RSS

12. November 2008, 15:59

Dates

Review: Atom™ – Live in Frankfurt

atomtm live

Was haben Atom Heart, Lassigue Bendthaus, Lisa Carbon, Schnittstelle, Flanger, Geeez’n'Gosh und Naturalist gemeinsam? Natürlich, mit den Pseudonymen, unter denen Uwe Schmidt in den letzten 20 Jahren veröffentlicht hat, könnte man problemlos ein 2-Tage-Festival füllen. Umso schöner, dass der Elektronika-Tausendsassa, in den letzten Jahren vor allem als Salsa-Caballero Senor Coconut mit Band und Orchester unterwegs, zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder einmal unter seinem Atom™ Alias einen Auftritt in seiner Heimatstadt Frankfurt zum Besten gab.

saasfee*.lab heißt die neue Location in Frankfurts Innenstadt, die, wenn man sie denn erstmal hinter dem wuchtigen Bürohaus gefunden hat, sich vor allem in elegantem Minimalismus präsentiert. Mit vollverglasten Wänden, die einen schönen Ausblick auf die angrenzende Parkanlage am Eschenheimer Tor liefern, noch bemerkenswert sauberen Teppichboden und viel Whitespace wirkt es weniger wie eine klassische Konzertlocation, sondern mehr wie eine Gallerie, was es aber vielleicht auch gerade so erfrischend macht. Ob es sich aufgrund der offenen Teilung des Raumes in der Mitte als ernsthafte Konzertlocation etablieren kann, wird man sehen müssen. Auch daran, dass die Heizkörper mangelnds ausreichender Sitzmöglichkeiten früher oder später als zusätzliche Sitzgelegenheit herhalten müssen, obwohl dies durch ebenfalls sehr stylishe Schildern nicht erlaubt ist, hat man nicht gedacht. Nun gut, Sitzen kann man auch zuhause.

Ähnlich minimalistisch auch das Setup von Atom™: zwei Leinwände, eine davon mit Visuals versehen, die andere mit dem wunderbar giftgrünen DOS-Screen der MPC, die sich, zusammen mit einem Tenori-On, zwischen den Screens befand, so dass das Publikum jede Veränderung, jedes Laden eines neuen Presets, jeden Timing- und Delay-Effekt nicht nur hören, sondern auch sehen konnte, ein gewisses Basicwissen in Sachen Musikproduktion vorrausgesetzt. Ein nettes Gimmick, das natürlich perfekt zu den ASCII-Visuals passte, die gelegentlich von vorbeihuschenden, wenn auch nicht expliziten, Szenen aus Vintage-Pornos durchbrochen wurden.

Atom™, adrett im Anzug gekleidet, entlockte seiner Gerätschaft eine Mischung aus Snd’s Micropatternfunk und der Slickness von Jimmy Edgar, brach dabei immer wieder die Strukturen auf, ohne dabei den permanenten Drive vermissen zu lassen, behielt die kickende Bassdrum stets bei und schafft es trotzdem, immer wieder Querzudenken. Auch das doch sehr zurückhaltende Publikum begann nun langsam, im Takt zu nicken, während sich Atom™ mit geradezu stoischer Konzentriertheit von Pattern zu Pattern klickte und schraubte. Nach gut 30 Minuten dann das überraschende Break, Atom™ tritt zurück und lässt ein altes Video laufen, in dem er zu seiner Musik auch noch singt. Spätestens jetzt merkte auch der letzte Besucher im Raum, dass hier alles sehr augenzwinkernd gemeint ist, und unter dem Lachen des Publikums konnte sich auch der Protagonist ein Schmunzeln nicht verkneifen. Was folgte war zum Glück noch nicht das Ende, sondern abermals eine gute Viertelstunde Musik, wobei ich mich erinnere, auch einige Sequenzen aus dem letzten Album gehört zu haben.

Das Ende kam dann aber doch zu zeitig nach gut 45 Minuten; eine Verbeugung und der Abtritt, aus und vorbei. Eine Zugabe gab es, trotz Beifall, nicht. Schade eigentlich, denn Uwe Schmidts vielleicht tanzbarstes Elektronik-Projekt wirkte trotz aller Oldschool-Anleihen erfrischend anders, und ich hätte für meine 16,50€ gerne noch eine halbe Stunde weitergegroovt. Oder länger.

# Bilder auf Flickr

Antworten