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11. May 2010, 22:28

Artists

Ólafur Arnalds – Neo-Klassik aus Island

Wer aktuell von Island spricht, kommt vermutlich früher oder später auf Vulkane und Staatspleiten zu sprechen. Dabei fliegt neben der gefürchteten Aschewolke auch immer wieder großartige Musik über den Nordatlantik zu uns. Der beste Beweis: Ólafur Arnalds. Dabei ist die Neuentdeckung eigentlich gar nicht so neu, denn Arnalds hat trotz des jungen Alters von 23 Jahren bereits zwei Alben auf dem britischen Erased Tapes Label veröffentlicht und u.a. auch Streicher-Segmente für die Postrocker von 65daysofstatic komponiert. Und trotzdem darf …And They Have Escaped The Weight of Darkness (eine Anspielung auf Bela Tarrs Werckmeister Harmonies) wohl als sein ausgereiftestes und gleichzeitig auch längstes Album bis dato gelten. Es ist eine wunderbare Mischung aus gefühlvollen Piano-Passagen, ergreifenden Streicher-Partituren und einer dezenten Mischung IDM-infizierter Elektronika, die gelegentlich auch mal energischer wird, und dann nicht zufällig auch an die isländischen Kollegen von Sigur Rós erinnert. Vielleicht liegt es am viel zu grauen Mai, aber schon lange hat mich kein modernes Klassik Album mehr so bewegt. Leider kommt meine Empfehlung etwas zu spät, denn ausgerechnet gestern hat Arnalds seine kleine Deutschland-Tour beendet. Aber dafür gibt es ja Tonträger. Und auf Twitter kann man ihm auch folgen.

Als Teaser gibt es ein Video zum Song Hægt, kemur ljósið vom aktuellen Album, weitere Previews gibt es auf der Seite von Erased Tapes und die CD und/oder mp3s gibt es u.a. auf Boomkat.

Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] Ólafur Arnalds (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls aus Island stammenden Sängerin Ólöf Arnalds) hat mit seinen gerade einmal 23 Lenzen sein bisher bestes Album vorgelegt, das sich in Sachen Komposition nicht vor den großen Namen des Genres, wie z.B. einem Johánn Johánnsson, verstecken muss. And They Have Escaped… ist eines dieser Alben, das nur aus dem hohen Norden kommen kann. Es muss das Klima sein, die kurzen Tage im Winter, die diese melancholische Schwere in die Noten hebt. Diese Streicher, die über alles erhaben sind und einen sofort packen. Und doch ist da auch immer dieses Gewissheit, dass auf den langen Winter auch der nächste Sommer folgt: Kurze Hauruck-Momente, die durch die “weight of darkness” brechen, kleine, elektronische Effekte wie die Sonne, die den Schnee in ein gleißendes Meer verwandelt. Und so sehr die sprachlichen Bilder auch ausgelutscht sein mögen, sie passen. Mehr denn je. [...]

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