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14. August 2006, 18:50

Alben

Koop – Koop Islands

35 Minuten. In etwa so lange dauerte 2002 meine morgendliche Fahrt zur Arbeit. Genau 35 Minuten war auch die Spieldauer von Koops Waltz for Koop, das im gleichen Jahr erschien, und mich nicht selten auf meinem Weg durch Autoschlangen und den Dschungel roter Ampeln begleitet hat.
Waltz for Koop war das zweite Album der beiden Schweden Magnus Zingmark und Oscar Simonsson, eine kurze, aber intensive sommerliche Jazzaffäre. Clever arrangiert, mit einem Hauch mittel- und südamerikanischer Rhythmen auf der einen Seite und einer klassischen Sextett Orchestration auf der anderen, ist das Album auch heute noch eines der Meilenstein der Nu Jazz Bewegung. Ein Highlight bildeten die unterschiedlichen Sänger und Sängerinnen, die jedem einzelnen Track (mit Ausnahme zweier Instrumentals) eine bestimmte und persönliche Note gaben. Auf der einen Seite standen bekannte Größen wie Earl Zinger und Terry Callier (dieses Jahr u.a. auf Massive Attacks Live with Me zu hören), auf der anderen Seite zwei weitestgehend unbekannte Sängerinnen: Cecilia Stalin, die den Titelsong Waltz for Koop in eine Romantik hüllt, die an die großen Damen des Jazz erinnert, und die damals gerade mal 15 jährige Yukimi Nagano, die bei Summer Sun, dem Herzstück des Albums, eine nicht minder beeindruckende Performance abliefert. Leider machten sich Koop in Sachen Eigenproduktion seitdem eher rar, lediglich ein Remixalbum mit dem Titel Alternate Takes erschien 2003.

Drei Jahre später. 33 Minuten. 9 Lieder. Das ist die Spieldauer von Koops neuem Streich: Koop Islands heißt es, erscheinen wird es auf Compost. Wieder kein Gewaltakt, wieder knapp gehalten, und wieder ein qualitatives Meisterstück. Auch wenn die Nu Jazz Szene teilweise zu stagnieren scheint, so wissen Koop sich doch irgendwie zu befreien: Das neue Album setzt zwar auf fast die gleiche Vocal-Besetzung wie der Vorgänger (Nagano, Mikael Sundin und Earl Zinger sind abermals an Bord, neu ist die norwegische Singer/Songwriterin Ane Brun), doch Koop Islands trennt sich ein wenig von der Romantik die Waltz of Koop noch an den Tag legte. Wie auch der Titel schon andeutet sind Koop auf einer Insel gelandet, die nicht weit weg von der Karibik sein kann: Marimbas, Bongos (Forces…Darling), Steeldrums (Let’s Elope) und Möwensamples (Koop Island Blues) erzeugen einen freien, sommerlichen ‘Kreuzfahrt-Blues’. Beyond the Son lässt Earl Zinger im Louie Austen Stil eine Geschichte erzählen, und Whenever There Is You sorgt mit und dank Yukimi Nagano für den langsamen und romantischen Abschluss. Insgesamt wieder ein sehr rundes Vocaljazz Album, das keinen wirklichen Schwachpunkt zeigt. Und wer laut Pressetext ganz genau hinhört, kann den Stockholmer Bus #4 vorbeifahren hören. Koop Island kann also doch nicht so weit weg sein, und wo auch immer die Schweden ihre Insel gefunden haben, der Soundtrack stimmt.

# Koop @ Myspace
# Koop Islands @ Soulseduction (inkl. Preview)
# Koop Biographie/Discographie @ Compost

2 Kommentare

  1. Matthias

    Wow, danke für diese gelungene Besprechung: alle wichtigen Links, zwei eingebettete Soundclips und vor allem eine prägnante Meinung. Ich erwarte Koop Islands auch schon sehnsüchtig. Aber 33 Minuten sind natürlich nicht wirklich viel, das reicht bei mir nicht für eine Fahrt zur Arbeit…

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  2. Eikman

    Ja, es ist wirklich sehr knapp geraten, aber vielleicht macht auch diese Prägnanz einen gewissen Charme aus; weniger ist manchmal eben doch mehr :)

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