RSS

19. August 2008, 23:32

Dates

Review: Merkwürdiges Verhalten am Strand 2008

Zugegeben, es ist nicht leicht, ein mediterranes Strandfeeling in Offenbach am Main zu simulieren. Dabei haben sich die Veranstalter des diesjährigen Merkwürdigen Verhalten am Strand durchaus ins Zeug gelegt, und die Hafeninsel, die in den Sommermonaten eigentlich den King Kamehameha Beach Club beheimatet, mit drei Floors und einer Menge Palmen und Sand ausstaffiert, wobei man den letzteren unfreiwillig in sämtlichen Kleider- und Körperritzen als Souvenir mit nach Hause nahm. Immerhin: das Wetter spielte mit, und bei fast strahlend blauem Himmel und angenehmen 25°C kam das Strandfeeling ganz gut rüber, sofern man nicht auf die Industriehallen des gegenüberliegenden Ufers blickte.

Die Musik spielte, natürlich, ganz im Zeichen des bösen M-Wortes. Nein, nicht Metal und auch nicht Modern Classical, sondern Minimal, klaro. Während die zweite Stage, an ein Zirkuszelt erinnernd, schon am Nachmittag von den Robert Johnson Residents Vera, Meat, Federico Molinari beschallt wurde, war die Spitze der Insel, die Hauptstage, im Besitz einiger großer Namen, die sicherlich auch die meisten Besucher anlockten, weswegen schon bei Luciano, der ein sehr gechilltes, für die Uhrzeit aber passendes Set spielte, der Platz vor der Main Stage begrenzt war. Es folgte, nach fast einstündiger Verspätung, vermutlich wegen technischen Problemen, ein Liveset von Thomas Melchior, der jedoch etwas gedämpft, ja fast zurückhaltend spielte, weswegen wir uns auf der Subsonic Stage mit den Namensgebern von Subsonic Park von entspannt-deepen Dubtechno-Klängen verwöhnen ließen.

Entspannen ging jedoch nur so lange, bis man auf die Toilette oder zur Theke wollte, denn beides dauerte. Lange. Der Toilettencontainer war eindeutig zu sparsam konzipiert für ein Tagesfestival mit mehreren Tausend Menschen, weswegen man(n) förmlich keine Chance hatte als seine Notdurft in den Büschen am Mainufer zu verrichten. Ebenfalls Abzüge gab es beim Sound der Mainstage, denn anstatt die komplette Stage mit Boxen zu umrahmen, hat man sich lediglich für eine Frontbeschallung entschieden, was auch entschieden zu dürftig war für die verwöhnten (oder verdorbenen?) Ohren der Partygänger.

Das infernale “R&R-Duo”, Richie & Ricardo, durfte standesgemäß als letztes auflegen. Zunächst brachte Hawtin die Inselspitze buchstäblich zum überlaufen, und man wunderte sich, wie viele Laptops der gute inzwischen eigentlich mit sich rumschleppt. Die Musik war gewohnt solide, mit einigen Klassikern gespickt (Zentex’ Käyrä im Alex Under Remix – Bombe!), aber Hawtin-typisch immer ein wenig zu viel im Detail bewegend für den persönlichen Geschmack. Das Publikum, wie immer in Frankfurt ein wenig aus Schickeria, ein wenig aus alteingesessenen Feierleuten und ein paar verlorenen Seelen bestehend, zeigte sich jedoch gut gelaunt, was sich natürlich auch beim abschließenden Set von Ricardo Villalobos nicht änderte, den man aber noch öfters diese Nacht sehen sollte, weswegen wir es vorzogen, im “Zirkuszelt” den Abend bei einem funkig-treibenden Set von Magda ausklingen zu lassen.

Die offizielle Afterhour, die aber eigentlich keine Afterhour, sondern vielmehr der zweite Teil des Programms ist, fand pünktlich ab 23 Uhr im naheliegenden Robert Johnson statt. Vielleicht war es Glück, dass wir mit unseren Rädern einen Großteil der strömenden Masse überholten, so dass wir entgegen aller Erwartungen keine zwei Stunden anstehen mussten, wie es wohl vielen erging – trotz Bändchen. Trotzdem wurde der Club, der zunächst wieder von Luciano beschallt wurde, im Minutentakt wärmer, und steigerte sich schließlich zur Sardinenbüchse im siedend heißen Wasser. Das war jedoch zu erwarten, und dafür gingen sowohl Theken als auch Toilettengänge verhältnismäßig schnell. Im angrenzenden MTW sorgten Frank Lorber, Shinedoe und später auch Rhadoo für die Fortsetzung des soliden Minimalsounds, während sich im Robert Johnson bei gewohnt exzellenter PA Villalobos abermals austobte, und auch zwischendurch immer mal wieder auftauchen sollte. Berichten zufolge folgte auch Magda noch einmal gegen 7:45 Uhr, aber da waren wir schon bei der persönlichen, diesmal tatsächlichen, Afterhour tätig.

Fazit: eine Massenveranstaltung, keine Frage. Die großen Namen des Minimaltechno ziehen auch viele “Nicht-Fans” an, weswegen man sich darüber nicht beschweren sollte. Abgesehen von kleineren Toiletten- und Soundproblemen war es eine insgesamt mehr als unterhaltsame Party, die auch bei mangelndem Platz in einem der 10 besten Clubs der Welt ihren verdienten Abschluss fand. Die Getränkepreise fair für Frankfurter Verhältnisse, die Essenspreise, naja, nicht unbedingt, aber für 25€ Eintritt ist das “Merkwürdige Verhalten” doch eine gute Alternative für einen Samstag im Spätsommer, vor allem wenn es förmlich vor der Haustür liegt.

Antworten