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28. April 2010, 11:58

Positionen

M.I.A.s “Born Free” – Splatterkino oder politisches Statement?

Das Video der britischen Sängerin M.I.A. zu ihrer neuen Single Born Free spaltet die Hörerschaft und hat dabei gleichzeitig eine interessante Diskussion eröffnet. Das von Romain Gavras produzierte Video, der auch schon ein ähnliches zu Justices Stress drehte, zeigt eine Spezialeinheit, die einen amerikanischen Häuserblock durchsucht, die Bewohner schikaniert und letztendlich rothaarige Frauen kidnappt und exekutiert – und das alles unzensiert. Kein Wunder, dass YouTube das Video bereits mehrere Male gesperrt hat, und es vermutlich auch noch viele weitere Male tun wird, verstößt es doch gegen ziemlich alle Punkte der Etikette.

Die Diskussion unter den Zuschauern und Hörern dreht sich nun darum, ob es eine bewusst politische Reaktion ist, oder bloß sensationalistisches Splatterkino, um Aufmerksamkeit zu erregen. Der Guardian verweist beispielsweise auf das gerade in Arizona beschlossene Gesetz, das erlaubt, Pesonen die als illegale Immigranten verdächtigt werden festzunehmen, was sich mit dem Inhalt des Videos deckt. Auch die LA Times sieht Born Free als bewusste Reaktion auf Missstände und Polizeigewalt in den USA.

Doch neben der scheinbar so offensichtlich politischen Absicht, bleibt es ein Video, das vor allem schockieren soll, und daher auch ein ganzes Arsenal entsprechender Bilder auf den Zuschauer abfeuert. Im Guardian heißt es dazu:

But then, from another point of view, this powerful message is diluted by the fact that Gavras, again, seems to pack random “shocking” images into the film, for no apparent reason other than to say “LOOK! [...] Although, in fact, the idea of consensual obese sexual congress and class A drugs for senior citizens are considerably less offensive or shocking than shooting children in the head. So why are they in there? It’s not a part of the film that adds anything or contributes to the story, the message or the issues.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass auch bei einem politischen Musikvideo die Promotion des Künstlers eine wichtige Rolle spielt. Man sollte das Video daher nicht überbewerten, aber auch sicherlich nicht als sensationalistisch abstempeln. Denn gerade im Angesicht von Lady Gaga, Ke$ha, die mit Weichspüler-Pop das Internet überfluten, ist es erfrischend, dass sich jemand wie M.I.A. auch an einem ernsteren Diskurs beteiligt. Die Diskussion hat sie jedenfalls sicher.

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