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17. July 2006, 11:35

Dates

Melt! 2006 – Review

Das Melt! Festival dieses Jahr war ein Wechselbad der Gefühle. Es stand schon vorher unter keinem guten Stern, da eine Woche vorher meine Kamera kaputtgegangen ist. Immerhin konnte mir jemand eine kleine handliche Ixus sponsorn, so dass ich wenigstens nicht ganz auf Fotos verzichten musste (danke nochmal dafür!). Nicht nur, aber vielleicht auch deswegen war meine Euphorie schon vor dem eigentlichen Start des Festivals eher gebremst, auch wenn ich dieses Jahr abermals mit sehr netten Leuten dort war. Am sogenannten ‘drumherum’ gab es folglich nicht viel zu meckern, wohl aber an der Organisation.
Was mich letztes Jahr begeistert hat war der reibungslose Ablauf und die, verhältnismäßig, kleine Größe für ein Festival. Für dieses Jahr, so schien es, wollten die Veranstalter diesen positiven Eindruck möglichst zerstören:

  • Die Toilettensituation auf dem Campingplatz (ich kann nur von Camping mit Auto I reden) war dieses Jahr katastrophal: Wo letztes Jahr noch Dixie Klos standen, gab es dieses Jahr nur noch ein einziges Toilettenhäuschen direkt neben den Duschen (dieses Jahr immerhin mit warmen Wasser – ein Fortschritt!), das lediglich vier Toiletten enthielt. Für ca. 2000 Leute auf dem Campingplatz natürlich viel zu wenig, weswegen die durchschnittliche Wartezeit bei bei mindestens 30 min. lag. Bei über 30°C Temperatur in der Sonne nur bedingt spaßig.
  • Das gleiche Bild auf dem Festivalgelände: Keine Dixies, lediglich eine Toilettenanlage direkt am Eingang, was ebenfalls Wartezeit sowie längere Wege mit sich zog.
  • Die Ticketkontrolle am Freitag Nachmittag: Letztes Jahr ca. 10 Minuten, dieses Jahr 45 min. Schlangestehen, nur um an das Bändchen zu kommen. Sobald man es hatte, kam aber zuerst die Sicherheitskontrolle, was nochmal 10 min. gedauert hat bis man endlich auf dem Gelände war.
  • Letztes Jahr konnte man noch einen großen Bogen um alle drei Bühnen machen, so dass man von jeder Stage innerhalb von zwei Minuten zu den beiden anderen gelangen konnten. Dieses Jahr allerdings war dieser Weg durch den viel zu großen Backstagebereich abgeriegelt, so dass man von der Big Wheel Stage aus zuerst über die mittlere Gemini Stage gehen musste um zur Hauptbühne zu gelangen – gerade nachts mit steigender Besucherzahl sehr anstrengend.
  • Die Besucher: Auch wenn das Gelände nicht größer wurde, so hatte ich doch den Eindruck dass es mehr Leute waren. Bei den Streets beispielsweise war der Platz vor der Hauptbühne so überfüllt, dass man kaum noch die Treppen herunterkam.
  • Schon nach weniger als zwei Stunden am Freitagabend gab es auf allen Bühnen Verspätungen von bis zu 30 min. Besonders Hot Chip waren sichtlich genervt dass sie erst nach 35 min. anfangen durften, was sich merklich auf ihre Performance (im Vergleich zum Sonar) ausgewirkt hat.

Ich möchte nicht nur meckern, aber in Sachen Organisation hat das Festival einen erheblichen Rückschritt gemacht, und ich frage mich wieso: Warum man bei steigenden Besucherzahlen plötzlich weniger Toiletten und Servicepersonal anbietet bleibt mir ein Rätsel.

Immerhin gibt es doch noch positives von der Musik zu berichten: Insgesamt mit weniger persönlichen Highlights im Line-up als letztes Jahr versehen, gab es doch wieder einige nette Performances: Zum einen der frühe Auftritt von Mocky, der mir langsam immer sympathischer wird. Später am Abend gab es abermals ein tolles Set von Isolée, sowie einen schönen Auftritt von Phoenix, die mich letztes Jahr noch nicht überzeugt haben, dieses Jahr allerdings mit rockigerem Album im Gepäck mehr Dampf gaben. Die Pet Shop Boys, einer der Headliner, waren auch überraschend unterhaltsam. Barbara Morgenstern musste leider der Verspätung am Eingang zum Opfer fallen, und Nathan Fake ist live ebenso langweilig wie auf Platte mit seinem endlosen Melodie-Genudel. Dafür war DJ Hell überraschend gut.

