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Linguistische Gleichberechtigung

Die Seite der Bundeskanzlerin lautet offiziell nicht bundeskanzler.de sondern bundeskanzlerIN.de, auch wenn es von der ersteren eine Weiterleitung gibt. Klingt logisch, oder?

Das erinnert mich an eine kleine Beobachtung am Anfang der Woche, wonach es im Schwedischen den weiblichen Affix an Nomen zwar gibt, aber kaum verwendet wird. Das hat aber weniger linguistische Gründe als vielmehr soziale: In Schweden ist es nämlich so, dass man beispielsweise dem Professor und der Professorin keinen Unterschied zuweist, weil sie letztendlich die gleiche Tätigkeit ausrichten. Die jeweilige Grundform ist dann für beide Geschlechter gleichermaßen gültig. Die Unterscheidung findet hier wenn dann auf semantischer und nicht morphologischer Ebene statt. Ausnahmen bilden Nomen bei denen es unter Umständen darauf ankommt das Geschlecht zu betonen, wie beispielsweise bei Sänger/in oder Schauspieler/in.

In Swedish, the meaning of previously established lexical items has been reformed by disregarding any gender information that may be present in the constituent morphemes. Thus, idrottsman (idrott ’sport’, man ‘adult male human being’) can be applied to female activists, and sjuksköterska, lit.: ‘a female who takes care of the sick’, is the term for ‘nurse’, including male professionals. The Nordic languages appear here to make a probabilistic choice rather than a patriarchal one. [Quelle]

Nun ist die Frage welches Konzept die Gleichberechtigung mehr vertritt: Die permanente Affigierung der weiblichen Form im Deutschen, oder von vornherein davon auszugehen dass es keinen Unterschied gibt, und deswegen gar nicht erst eine zweite Form einführen, wie im Schwedischen? Ich tendiere ja zum zweiten…


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Autor: Eikman
2. December 2005, 14:50

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