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17. December 2008, 01:26

Positionen

Netaudio Revisited

ipod vinyl Eine der größten Meldungen der letzten Wochen war sicherlich der Entschluss von Thinner, nach über hundert Gratis-Releases in Zukunft auf bezahlte Downloads zu setzen, allerdings in Verbindung mit weiteren klassischen Gratis-Veröffentlichungen. Ein Entschluss, der die Netaudio-Szene in zwei Lager spaltet, wie man an den zahlreichen Kommentaren unter dem entsprechenden Eintrag auf thinnerism erkennen kann, und auch auf anderen Seiten besprochen wird. Prinzipiell stimme ich mit Sebastian Redenz Argumentation überein, die er im Verlauf des Artikels entfaltet, aber ich möchte noch auf einige Punkte etwas genauer eingehen, die meiner Meinung nach das größte Diskussionspotential bieten. Es sei gesagt, dass ich kein dogmatischer Netlabelfanatiker bin, und eher als Außenstehender die Sache betrachte, was meine Meinung sicherlich beeinflusst. Auch sehe ich in Netlabels nicht mehr die “Revolution”, die sich viele vielleicht einmal erhofft haben. So sehr ich die Philosophie und die Einstellung auch mag – Musik wird immer eine Ware bleiben, nicht zuletzt für den, der sie produziert und auch davon leben möchte.

1) Die Rezeption von Netlabels und Netaudio muss sich ändern

Thinner schreibt, dass die Netaudio Szene für viele eine Nische bildet, die nicht in Konkurrenz zur ‘normalen’ Szene steht, sondern stets eine Extraposition einnimmt: “a very inherent scene made by specialists for specialists.” Bestätigt wird dies durch die mangelnde Erfassung in Print- und Onlinemagazinen, zum anderen aber auch durch die Ge- und Verschlossenheit der Szene an sich. Das zeigt sich darin, dass viele Netaudio-Veranstaltungen eben auch nur Netaudio-exklusiv sind, und somit auch wieder nur die Leute anziehen, die sich dafür interessieren. Der logische Ausweg? Zum einen muss sich die Szene öffnen, um weniger Konkurrez (warum sollte sie das? Stumpfes Binärdenken bringt auch niemandem etwas) als vielmehr Alternative zur klassischen Szene zu werden (musikalisch ist sie das ohnehin, aber das genügt leider nicht). Zum anderen, und das baut darauf auf, müssen sich auch die Medien eingehender mit der Netlabelszene beschäftigen, und das könnte schwierig werden, schließlich ist es bis jetzt noch nicht gelungen. Das liegt daran, dass die Netlabelszene immer noch weniger Credibility hat (viele Magazine besprechen genau das, was auf dem Schreibtisch landet, und dazu zählen eben keine Downloads), und zudem auch viele der Leser schlichtweg kein Interesse daran haben, in die Szene näher einzutauchen, was vielleicht auch am nächsten Punkt liegt:

2) Netaudio ist kein Ersatz für physikalische Tonträger

“Music just receives a different valence when it is distributed on physical records, which are haptic and not just a combination of binary data. This will never change.” Das sehe ich trotz steigender Downloadzahlen immer noch als Fakt, und ebenso als Fluch und Segen der gesamten Netaudio Szene, da es ebenso befreit wie einschränkt. DJs, die mit Platten arbeiten, und das sind immer noch die meisten, werden kein Netaudio spielen. Daran wird sich leider auch nichts ändern, aber trotzdem können Netlabel möglicherweise bald zu einer immerhin stärkeren Alternative werden, auch wenn hier der dritte Punkt zur Crux wird:

