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6. September 2009, 01:45

Alben

Oliver Koletzki – Großstadtmärchen

Ich hatte ja immer so meine Differenzen mit Oliver Koletzki. Das hat keine persönlichen Günde, nur mag ich seine Verkörperung des “3-Tage-Wach-Phänomens” nicht, das ihm scheinbar auf allen Bildern den klassischen Feieropfer-Look gibt, der durch das Tragen von stereotypischen ‘Minimal-Schals’ bei scheinbar jeder Jahreszeit noch verstärkt wird. Auch finde ich den Namen seines Labels – Stil vor Talent – recht unglücklich gewählt, steht er doch ungewollt Pate für die Masse von Techno- und Minimal-Produzenten, die versuchen musikalisches Talent durch scheinbaren ‘Stil’ auszugleichen, was natürlich nur selten funktioniert.

Nachdem das gesagt ist, kann ich ja gestehen, dass ich Oliver Koletzkis neues Album Großstadtmärchen durchaus mag, gerade weil er nicht mehr dem typischen Minimal-Sound früherer Tracks frönt. Nein, hier geht es größtenteils um Pop, und zwar genau um die Version davon, die es irgendwie viel zu selten gibt, vor allem im Radio. Dabei ist die Mischung mehr als radiotauglich. Denn hier gibt es bei gemächlichem Tempo einen durchgängig nicht minder entspannten, aber dennoch irgendwie packenden Groove, bei dem sich poppige Synths an herrlich lockere Piano-Passagen reihen, und alles auch noch standesgemäß mit entsprechenden Vocals abgeschmeckt ist. Die Gastsänger/innen sind in der Tat zahlreich vertreten; nur ein Drittel der neun Tracks kommt ohne Vocals aus, und mit MIAs Mieze und Kate Mosh sind auch zwei bekanntere Namen dabei, auch wenn sich der Rest nicht verstecken muss – so wunderbare Downtempo-Schunkler wie Zuckerwatte mit Juli Holz und These Habits mit Pyur hat man lange nicht mehr gehört. Und auch wenn Koletzki bei Instrumental-Tracks wie Warschauer Straße und Kusskompatibel immer wieder zaghaft in Richtung Dancefloor schielt, so sind es doch gerade die ruhigeren Tracks, die den größten Eindruck hinterlassen und die nicht nur exzellent produziert sind, sondern auch für den ein oder anderen herzzerreißenden Moment im Sonnenaufgang nach einer durchtanzten Nacht sorgen können. Vielleicht habe ich Herrn Koletzki wirklich Unrecht getan bis heute, denn dieses Album wird noch öfters bei mir laufen und es ist interessanter Schritt fort vom Einheitsbrei. Schöne Musik – schlicht und auch ergreifend.

# Preview + Buy: Zuckerwatte Single @ Zero”

2 Kommentare

  1. Ronny

    *unterschreib*

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  2. e.value

    ganz deiner meinung!

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