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28. September 2009, 23:53

Alben

Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx II

Vor 14 Jahren, 1995, hat Raekwon mit Only Built 4 Cuban Linx eines der bis heute besten Solo-Alben aller Wu-Tang-Member veröffentlicht und einen Klassiker des East-Coast-Rap erschaffen. Jetzt schreiben wir 2009 und und Pt. II ist vollendet. Dass die einfache Referenz eines vorherigen Albumtitel nicht immer von gleicher Qualität zeugen muss, hat Jay-Z gerade mit einem Witz namens The Blueprint 3 eindrucksvoll bewiesen. Aber Rae ist nich Jigga und Only Built 4 Cuban Linx Pt. II bricht nicht wie ein Kartenhaus unter den Erwartungen zusammen. Im Gegenteil. Raekwon ist zurück und dabei so gut wie seit genau 14 Jahren nicht mehr.

Pt. II knüpft im weitesten Sinne an die Storyline des ersten Teils an, was schon durch eine Adaption des Original-Intros angekündigt wird. Einziger Unterschied: Die Geschichte des Mafiosi-Kartells ist größer geworden, ist expandiert und damit alten und vor allem auch neuen Problemen ausgesetzt. Und doch sind die Episoden etwas freier, und obwohl immer wieder Skits in die Tracks eingearbeitet sind, funktioniert das Album vor allem auch auf individueller Track-Ebene, was natürlich auch an der exzellenten Produktion liegt. RZA und sein cineastischer Cut & Paste Produktionsstil ist auf drei Tracks zu finden, ebenso wie der schmerzlich vermisste J Dilla, dessen Beats zu den besten hier gehören. House of Flying Daggers z.B. ist gleich das erste Ausrufezeichen, ein klassisches Wu-Tang Ensemble, gespickt mit entsprechender Besetzung und nervös-klaustrophobischem String-Arrangement. Ason Jones dagegen basiert auf Dillas Believe in God, das im letzten Jahr bereits auf der Jay Love Japan EP (einer unser Favoriten) herauskam, und hier den perfekten Backdrop für eine gefühlvolle Hommage an den verstorbenen ODB bildet, und so etwas wie das emotionale Highlight des Album markiert.

Doch an Highlights mangelt es generell nicht, woran vor allem auch die Gäste maßgeblich beteiligt sind. Natürlich finden sich alle noch verbliebenen Wu-Tang-Mitglieder wieder, und vor allem Ghostface Killah drückt gleich mehreren Tracks seinen Stempel auf, vom verstört-erschütternden Text im ansonsten durchaus radiotauglichen Cold Outside bis hin zur messerscharfen Punchline-Attacke im fantastischen Penitentiary, auf dem er über einem astrein kickenden Battle-Beat gemeinsam mit Raekwon seine Stellung als der vielleicht konstanteste Part des Clans unterstreicht. Dabei sind aber auch die anderen Gäste in Topform: Inspectah Decks Performance auf Black Mozart ist mehr als solide und Masta Killa Part dominiert das wuchtig vor sich hin bouncende We Will Rob You. Have Mercy weckt weitere Erinnerungen, und zwar an Atmospheres Hey There aus dem Jahre 2005, die das gleiche, zugegeben massive Sample der East St. Louis Gospelettes verwendet haben, und das nun durch Beanie Sigels lupenreine Rhetorik veredelt wird. Einzig allein Method Man enttäuscht etwas, wobei aber zumindest sein Chorus und letzter Vers auf New Wu kurzzeitig alte Größe aufblitzen lassen.

Und doch, auch die Tracks die Raekwon alleine dominiert werden mit Bravour gemeistert, denn auch wenn Rae nie der Mann für die großen Punchlines gewesen ist, war er in Sachen Storytelling schon immer einer der besseren des Clans. Einzig auf den letzten Tracks flacht die Qualität insgesamt etwas ab, und der Closer Kiss the Ring ist zwar textlich ein guter Abschluss der Story, hat aber gleichzeitig den einzigen Beat, der zu plump und deplatziert wirkt. Ansonsten aber ist Pt. II mehr als nur eine runde Sache. Nachdem viel geredet wurde im Vorfeld, hat sich Raekwon auf alte Stärken besinnt, sich genau die richtigen Producer geangelt, die es geschafft haben, dem Wu-Tang-Sound Tribut zu zollen ohne angestaubt zu klingen, und auf eine solide Gästeliste gesetzt, die kollektiv überzeugt. Listen, Jay-Z, so macht man ein gutes Album!

Hip Hop in 2009? It’s wu, motherfucker!

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Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] The Chef hat es abermals der Konkurrenz gezeigt. Raekwon ist zusammen mit Ghostface das wohl konstanteste Wu-Tang Mitglied, und wenn beide wie hier auf mehreren Tracks zusammentreffen, weiß man genau, woran man ist: Messerscharfe Punchlines und exzellent produzierte Beats (u.a. von RZA und Dilla), natürlich etwas weniger “raw” als noch auf dem epochalen ersten Teil, der vor 14 Jahren (!) erschienen ist, aber deswegen nicht minder markant. Der Titel alleine verspricht einiges und setzt hohe Erwartungen, die nicht enttäuscht werden. Das beste Album aus dem Umfeld des Clans seit langer langer Zeit, und ein Standortbestimmung für “Gangster Rap” im Jahre 2009. [Review] [...]

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