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13. March 2009, 09:55

Alben

Prefuse 73 – Everything She Touched Turned Ampexian (Warp)

Scott Herren, besser bekannt als Prefuse 73 und weniger bekannt als Savath & Savalas und Delarosa + Asora, war nie ein Mann für lange Tracks, für ausgedehnte Kompositionen oder klassische Songstrukturen. Gerade als Prefuse 73 hat er schon immer den direkten Weg gesucht, ein Weg, der mit einer Mischung aus IDM, Cut-Ups und HipHop Beats, ein wenig Live-Drumming und, gerade auf den letzten Alben, auch vermehrt Synthesizern ausgelegt war. Everything She Touched Turned Ampexian ist das fünfte Album für Herren als Prefuse 73, und es enthält mehr und damit auch kürzere Tracks als alle Vorgänger. Eine konsequente Weiterentwicklung seines Sounds, könnte man annehmen. Das stimmt zwar auf der einen Seite, aber leider führt das fünfte Album auch den leichten Abwärtstrend der letzten beiden Alben fort.

Prinzipiell macht Herren genau dort weiter, wo er aufgehört hat. Es geht direkt rein in die Tracks, die genauso schnell anfangen wie sie aufhören; der Großteil der Songs auf Everything She Touched… ist zwischen 0:45 und 1:45 min. lang. Dabei gibt es wieder die kurzen rumpelnden, Drum-lastigen Beats der Vorgänger (Oh Is It, Half Up Front) den klassischen Chop-up-Style (Punish, Digan Lo), zerhackte Vocals, Gitarren- und Synthesizerfetzen und eine Melasse anderer, undefinierbarer Samples und Loops. So weit, so bekannt. Allerdings ist Herren hier am besten, wenn er die Beats zurücknimmt. Gerade zwei der längeren Tracks, Simple Loop Choir und der Schlusstrack Formal Dedications, stechen in ihrer Reduziertheit aus dem Sound-Dschungel heraus, und erinnern eher an Herrens andere Projekte. Und genau hierin liegt das Problem: Everything She Touched… ist ein typisches Prefuse 73 Album, aber es ist auch nicht mehr, und genau die Tracks, die am wenigsten nach Prefuse 73 klingen, sind die Auffälligsten.

Es scheint, als hätte sich nach fünf Alben der Produktionsstil einfach abgenutzt, was aber nicht bedeutet, dass Prefuse 73 nicht immer noch interessante und komplexe Beats bauen kann, nur wirkt es auf Albumlänge nicht viel mehr als eine Sammlung abstrakter Ideen, eine scheinbar wahllos zusammengewürfelte Kollektion von Samples und fragmentalen Groove-Ansätzen, die leider viel zu oft ins Leere gehen, und ein unruhigen, aufgewühlten Eindruck hinterlassen. Vielleicht ist das Absicht, aber ich würde mir wünschen, vielleicht doch wieder mehr vollständige Songs zu hören, wie sie Herren damals noch bei seinem fantastischen Debüt Vocal Studies… mit scheinbar kopfnickender Leichtigkeit produziert hat.

# Prefuse 73
# Warp

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