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22. March 2013, 14:06

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“Between the B(r)ea(s)ts”: Nina Kraviz

Resident Advisor hat eine neue Videoserie am Start. Als Nachfolger von Touring Scenes geht es in Between the Beats ebenfalls um das Leben von DJs jenseits und zwischen den Auftritten. Zum Auftakt hat man dabei die Russin Nina Kraviz zwischen Bulgarien, Belgien und Deutschland begleitet. Und auch wenn ich diese Hintergrundfilmchen über DJs oder Musiker in der Regel mag, habe ich mit dieser Ausgabe so meine Probleme. Es kommt mir nämlich so vor, als ginge es hier weniger um die Musikerin Nina Kraviz, als vielmehr um die hübsche Frau Nina Kraviz.

Das beginnt schon in der Anfangssequenz. Eine attraktive junge Frau macht sich schick und verlässt das Hotelzimmer. In der nächsten Einstellung sitzt sie im Bikini am Strand, vor einem idyllischen Sonnenuntergang taucht sie in das Meer ein. Später sieht man sie mit einem rückenfreien Kleid in der DJ-Kanzel, die Kamera fährt in Zeitlupe an ihr vorbei, zeigt ihren Rücken, ihre Haare und – wieso auch immer – gleich mehrfach ihre Heels. Man fragt sich, ob man bei einem Film über Sven Väth seine ausgelatschten Sneaker zu sehen bekäme. Eher nicht. Noch etwas später sieht man Frau Kraviz dann in einer Badewanne, einzig Schaum verhindert den Blick auf mehr. Dazwischen erzählt sie vom Reisen, von Musik, von Freunden. Dinge, die man(n) angesichts der Bilder schnell überhört.

Nun ist mein Sexismus-Melder in der Regel nicht so ausgeprägt, dass ich hier sofort reflexartig “sexistische Kackscheiße!” schreien möchte. Glücklicherweise geht es aber nicht nur mir so. Auch in den Kommentaren bei RA sind viele der Ansicht, dass einige der Einstellungen unnötig sind und vom eigentlichen Thema ablenkten. Es sei denn das Thema sollte sein, dass Frau Kraviz einen hübschen Körper hat.

Ich möchte den Machern nichts unterstellen. Ich vermute vielmehr, dass hier Strukturen und Mechanismen am Werk sind, die typisch für die Szene der elektronischen Musik sind. Die ist nämlich, und da können Leuchttürme wie Ellen Allien, Anja Schneider, Magda, Maya Jane Coles oder eben Nina Kraviz nichts dran ändern, weiterhin ein Macker- und Mucki-Business. Weibliche DJs werden zwar gerne gebooked, manchmal scheint das aber auch nur Quotengründe zu haben. Beziehungsweise freut man sich über den gewissen “Exotenfaktor”, eine Frau im Line-up zu haben. Da haben die männlichen Gäste immerhin auch mal was zum Gucken. Und genau aus dieser Denkweise heraus scheint mir auch das RA-Video entstanden zu sein: Man war einfach froh, zum Auftakt einen weiblichen DJ gefunden zu haben, deren Weiblichkeit man deshalb auch übertrieben hervorheben muss.

Zur Verteidigung der Macher könnte man natürlich sagen, dass Nina Kraviz eine Künstlerin ist, die mehr als andere Kolleginnen mit ihrem Aussehen und Sexualität kokettieren. Auf Pressebildern räkelt sie sich lasziv auf dem Boden oder präsentiert sich im Nachthemd auf dem Sofa. In ihrem Track I’m Gonna Get You (einer ihrer besten) haucht sie in einem Monolog “I want to see you naked with your legs open” und erzählt von “cocks cumming so hard”.

Es ist also gut möglich und sogar wahrscheinlich, dass sich hier beide Seiten auf diese Porträtierung eingelassen haben, also auch Frau Kraviz bewusst ihre Rolle der schönen Künstlerin spielt.

Etwas seltsam kommt es mir trotzdem vor.

Update 9.4.: Nina Kraviz antwortet auf die Kritik.

2 Kommentare

  1. Ronny

    Danke. Dafür.

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