3) Netaudio muss kostenlos sein

Sicherlich der wichtigste Punkt, die Frage danach, ob die Musik von Netlabels denn zwangsweise kostenlos sein muss. Meiner Meinung nach ein klares Nein. Natürlich sind viele, wenn nicht alle Netlabels auf einer “sharing is caring”-Philosophie gegründet, die natürlich auch auf die Prinzipien von Creative Commons und Co. baut, wonach die Musik frei verwendet werden darf und ergo auch frei verfügbar ist. Das ist sicherlich wichtig, aber nicht per definitionem festgelegt. Gerade im Zuge der zunehmenden Digitalisierung steigt das Interesse an “digitalen Tonträgern”, die auch für immer mehr etablierte Artists interessant werden (warum gibt es z.B. bei Beatport bei so vielen Releases digitale Bonustracks?). Die einzige Möglichkeit, die Künstler zu halten, die auch auch Vinyl-Labels veröffentlichen können, ist ihnen eben auch eine vergleichbare, sprich finanzielle, Basis zu geben. Es gibt natürlich viele Künstler da draußen, die geben ihre Musik gratis her, und das ist auch großartig, aber seien wir ehrlich: wer ernsthaft die Wahl hat, wird sich nur in Ausnahmefällen für das Netlabel entscheiden. Einige Netlabel sagen sich nun bewusst, sie wollen diesem Trend nicht nachgehen, was absolut in Ordnung und auch bemerkenswert ist, andere, wie Thinner, wollen aber ihr Modell ändern, was man ebenso akzeptieren sollte.

4) Netlabel ist nicht gleich Netlabel

Einer der Gründe, warum ich nach einer Weile der intensiven Beschäftigung mit Netlabel mich wieder abgewandt habe, ist die Masse der Releases, die in den letzten 2-3 Jahren aufgetreten ist, und das bei alles andere als gleichbleibender Qualität. Klar, es braucht auch niemand das 100ste Minimal-Vinyl-Label aus Berlin, aber eine Qualitätskontrolle ist bei Netaudio häufig nicht oder in geringerem Maße gegeben. Es gibt viele halbherzig und teilweise auch amateurhaft geführte Netlabel, die damit Aufmerksamkeit erzielen wollen. Tatsache ist aber, dass ein gutes Netlabel eben auch A&R bildet, die Sachen professionell mastern lässt, für einheitliches Artwork sorgt und zudem auch noch die Promotion macht, um seinen Künstlern eben den Sprung nach oben zu ermöglichen. Und genau das kostet Geld und vor allem Zeit. Das gleiche Problem habe ich schon mit diesem Blog, und ich habe noch nicht mal ansatzweise die Arbeit damit wie sie Netlabel wie Thinner haben. Das man irgendwann eine Entscheidung treffen muss, und diese eben pro oder kontro finanzielle und eben nicht nur idealistische Entschädigung geht, ist quasi unumgänglich. Wer sein Netlabel nur für seine Kumpels betreibt, wird sich darüber keine Gedanken mehr, wer allerdings ein ernsthaftes Sprungbrett sein will, muss sein Modell vielleicht wirklich anpassen (was die Argumentation von Thinner ist), oder eben dagegen ankämpfen, was aber wieder die in 1) angestrebte Entwicklung behindert, weil sich die Szene wieder selbst verschließt.

Die Frage ist letztendlich, ob Thinner mit seinem Entschluss die Netlabel Szene “verraten” hat, wie es einige anscheinend denken. Ich glaube nicht, Thinner ist seit jeher eines der professionellesten Netlabels gewesen, und von daher auch zu Recht vielleicht das Netlabel schlechthin. Den Entschluss sehe ich daher weniger tragisch, sondern vielmehr als Konsequenz. Inzwischen haben selbst renommierte Labels ein digitales Sublabel, andere gründen von Anfang an eines (siehe Joachim Spieth und Affin) – die Musik dabei steht der von Thinner in Nichts nach, also wieso sollte man es nicht versuchen? Damit sage ich nicht, dass es der einzige Ausweg aus der Misere ist (wenn es denn überhaupt eine gibt, das ist sicherlich subjektiv, gemessen an Standards und Erwartungen), sondern eben nur eine mögliche Lösung. Man sollte nicht vergessen, dass es eben doch wieder Thinner ist, das sich etwas traut, und eben nicht zurück, sondern nach vorne geht, auch wenn Saint mir hier vermutlich widersprechen wird. Und wer weiß, vielleicht rechnet sich die ganze Sache ja gar nicht, und in einem Jahr ist alles wieder wie früher. Dann kann man immer noch sagen “das wusste ich doch gleich”. Freie Musik wird es weiterhin geben, auch auf Thinner. Letztendlich sollte sich jeder selbst Gedanken darüber machen, wie viel er für gute Musik bezahlen möchte, egal wo sie herkommt. Die Musik zu ignorieren, nur weil sie jetzt kostet, widerspricht meiner Meinung nach dem kompletten Prinzip.

