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10. December 2005, 22:56

Visuelles

Moonraker

Alte James Bond Filme erinnern mich immer an meine Jugend. Zwar lag diese doch noch einige Jahre nach der Erstausstrahlung, aber ich habe damals alle Filme auf VHS aufgenommen, und jeden bestimmt um die 10 mal angeschaut. Während ich mit Star Wars nie etwas anfangen konnte, und mich 80er Jahre Actionfilme wie Terminator nicht begeistert haben, war James Bond zu der Zeit mit Abstand mein Lieblings-Superheld. Er hatte Charme, war klug und konnte mit allerlei tollen Geräten umgehen – und das ohne ein Roboter, Außerirdischer oder Comicfigur zu sein! Dass der WDR heute Abend mit Moonraker meinen Lieblings-Bond (schon mal bemerkt, dass man von “Bond” als Film an sich spricht?) gezeigt hat, hat bei mir schon einen mittelgroßen “Blast from the Past” verursacht.

Moonraker fand ich nämlich schon immer toll. 1979 erschienen, verkörpert er alles was mich immer an einem Bond-Film fasziniert hatte: Da wären zum einen die zahlreichen Original-Schauplätze, denn wie immer verschlägt es Bond quer über den Globus; von Kalifornien nach Venedig, von Venedig dann mitten in das Treiben von Rio und die Weiten des Amazonas bis hin in den Weltraum – zum ersten (und letzten) Mal in der Bond-Historie! Nicht nur deswegen ist Moonraker auch mit Abstand der übertriebenste, aber dafür gehören die Actionszenen auch zu den Besten: Schon die Anfangssequenz, in der Bond ohne Fallschirm aus einem Flugzeug springt, nur um diesen dann einem Gegner im Flug vom Körper zu reißen ist ein Klassiker, ebenso wie die Szene in dem sich Bond und der Beißer am Zuckerhut auf den Kabinen der Seilbahn ein Gefecht liefern, und Bond zusammen mit Dr. Holly Goodhead (der einzige Schwachpunkt des Films – außer nörgeln zu nicht viel zu gebrauchen) an einer Kette das Seil hinabrutscht. Oder als 007 in Venedig mit einer Hovergondel™ über einen Marktplatz fegt. Das Highlight bildet aber definitiv das Finale, in dem sich Astronauten im besten Star Wars Stil im Weltall mit Laserpistolen bekriegen, und 007 am Ende wie Luke Skywalker im Raumgleiter die letzte Rakete anvisiert. Natürlich sagen Kritiker, dass dies die Schwachstelle des Filmes sei, denn immerhin ist Moonraker genau zwei Jahre nach dem ersten Star Wars Teil erschienen, und scheint zumindestens teilweise davon inspiriert zu sein, was aber der Unterhaltung keinen Abstrich macht.
Auch Bösewicht Hugo Drax ist gnadenlos unterbewertet. Er verkörpert zwar nicht die Naivität von Dr. No, hat auch keine Katze oder die Persönlichkeit eines Goldfingers, aber er ist sehr clever und mindestens genauso größenwahnsinng, und behält auch nach dem X-ten missglückten Anschlag auf Bond die Contenance. Ein Novum ist zusätzlich auch noch, dass zum ersten Mal mit Beißer einer der Schurken sich am Ende auf die Seite des Helden schlägt, nur um dann mit seiner Freundin, die in grotesker Manier natürlich genau das Gegenteil von ihm selbst, nämlich klein, blond und niedlich, ist, am Ende auf der Raumstation seinem Tod entgegenzublicken (sie überleben aber wie man erfährt).
Moonraker ist trotz oder gerade wegen seiner Übertriebenheit auch der ironischste; Roger Moore’s Auftreten ist cooler als je zuvor, die Sprüche flacher, die Frauen zahlreicher (gibt es da etwa eine Verbindung?), und es gibt einige Stellen an denen er sich nur sich selbst, sondern das gesamte Genre auf den Arm nimmt. Genau das muss ein richtiger 007-Streifen nämlich sein: augenzwinkernd. Augenzwinkernd ist zum Beispiel, wenn man den russischen Präsident im Angesicht der Weltzerstörung im roten Schlafanzug auftreten lässt. Oder wenn man einen Chinesen vom zweiten Stock in ein Piano wirft und anschließend “Spiel es nochmal, Sam” sagt. Das aalglatte Auftreten Bonds und die hochpolierte Action der neuen Filme ist das alles nicht mehr. Damals hat Weltretten halt einfach noch Spaß gemacht, heute ist es eine lästige Pflicht.

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