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21. November 2011, 21:03

Alben

Occam – My Rorschach

Viel erfährt man nicht über Tibor Lázár im Netz. Und das, obwohl er schon seit vielen Jahren in seiner Heimat Ungarn erfolgreich als Drummer in diversen Projekten tätig ist. Als Occam, so der Name seines Soloprojekts, kannte man ihn bis dato allerdings noch nicht. Das dürfte sich bald ändern. Denn My Rorschach ist eines der besten Alben des Jahres.

Zu seinen Einflüssen zählt Lázár sowohl Pole als auch das Cinematic Orchestra – eine Mischung, die man vielleicht als Referenz für My Rorschach nehmen könnte. Denn tatsächlich ist Occam offenbar in Clicks & Cuts ebenso zuhause wie in traditionellen Jazz-Arrangements. Beeindruckend ist dabei, wie mühelos sich hier Elektronika mit Jazz und Downtempo verknüpft; wie sich vermeintliche akademische Klangexperimente mit einem sehr organischen, geerdeten Sound verbinden. Der ist nicht zuletzt den exzellenten Musikern, neun an der Zahl, geschuldet ist, die an My Rorschach mitgewirkt haben. Und so klingt Occam weniger wie ein Soloprojekt sondern hat, wie eben das Cinematic Orchestra oder auch das Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, einen eindeutigen Band-Charakter.

Aber zunächst noch einmal zurück zur elektronischen Seite: Tatsächlich sind es die dubbigen Effekte, das stetige Rauschen und die elektronischen Tupfer, die den roten Faden bilden. Aus diesen Elementen heraus öffnet jeder der zehn Songs allerdings noch weitere Klangräume. Die sind zwar alle musikalisch verortbar, entwickeln aber doch alle ihre eigene Persönlichkeit: Passage und White Flag sind beispielsweise verführerische Late-Night-Jazz-Perlen, denen Sängerin Enikő Hodosi mit ihrer klaren Stimme die nötige Tiefe gibt. La Dolce Vita ist dagegen ganz klar dem Einfluss von Rhythm & Sound geschuldet – weite Delays umhüllen die Instrumente, die immer wieder im Echo verschwinden. Town of Introspection, vielleicht der Höhepunkt des Albums, demonstriert Lázárs Fähigkeiten als Drummer und windet sich in stolzen neun Minuten unter Vibrafon- und Bläsereinsatz zu einem fulminanten Finale empor, während Diachronity und Anzix zum Schluss noch einmal die introvertierte Seite Occams zeigen – und sich zum Schluss mit einem einsamen Piano in die Ewigkeit verabschieden.

Nimmt man den Titel des Albums nun wörtlich und versucht, von Occams Rorschachtest auf seine Persönlichkeit zu schließen, kommt der Hobbypsychologe früher oder später zu folgender Diagnose: Absolut faszinierend.

“My Rorschach” ist auf Lázárs eigenem Label Pimodan erschienen.


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