Nachdem der viel zu heiße Tag vorüber war, konnte der zweite Abend beginnen. Zunächst überzeugten Pitchtuner aus Berlin mit ihrem Elektro-Gitarren-Pop, später legte Jamie Lidell eine kleine Live-DJ-Kombination auf der Big Wheel Stage ab. Herbert habe ich auf dem Sonar verpasst, und war daher auf dem Melt! ein Pflichttermin. Mit ‘kleiner Big Band’ ausgestattet, hat er einigen Songs von seinem neuen Album neues Leben eingehaucht, und insgesamt eine weitaus bessere Performance als letztes Jahr im Rahmen des Sonar abgeliefert, auch wenn viele im Publikum offenbar etwas anderes erwartet haben. The Streets konnte ich, wie erwähnt, wegen dem Ansturm nur von weitem sehen, aber vor allem hat mir die Ankündigung “This song is dedicated to Aphex Twin…you fucking twat!” von Skinner gefallen.
Mein persönliches Highlight, Aphex Twin, schien auf der Main Stage fast etwas verloren hinter seinem kleinen Equipment. Er spielte ein DJ Set, das mit einigen eigenen Produktionen durchzogen war, z.B. eine nette breakige Version von Alberto Balsam zu Beginn, den Videoedit von Come to Daddy gegen Ende. Insgesamt fing er etwas ruhig, fast schon sehr hip-hop lastig an (zwischendurch auch ein kleines Missy Elliott Mashup), entwickelte sich aber dann eher in Richtung Techno und Acid. Witzig: An einigen Stellen kamen Rollstuhlfahrer mit Aphex Logos auf die Bühne und spielten Basketball. Leider hat sich der Akku meiner Kamera direkt vor dem Auftritt verabschiedet, daher keine Bilder davon (es werden aber bestimmt welche im Internet auftauchen)
Davor machten die Wighnomy Brothers im Monkey Mafia-Style ordentlich Spaß, wobei sie sich mit steigendem Alkoholpegel förmlich in ihr Set hineinsteigerten (und passend mit Aphex Twin’s On endeten – Robag stand auch anschließend am Anfang von Aphexs Set vor der Main Stage, hatte aber irgendwie ein wenig Schlagseite ;). Später noch einen Teil von Egoexpress erwischt, die französische House-Supergroup Super Discount mitgenommen und zum Abschluss noch Dominik Eulberg und Ellen Allien, die wenig überraschend, aber gewohnt solide waren.

Ob ich das Melt! allerdings nächstes Jahr nochmal besuchen werde mache ich wohl am Line-up abhängig. In Sachen Organisation kann es auf diese Weise nicht mehr punkten.

# Bilder: Tag 1
# Bilder: Tag 2

4 Kommentare

Trackbacks

  1. Testspiel says:

    MELT!’06…

    Das Melt Festival war was besonderes. Schon auf der Fahrt zum Melt mit der Bahn nach Gräfenhainichen kam ich mir vor wie in Detlev Bucks “Wir können auch anders”. Auch die ersten Meter in den leeren Straßen Gräfenhaininc…

  2. [...] im dritten Jahr in Folge wieder ein heißer Kandidat, auch wenn ich im letzten Jahr doch einiges zu bemängeln hatte. Aber wer kann so einem Line-Up, das wieder einmal die Brücke zwischen Indie und Techno [...]

  3. [...] zehnte Auflage des Melt! Festivals als durchaus gelungen bezeichnet werden. Meine Kritikpunkte des letzten Jahres wurden fast alle erhört, und so gab es dieses Jahr gleich doppelt soviele Dixie-Toiletten und [...]

  4. [...] also, liebe Veranstalter, müsst ihr die Organisation am Eingang, die ich schon vor zwei Jahren bemängelt habe, und die letztes Jahr scheinbar in den Griff bekommen wurde, wieder so dermaßen vergurken? [...]

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