CC-Foto: GirlintheCafe

13 Kommentare

  1. Saint

    Sehr guter Artikel!
    Aber ich muß natürlich;) an einigen Passagen reingrätschen. Und ich mach das total subjektiv. Klar, geht ja auch nicht anders.

    1.)
    Ich habe nicht den Eindruck, dass die Netaudioszene sich diese Position selber geschaffen hat, um nicht integriert zu werden. Im Gegenteil. Wie Du ja selber sagst, fehlt es auch immer an Multiplikatoren, die sich damit ernsthaft auseinandersetzen. Das zeugt auch davon, dass es primär gar nicht um Qualität von Musik geht, sondern auch um andere, ominöse Dinge, die sich mir nicht erschließen. Man könnte da böses vermuten, muß man aber nicht. Woher weiß man, dass die Leser an sowas kein Interesse haben könnten? Weil man es selber als Redakteur nicht hat, weil es umständlich ist, sich da durchzuwühlen, oder weil man es schlichtweg ignoriert? Die De:Bug hatte ja mal Rezis gemacht für Netaudio-Zeug, zumindest online. Eingestellt wurde das mit der Begründung, dass das alles zuviel sei, wenn ich mich recht erinne. Allerdings gibt es ja auch mindestens 5678 neue 12″ in der Woche. Da sortiert man ja auch aus. Ganz davon abgesehen glaube ich kaum, dass die Prints nicht wie ein wilder Haufen auf ein neues Release springen würden, was gerade der heisse Shice ist und nur irgendwo als Download kommt. Was weiß ich, Dettmann sein nächstes Album für umme. Da würden alle schreiben.

    Es geht eben nicht um die Qualität. Man nehme Planet Boelex sein letztes Album; man muss sich mal vorstellen, dass die alle so tun, als hätte es das nie gegeben. Oder Entertainment for the braindead. Schreibt keine Sau drüber. Warum also sollte man die Medien dann noch ernst, bzw wichtig nehmen?

    Man schenkt der Netaudioszene eben keine Relevanz, weil alles was nichts kostet so gut nicht sein kann. Was weiß ich, ich kapier´ das selber nicht.

    Ich hatte mal eine Mail, da hat mich ein Mag gefragt, wo man die Platten denn kaufen könnte. Die waren schwer begeistert von der Musik und wollten eine Rezi schreiben. Als ich antwortete, ist CC-Content und kostet nichts, meinten die “Na dann nicht, erst wenn eine CD vorliegt”. Das ist doch total bescheuert!

    2.)
    Dieses “Haptik” ist ja langsam totgeritten. Alle reden immer wieder über Haptik und ich frage mich, was sich haptisch an einem Mp3 ändert, wenn man es verkauft? Oder anders: warum dann nicht gleich Vinyl? Außerdem spielt in 10 Jahren kein Mensch mehr Vinyl, außer Villalobos vielleicht. Wenn doch, gebe ich einen aus. ;)

    3.)
    Natürlich muß Netaudio nicht kostenlos sein. Ich verstehe ja auch die Problematik, der Thinner ausgesetzt ist. Man hat einfach vergessen, dass der Mensch von Natur aus gierig und faul ist. Ich sehe ja selbst, was wir an “Spenden” bekommen haben: das ist nicht der Rede wert und kann als sichere Größe nicht zu gebrauchen sein. Man kann da nicht mit rechnen. Wenn man das aber muß, ist das natürlich schwierig.

