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17. October 2006, 23:23

Alben

Mix³ – Alex Smoke, Henrik Schwarz und The Modernist

Mix CDs und Compilations gehören inzwischen zum Pflichtprogramm für jedes Technolabel; Ob als Showcase oder Orientierungshilfe – Mix CDs sind momentan beliebt wie selten zuvor. Neben den Klassikern wie der Kompakt Total Serie des gleichnamigen Kölner Labels oder der DJ Kicks! Reihe von !K7, haben auch andere namhafte als auch kleinere Labels eine eigene Mix-Serie gestartet. Bpitch Control geht mit den Boogy Bytes in die dritte Runde, Vakant sorgt für label-internes Momentum, Mobilee wird in Kürze mit Back to Back eine Remix-Compilation veröffentlichen, und auch Soma läd mit der Sci.Fi.Hi.Fi Reihe bekannte DJs ein sich an den Plattentellern auszutoben.

Ein idealer Zeitpunkt also um drei aktuelle CDs vorzustellen, die auf ihre ganz eigene Art sehr unterschiedlich sind, aber eines gemeinsam haben: Sie gehören alle drei zu den Besten des Jahres.

Den Anfang macht Alex Smoke. Auf Soma in Albumform gewöhnlich für verträumt-melancholisches Techno bekannt, lässt er auf Vakant eher der minimalen Frickel-Elektronik seinen Lauf. Umso erfeulicher, dass Sci.Fi.Hi.Fi Vol.3 nicht nur beide Seiten abdeckt, sondern nebenbei auch noch einen Umweg über Dub und Detroit macht. Den Anfang macht Burials Gutted, vielleicht einer der prägendsten Songs der neuen Londoner Dubstep Szene, der sich anschließend vor den Basic Channel Klassikern Radiance und Rhythm & Sounds See Mi Yah verbeugt. Gute 15 min. dauert es bevor Smoke das Tempo anzieht und mit Troy Pierces und Stewart Walker die minimale Seite mit zwei M_nus Releases absteckt. Der stärkste Teil des Mixes ist der anschließende Ausflug in die Detroit Techno Szene – Altmeister Robert Hood ist unter seinem The Vision Pseudonym vertreten, eingepackt zwischen Aril Brikhas fast vergessenem Klassiker Aqua und Claro Intelectos Peace of Mind, das Manchester wie einen Vorort von Detroit erscheinen lässt und auch drei Jahre nach dem ersten Release bereits als essentiell gelten kann. Gegen Ende bewegt sich Alex Smoke dann mit zwei eigenen Tracks wieder in etwas bekanntere Gewässer, was der Qualität des Mixes aber nicht schadet. Die CD an sich lebt von der Vielfalt, von dem gewissen Etwas, und vielleicht auch dem Mut mal etwas tiefer in die Plattenkiste zu greifen und Tracks zu spielen, die man vielleicht in einem Liveset nicht unbedingt spielen würde. Die Hommage an Alex Smokes Einflüsse, sofern es denn so gedacht war, ist jedenfalls geglückt.

# Info + Preview @ Soma Records
# Sample: Burial – Gutted
# Sample: Claro Intelecto – Peace of Mind
# Sample: Alex Smoke – Pingu

Tief in den Plattenkoffer hat auch Jörg Burger alias The Modernist geschaut. Die neue Reihe Collectors Series auf Faith Recordings hat nämlich genau dies als Prämisse ausgeschrieben, wie es im Pressetext heißt.

The Collectors Series is aiming to showcase the multiple faces and histories of dance music and beyond. Though we live in an age of increasingly digitalized archives, there’s still music that is not downloadable from Soulseek or Limewire. Tons of quality music still hides in record collections, that have never been digitalized. In the Collectors Series, well known music lovers from around the globe present gems, rarities, unreleased tracks and favourites from their vaults.

