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15. January 2008, 08:54

Tägliches

Rauchverbot in Clubs

Rauchverbot ist in. Zumindestens den Politikern nach. Bei den meisten Clubbesuchern ist es dagegen ziemlich out. Wir in Hessen sind ja nun schon einige Monate in den rauchfreien Genuss gekommen, seit Anfang diesen Jahres haben auch andere Bundesländer, u.a. Berlin nachgezogen, und auch in England herrscht seit Mitte letzten Jahres der “smoking ban”. Vielleicht ist es nicht überraschend, dass heute gleich zwei Artikel zum Rauchverbot in Clubs unter meinen Feeds zu finden waren. Auf RA setzt sich Lee Smith mit dem Ban in England auseinander. Was mich immer wieder fasziniert, ist wie vor allem Raucher den “neuen” Körpergeruch in Clubs beklagen:

it now smells like a medieval sewer filled with wet dog hair and rotten cabbage.

Zum einen kann ich persönlich das nicht wirklich bestätigen, denn intensiven Schweißgeruch habe ich auch früher schon aus dem Rauch herausgerochen (vielleicht weil mein Geruchssinn noch nicht völlig gestört ist), und ich finde nicht wirklich dass es nun intensiver ist. Klar, man riecht Sachen, die man nicht riechen möchte, aber man kann sich wenigstens mit gutem Gewissen sagen dass es nicht die Lunge teert. Und ganz im Ernst, wer damit nicht klar kommt sollte vielleicht lieber zuhause bleiben. Vermutlich sind es die gleichen Leute, die auch den Schweißgeruch in der Turnhalle bemängeln, die sich nun beschweren. Zudem bin ich mir nicht sicher was ich ekliger finde – den Schweißgeruch in Clubs oder die extremen Kippenausdünstungen einiger Menschen in der U-Bahn.

Nicht minder lächerlich und arm ist es, wenn Raucher von vornerein zuhause bleiben, nur weil sie in einem Club nicht rauchen können. Hab ich etwas verpasst, und geht es bei einem Clubbesuch nicht mehr primär um Musik und Tanzen? Kann man sich einen Abend vermiesen lassen nur weil man nicht rauchen kann? Vielleicht sollten hier einige ihre Prinzipien überdenken…

Was mich jedoch auch, selbst als Nichtraucher, stört ist diese ständige Bewegung der Raucher in die Rauchzonen und zurück, die nicht nur extrem störend ist, sondern offensichtlich auch die DJs beschäftigt:

Surgeon: “Personally I’m glad that it has been banned. One downside is that the crowd can be in a constant state of flux with people going outside for a cigarette then coming back to the dancefloor. This makes it much more difficult to build sets that don’t just rely on instant gratification.”

Tanith befasst sich ebenfalls mit dem Rauchverbot in Clubs im aktuellen Thema der Woche: Zum einen meint er, dass Rauchen einfach nicht mehr cool ist (womit er absolut Recht hat…Rauchen ist sowas von letztes Jahrtausend), und auch die Gefahren in die Öffentlichkeit gerückt werden müssen, zum anderen wird bemängelt, dass durch Gesetze wie das Rauchverbot wieder nur die Inkonsequenz der Politiker aufgezeigt wird, da Alkohol, der ebenso gefährlich ist, natürlich nicht angetastet wird. Ich sehe das ganz ähnlich, auch was das gezielte Verbot in den Clubs angeht: Ein Club ist kein Platz, an dem man sich dem Gesundheitswahn, so richtig er sein mag, hingeben muss; Das Rauchverbot geht in Ordnung in Restaurant, Kneipen und allgemeinen öffentlichen Räumen (vor allem dort, wo Kinder anwesend sind), aber in einem Club gibt es wirklich wichtigeres.

Deshalb finde ich das Rauchverbot im Clubkontext beides, richtig und falsch. Richtig aus den oben genannten Gründen und falsch weil das eh Räume des Hedonismus, des Genusses und der Hemmungslosigkeit sind, wenn sie gut sind.