    Nur das Modell was man nun nimmt, hat eben so gar nichts Neues. Ich hätte mir da eher so eine “pay what you want but pay”-Variante gewünscht. Aber wer bin ich schon. Im Endeffekt muß Thinner auch selber wissen, wo sie hinwollen. Wenn das ihr Weg sein soll, dann ist das so. Zumal ich Sebastian als großartigen Labelmacher kenne, der sich wirklich zehn Mal überlegt, was er macht und er macht es richtig. Warum also nicht auch hiermit. Für mich war das eben auch immer eine politische Attitüde. Marko Fürstenberg meinte während einer Diskusion zum Thema mal, er sei “nie für irgendetwas angetreten” er “wolle einfach nur seine Musik unter die Menschen kriegen”. Ich habe lange gebraucht, das zu verstehen. Heute weiß ich was er damit meinte, kann das nachvollziehen, auch wenn ich das anders sehe. Das ist okay.

    Grundsätzlich ist Musik für mich keine Ware sondern ein Kulturgut; Punkt. Perspektivisch wird sich das auch in die Richtung entwickeln, hoffe ich. Wenn wir mal 100 Jahre zurückgehen, war Musik eben auch keine Ware. Das muß eine gute Zeit gewesen sein. Trotz aller “Musiker wollen leben und essen können”-Argumente, die ja auch nicht unter den Tisch gehören. Eine Lösung dafür allerdings habe ich auch nicht. Nur eine für mich.

    4.)
    Klar, gebe ich Dir uneingeschränkt recht! Es gibt einen unheimlich hohen Output minderer bis schlechter Qualität. Genau wie im physichen Tonträger-Bereich. Ich sehe da keinerlei unterschiede bis auf den, dass wenn du ein Plattenlabel schleifen lässt, 2-3 miese Releases machst, kannst Du den Laden dicht machen. Das ist bei Netlabels anders. Aber die Möglichkeit zu selektieren hat ja ein jeder.

    Thinner ist das best arbeitendste, professionellste Netlabel wenn nicht Label überhaupt. Zumindest habe ich es so kennen gelernt. Deshalb könne ich ihnen auch mal etwas vom Kuchen. Ernsthaft. Ich würde mich wirklich freuen, wenn das dabei rumkommen könnte, was sie erwarten. Nur, das zu glauben fällt mir eben schwer. Wenn ja, dann würden sie natürlich mit dem Entschluß beweisen, dass es gehen kann, wenn man es richtig macht. We will see.

    Ich finde nicht, dass Thinner irgendwen verraten hat – zumindest sehe ich das heute um einiges gelassener als vor ein paar Tagen noch. Und dennoch: bin ich etwas traurig, wenn man von sowas in dem Kontext sagen kann.

    Nur eines sollten sie schon machen: ihre .cc domain in eine .com-Domain ändern. :oD Harhar. (Sorry, der musste.)

    Musik zu ignorieren nur weil sie kostet wäre ja genauso dämlich wie Musik zu ignorieren weil sie nichts kostet. Zumindest man sich das bei den anstehenden VÖ´s auch gar nicht leisten kann, nicht hinzuhören. Die machen das schon, glaube ich.

    Vielleicht ist das aber alles auch gar nicht so wichtig und man könnte verkürzt sagen, es gibt eben Musiker, die einfach nur so Musik machen wollen und die irgendwie unter die Menschen bringen wollen. Es gebt auch jene, die eben von ihrer Musik leben wollen/müssen und verkaufen deshalb. Beides ist okay.

    Soviel wollte ich gar nicht schreiben. Tschuldigung.

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  2. Eikman

    @Saint: das war in der tat ausführlich :)

    zu printmagazinen: es ist so wie du sagst, es spielen leider auch andere faktoren als die musik eine rolle. das ist schade, aber leider realität.

    zu einstellung der netlabel szene an sich: wie ich auch aus den kommentaren bei thinnerism lese, haben einige aus netlabel-kreisen eine sehr starke schwarz/weiß einstellung, und versuchen permanent, netlabel von normalen labels abzugrenzen, sprich eine konkurrenzbeziehung aufzubauen, was totaler quatsch ist wie ich finde, zu sagen “netlabel sind besser weil xyz”. klar, das ist vielleicht nur eine minderheit, aber mir ist das schon öfters vorgekommen, dass einige auch ganz froh um ihr nischendasein sind.

