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12. October 2005, 21:17

Tägliches

Neue Bücher braucht der Mensch

Wenn Musikzeitschriften das einzige sind was man vollständig liest, die Nietzsche Werksausgabe momentan die geistigen Fähigkeiten übersteigt, und Sekundärliteratur zur Dürrenmatts Die Panne im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen Abhandlung endlich beiseite gelegt werden darf, ist es Zeit für neue Bücher. Beim Durchstöbern der Buchhandlung (die ‘richtige’, nicht die virtuelle) heute gefunden:

Mikael Niemi – Populärmusik aus Vittula
Klingt wie ein poptheoretisches Sachbuch, ist aber ein Roman, der eine klassische Coming-of-Age Story in die Kleinstadt Vittula im Norden Schwedens packt, in welcher der kleine Matti als Kind mit dem Rock’n'Roll infiziert wird, und in vielen kleinen, teilweise absurden, Geschichten seine Jugend schildert.

Jeffrey Eugenides – Middlesex
Pulitzer-Preis Gewinner Eugenides mit der Geschichte einer inzestiösen Beziehung, einer Familiengeschichte griechischer Einwanderer in die USA, und einem Roman über geschlechtliche Identität.

Vorgemerkt: Jared Diamond – Guns, Germs & Steel
Eine wissenschaftliche Analyse der Menschheit (so ähnlich prätentiös steht es im Klappentext). Warum sich die Welt so entwickelt hat wie sie heute ist, im Hinblick auf geographische, demographische, politische und kulturelle Aspekte. Sicherlich mit einiger Vorsicht zu behandeln, hat sich aber in kurzer Leseprobe als sehr interessant erwiesen

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Eine Buchhandlung ist schon ein seltsamer Ort. Ein zumeist stiller Ort, in dem man einer Menge unterschiedlichster Menschen begegnet, die allesamt schweigsam mit leicht geneigten Kopf vor Regalen stehen, und hin & wieder verstohlen auf das Buch des Nebenmannes schauen, als könnte es etwas über seinen Charakter enthüllen, nur um dann zielstrebig ein völlig anderes Buch aus dem Regal zu ziehen. Dazu die dumpfe, zumeist durch Teppichboden bedingte, Akustik und den Geruch von Papier und Druckerschwärze gepaart mit frisch gebrautem Kaffee, das entfernte Klingeln einer Registrierkasse, das vornehme Geflüster zwischen Käufer und Verkäufer am Infostand. Oder den Anblick des halb-schlafenden Obdachlosen, der ein Buch über Luftfahrt auf seinem Schoß balanciert, und bestimmt bald hinausgebeten wird, nur um die Woche darauf wiederzukommen. Ja, Buchhandlungen haben durchaus ihren, wenn auch etwas nerdigen, Charme. Amazon kann diesen jedenfalls nicht bieten.

2 Kommentare

  1. Jukie

    Völlig willkürlich gerate ich zu dieser Homepage und zufällig zu diesem Beitrag und mache konsequenterweise einen spontanen, wenig tiefgründigen Kommentar: Diese Beobachtung zu Buchhandlungen gilt es zu überprüfen in Geschäften à la Hugendubel in der Vorweihnachtszeit, die uns gerade wieder droht.

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  2. Eikman

    Vorweihnachtszeit ist Ausnahmezustand, da trifft das nicht zu :)

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