RSS

11. November 2007, 23:51

News

Richie Hawtin über die Zukunft des DJings

Richie Hawtin als Pionier zu bezeichnen geht schon in Ordnung. Auch wenn sich der Kanadier in den letzten Jahren etwas in seinem eigenen erschöpfenden Minimalsound rund um sein Label M_nus verloren hat, bleiben Alben wie Consumed (als Plastikman) und der Decks, EFX & 909 Konzept Mix ohne Frage Klassiker des Genres, mal ganz abgesehen von der Marke und Figur Hawtin selbst, und seine Beteiligung an innovativer Technologie wie Final Scratch und Beatport. Hawtin ist sicherlich kein Gegner des Fortschritts, weswegen er auch im aktuellen Future Issue (als PDF hier zu haben) von Mixmag auf die Frage eingeht, wie denn die Zukunft des DJs und des DJings ausehen wird. Neben interkontinentalen Clubnights mit Videoübertragung und neuartigen Soundkonzepten, könnte auch der Pacemaker eine Rolle einnehmen, ein komplettes DJ System in der Größe einer Fernbedienung. Ganz ehrlich hab ich keine Ahnung wie das funktionieren soll, aber Mr. Hawtin ist offensichtlich von der Idee angetan:

The Pacemaker is a whole new way for kids to become excited about music. This is something you put in your pocket and when you’re at school in the playground you can pull it out and start mixing tracks.
[...]
The next step for clubs is to build immersive sound environments. Instead of four stacks of speakers they’ll use, perhaps, 36 micro-speakers to spread the sound around you. This opens lots of possibilities. Now music performance is so loop-based, imagine if you could make one side of the room experience something slightly different from what people on the other side are hearing.

Überhaupt scheint Hawtin inzwischen gänzlich von Vinyl abhanden gekommen zu sein. Zwar schätzt er Vinyl als Medium, erwähnt jedoch die Nachteile davon, im Gegensatz zu digitaler Musik, und findet den Klang von Vinyl, im Gegensatz zu vieler seiner Kollegen, als nicht wirklich hochwertiger im Vergleich zu digitaler Musik:

For me I’ll always have a fascination with records because I grew up with them, but do I need them? Not really. Not only do they take up way too much space, they’re technically limiting and environmentally unfriendly. We’re moving to a point where vinyl will be a limited specialised market for people who choose to collect records as pieces of art.
[...]
The quality of digital is as good if not better than vinyl. Music begins life as a digital WAV file before it is mastered and turned into vinyl. But as a performer I have to learn new tools and ways of thinking in order to move forward in my art, so these arguments are irrelevant for me.

Der interessanteste Teil des Interviews kommt zum Schluss, wenn Hawtin darauf eingeht wie Musik in Zukunft gespeichert wird. Die Entwicklung der digitalen Musik sollte nämlich nicht weiterhin auf zusammenhängenden Tracks basieren, sondern jeden Track in einzelne Loops unterteilen, die alle individuell abrufbar sind, und die so das DJ- und Musikerlebnis komplett verändern könnten:

Right now an MP3’s tags can tell you basic information about a track like its name or artist. But what if you could encode more than that? You could break each track down into its individual loops and elements, and each of these elements and loops would be encoded with information about what influenced them or who made them.
[...]
So imagine if you had this cloud where all these songs were stored and encoded and you could pluck them down in real time during a performance? But what if you want to get deeper and you want to have just the high hats from a track and map them over the sound from another song playing. This kind of interactivity is where I want to get to. Getting down to the molecular level of songs. That would be amazing.

Das klingt momentan vielleicht noch etwas surreal, könnte aber schon bald Realität werden. Denn auch die mp3 wird auf Dauer nicht den Ansprüchen genügen, und neue Formen der digitalen Musikspeicherung werden früher oder später auftauchen. Interessant zu sehen, dass sich einige DJs dieser Veränderung durchaus bewusst sind, und sie, wie Hawtin, sogar begrüßen, während andere vermutlich auch in 20 Jahren noch Plattenkisten bis zum Bandscheibenvorfall herumschleppen werden. Einen DJ, der lediglich auf dem Pacemaker herumdrückt, möchte ich allerdings auch nicht sehen.

Ein Kommentar

  1. Renato

    Eine Party nur durch einen Pacemaker kann ich mir auch nicht vorstellen. Fakt ist aber, dass ich schon ein Party erlebt habe an welchen unter anderem mit einem Pacemaker aufgelegt wurde. Ist eigentlich gar nicht so übel. Übrigens, heute ist mein ganz persönlicher Pacemaker angekommen. Ist schon geil das Ding: http://groovenite.com/lifestyle/der-pacemaker-ist-angekommen/

    ReplyReply

Antworten