    zum “pay what you want” modell: daran habe ich auch gedacht, scheint mir aber problematisch, gerade weil viele leute denken, die musik war kostenlos, warum sollte ich jetzt auf einmal bezahlen. dass das modell funktionieren kann, hat man gesehen (radiohead), dass es aber nicht funktionieren muss, hat man auch gesehen (siehe 2nd rec oder saul wiliams album).

    ob in 10 jahren keiner mehr mit vinyl auflegt – na, ich weiß nicht, ich denke schon, möchte aber nicht drauf wetten ;)

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  3. wennEsAnfaengt

    Also ich hatte ja schon im Thinner Blog meinen Senf dazu gegeben.

    Der erste Punkt oben ist m.E. falsch wiedergegeben: Wenn ich das richtig verstanden habe, wird das geeky-Dasein von Netlabels nicht durch mangelnde Rezensionen bestätigt, sondern dadurch erst befördert. Mangelnde öffentliche Repräsentation erzeugt den Eindruck, dass es sich bei der Netlabelszene um tageslichtscheue Freaks handelt und der Output nicht der Rede wert ist. Jder, der die VÖs von Thinner, Epsilonlab, Stadtgruen, Kahvi, Kikapu, 1Bit Wonder, Broque, Enough, usw. kennt kann feststellen, dass sich deren VÖs auf Augenhöhe mit denen konventioneller Labels sind, manchmal sogar darüber, aber teilweise auch darunter. Wie in der “realen” Welt gibt es mal gute und mal schlechte Platten.

    Und so wie es in der “realen” Welt für jeden Geschmack eigene Labels gibt, so exisitert auch in der Netlabellandschaft eine enorme Vielfalt.

    Die Ursache für fehlende Rezensionen in den großen Magazinen sehe ich eher nicht in fehlender Professionalität der Netlabels oder in mangelnder Qualität der VÖs, sondern vielmehr darin, dass die Mags schon allein mit dem Output der Plattenlabels ausgelastet sind und deren VÖs auch noch auf die Tische geschickt bekommen. Will man dagegen Rezensionen für Netaudio schreiben, muss man aktiv suchen. Und das ist ein Vollzeitjob. Ich habe derzeit 233 Lesezeichen zu Netlabels. Davon sind vll. 20 schon wieder tot. Immer noch über 200 Labels, die es permanent zu prüfen gilt. Und wenn ich mir überlege, dass ich nochmal 200 neue Lesezeichen setzen könnte, da ständig Neuentdeckungen hinzukommen… Es ist eben schon ein Unterschied, ob ich den ganzen Tag am suchen und saugen und entpacken bin oder einfach nur die Platten auf meinem Schreibtisch auf den Teller lege..

    Das ist allerdings nur EIN Punkt.

    Und zur Frage, ob Musik von Netlabels was kosten darf, ist meine persönliche Meinung ganz klar nein. Entweder mache ich ein Netlabel und setze auf freiwillige Spenden an die Künstler und das Label selber oder ich mache kein Netlabel und verlange Geld fürs Herunterladen. So sehe ich das.

    Ausführlicher hab ich das in meinem Blog bei last.fm behandelt:
    http://www.lastfm.de/user/wennEsAnfaengt/journal/2008/12/11/2bvbca_the_death_of_thinner_netlabel

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  4. Eikman

    @wennEsAnfaengt: an der qualität und vielfalt der VÖs zweifelt ja niemand. die sache ist nur, wer für ein magazin schreibt, hat leider nicht die zeit, genau diesen vollzeitjob zu machen für etwas, was ihnen de facto nichts einbringt, außer den respekt der netlabel-szene vielleicht. ich persönlich hatte noch nicht mal die zeit, 30-50 netlabel regelmäßig zu verfolgen. es ist ein inhärentes problem, daher bringt es auch nichts, sich darüber zu beschweren, wobei der De:Bug podcast zumindest schon mal eine annäherung ist.

    und die frage danach, ob es was kosten darf, naja, ansichtssache eben. die frage ist, ob du thinner nun boykottierst, was konsequent wäre, die sachen ab jetzt “illegal” lädst und trotzdem hörst, oder gar bezahlst, in welchem fall natürlich thinner als gewinner dastehen würde ;)

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  5. Saint

    Interessant wäre ja auch schon mal die Frage, ob denn nun die 103 überhaupt schon jemand gekauft hat. Kennt da wer einen? Vor allen von den ganzen Fürsprechern.