Umso erfreulicher dass Jörg Burger dazu auserwählt wurde das Debüt der Reihe zu geben, auch wenn er eigentlich nicht als DJ bekannt ist, aber dennoch im Kompakt-Umfeld maßgeblichen Anteil am sogenannten ‘Sound of Cologne’ hat. Es wundert daher nicht, dass sein Mix nur so vor kleinen Elektropop Perlen strotzt und teilweise sehr vocal-lastig ist. Das Intro kommt von Closer Musik – 1,2,3…No Gravity, dass schon so einige Mix CDs erfolgreich eröffnet hat, bevor es mit einem Song von Burgers eigenem Projekt Triola auf Kompakt weitergeht. Das erste Ausrufezeichen setzt Telepopmusik’s Breathe, dass nahtlos in meinen All-Time-favourite Remix übergeht – DNTEL’s The Dream of Evan & Chan (Superpitcher Remix). Everybodys Darling Erlend Oye ist mit Ghost Train, produziert von Morgan Geist vertreten, und sorgt dafür dass das Tempo etwas angezogen wird. Nach dem Elektro Funk von Oye tritt mit Richard Davis eine zweite große Stimme im Elektrobereich in Erscheinung, bevor das Highlight des Mixes folgt: Ein neuer Track von Autobianchi, einem weiteren Alias von Burger, mit locker-leichtem Gitarrenriff, der in einen exklusiven Remix von Ada’s Lifedriver (B.Movement Remix) übergeht, was mich persönlich natürlich zu Freudensprüngen verleitet. Am Ende folgen mit Repair und Superpitcher zwei weitere bekannte Namen der Kölner Elektronikszene, die den rundum gelungenen Mix abrunden. Ob DJ oder nicht, Jörg Burgers Auswahl an neuen und älteren Tracks ist exzellent und führt insgesamt zu einem der wärmsten und sympathischsten Mix CDs die ich dieses Jahr gehört habe. Wenn die weiteren Ausgaben der Reihe (Vol.2 mixed by Sasse steht schon in den Startlöchern) eine annähernd hohe Qualität präsentieren, könnte die Collectors Series in Zukunft öfters hier erscheinen.

# Info + Tracklist @ Faith Records

2006 war ein gutes Jahr für Henrik Schwarz. Neben zahlreichen Remix Aufträgen für namhafte Künstler wie Coldcut hat sich Schwarz auf diversen Labels ausgetobt, und seinen Ruf als vielseitiger Künstler abseits der starren Minimal Szene behauptet. Überhaupt kommt Schwarz eher vom Deep House, hat sich aber immer wieder vermehrt auch in Jazz und Funk Gefilde getraut, was seinen Produktionen einen gewissen kosmopolitischen und vielseitigen Touch gibt. Zeit also für ein Stelldichein in der bekannten und beliebten DJ Kicks! Reihe, die leider in der Vergangenheit stark in der Qualität schwankte. Mit Henrik Schwarz’s Mix dagegen wird die Serie wieder auf Kurs gebracht, es ist eine 78 minütige Reise durch Jazz, World Musik und House, durch Beats, Breaks & Cuts. Das großartige Jazz Stück Birds Lament von Moondog (das einige möglicherweise aus einem Mr Scruff Track kennen) gibt den Startschuss. Es folgen Songs von James Brown und D’Angelo, bevor sich plötzlich die analoge Bassline von dem Detroit-Veteranen Drexciya über alles legt, nur um anschließend von den afrikanischen Trommeln und Gesängen von Amampondo wieder abgelöst zu werden. Der erwähnte Remix von Coldcuts Walk A Mile in My Shoes dient als das Kernstück, wenn es sich fast auf 10 Minuten ausgedehnt einem weiteren Detroit Track von Robert Hood nähert. Gegen Ende darf der inzwischen fast schon obligatorische Rhythm & Sound Track (in diesem Fall Let Jah Love Come) nicht fehlen, und auch Soulgröße Marvin Gaye wird gehuldigt. Alles in allem ein Ausnahmemix, unglaublich vielfältig, exzellent gemixt , mit hohem Wiedererkennungswert und viel Soul. Genau das, was es vielen Mix CDs heutzutage fehlt.

# Info + Previews @ Soul Seduction
# Kaufen @ Amazon

2 Kommentare

  1. Matthias

    Auf die Henrik Schwarz freue ich mich auch schon lange … der Mann macht zur Zeit einfach alles richtig!

    ReplyReply

Trackbacks

  1. [...] Resident Advisor, obwohl der mir fast ein bisschen zu ruhig ist und nicht ganz an die Qualität des Sci-Fi Hifi Mixes aus dem letzten Jahr [...]

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