne herein in eine ganz andere Richtung. Statt sich auf einen Produzenten zu einigen, hat sich Róisín gleich mehrere ins Studio geholt, darunter auch Groove Armada und Bugz in the Attic. Overpowered ist eine Ode an House, an Disco, ja auch an Glamour, zu dem Róisín Murphy sicherlich schon immer eine besondere Beziehung hatte. Es ist eingänglicher, poppiger, und stellenweise auch etwas zu dick aufgetragen. Die upbeat Disconummern wie You Know Me Better und Let Me Know sind das Gegenteil zu Ruby Blue: Aufpoliert und glattgefeilt, fast schockierend für jemanden, der etwas im Stil des Vorgängers erwartet hätte, aber dabei ist es alles andere als schlecht oder gar billig produziert; zwar mit vielen Ideen gespickt, weniger konzeptuell, aber funktional.

Wer sich darauf einlässt, den ersten ‘Schock’ überwunden hat, wird nicht darum kommen mit dem Fuß zu wackeln, und wenn bei Let Me Know nach drei Minuten der Housebeat in die ekstatisch-befreiende Bridge übergeht, kann man sich kaum ein Lächeln verkneifen. Der Titeltrack übernimmt sogar die Bassline des Discoklassikers von La Bionda, und auch sonst scheut man sich nicht davor Referenzen zu Giorgio Moroder und co. durchscheinen zu lassen.

Doch wer das Album als reines Dancefloorfutter für Londoner Afterwork-Clubs vermutet, irrt. Es sind die ruhigeren Momente, die sich wirklich einprägen. Checkin’ On Me mit tollem Bläserarrangement zum Beispiel, oder die nachdenklicheren Songs wie Primitive, Tell Everybody oder Dear Miami (das übrigens den Klimawandel als Thematik aufgreift), dich sich mit wunderbar zerreißender Unterkühltheit unter reduzierten Streichern und zurückhaltenen Basslines um die Stimme legen, die selten besser geklungen hat. Hier ist vielleicht auch die Parallele zu Molokos Statues: Auch wenn einige der Songs massenkompatibel sind – als Gesamtkunstwerk behält sich Overpowered doch gewisse Kanten und Ecken vor.

Aber trotzdem: Wenn es jemand schafft dieses Album, diese Sammlung von Ideen und Sounds, auch wirklich so glaubhaft rüberzubringen, dann Róisín Murphy. Mal arrogant, mal verletzlich, mal augenzwinkernd, aber immer stilsicher, ‘classy’ eben. Da verzeiht man auch Fehlgriffe wie das Goldfrapp-inspirierte Movie Star, oder den pseudo-Industrialhouse Beat von Cry Baby.

Wie sagt man doch so schön: Es wird mit jedem Mal besser.

4 Kommentare

  1. Carsten

    Mir gefällt das Album insgesamt auch ziemlich gut. Und Du hast recht, “Movie Star” und “Cry Baby” sind doch ein bisschen viel des Guten, das klingt mir zu sehr nach Neunziger à la 2 Unlimited.

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  2. pEtEr

    Ja, auch ich muss gestehen: Overpowerd ist ein Hammer-Album.
    Was mir so gut gefällt sind die vielen Kleinigkeiten im Sound die an Produktionen aus den 80ern und 90ern erinnern, ohne zu plump zu wirken. Großartig!

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Trackbacks

  1. [...] Roisin Murphy – Overpowered [...]

  2. [...] bin erschüttert, dass ich das Video zu diesem wunderbaren Song aus einem nicht minder wunderbaren Album erst jetzt entdeckt habe. Denn eine tanzende Róisín Murphy ist eigentlich immer eines Postings [...]

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