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  6. Eikman

    sie haut mich ehrlich gesagt nicht vom hocker, was jetzt natürlich pech ist :)

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  7. Stefan

    Ich bin da ziemlich konservativ, ich mag keine bezahlten Downloads. Ich kaufe nur ganz selten mal was im iTunes Store, weil es schnell und einfach saubequem ist. Wenn ich Geld für Musik bezahle dann möchte ich nachher auch etwas in der Hand halten. Wenn ein Netlabel einen guten Release im nachhinein als Tonträger herausbringt, dann zahle ich gerne dafür, aber ansonsten finde ich das eher unattraktiv, wobei es mir letztlich völlig egal ist; wenn es einen guten Release gibt, der nur als kostenpflichtiger Download verfügbar ist, dann würde ich auch dafür bezahlen und wenn kostenpflichtige Downloads bei Netlabels dazu führen, dass sich die Qualität der Releases steigert, dann finde ich das eine gute Sache; ich bin da weniger ideologisch sondern eher pragmatisch. Ich möchte einfach nur gute Musik hören und auch wenn es mittlerweile exzellente Netlabel gibt, dann ist meiner persönlichen Erfahrung nach im allgemeinen das Durchhören von Netlabel-Releases ein deutlich frustrierendere Beschäftigung als das Durchhören von Tonträger-Releases. Vielleicht hängt dies ein wenig mit meinen musikalischen Präferenzen zusammen, mit dem bei Netlabels stark verbreiteten Minimalsound kann ich nämlich eher wenig anfangen.

    Off-Topic: Ich finde das Pay-what-you want-Prinzip wie es von 2ndrec praktiziert wird diskutierenswert.

    @Eikman: Hast du die Pressemitteilung von Johannes bekommen?

    Für einen exzellenten Release wäre ich durchaus bereit bis zu vierzig Euro zu bezahlen wohingegen ich für einen mittelmäßigen Releases vielleicht nur fünf Euro hinblättern wollen würde. Ein Nachteil dieses Prinzips ist aber vielleicht, dass dadurch eventuell eher anspruchsvolle Releases die nur einer Minderheit richtig gut gefallen aber für das Profil des Labels wichtig sind unter den Tisch fallen könnten weil sie sich nicht mehr rechnen. Andererseits könnte es natürlich auch das Gegenteil zutreffen, weil vielleicht genauso wenig Leute wie vorher die Platte kaufen die aber doppelt soviel dafür bezahlen, weil sie total begeistert sind, das jemand mal so eine gewagte Platte rausbringt. Im idealen Fall ist ein Labelmacher meiner Meinung nach ebenso wie ein guter DJ durch seine bewußte Selektion selber ein Künstler, wobei ein Labelmacher wie ein DJ in meinen Augen immer auch einen gewissen Erziehungsauftrag für seine Hörer hat. Inwiefern sich das Pay-what-you-want-Prinzip auf die Verwirklichung dieses Erziehungsauftrages auswirkt dürfte schwierig zu untersuchen sein.

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  8. rydm

    was fehlt ist definitiv ein führender meta-dienst, der die netlabel-releases umfassend mit vorhörfunktion! katalogisiert und einem als dj bzw. redakteur die arbeit und zeit nimmt, ständig ins blaue rumzusurfen und stundenlang umständlich rumzuklicken.
    ein alternatives beatport nur für netlabels, bei dem sich alle labels registrieren, einheitlich erfasst werden, mit pay-what-you-want zahlungsmöglichkeit. das wär was.

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