RSS

31. January 2008, 19:58

Tägliches

Kinderbuch soll indiziert werden

Keine Woche vergeht, ohne das irgendein/e Politiker/in etwas fragwürdiges vorschlägt. Diese Woche (eigentlich schon vor einigen Wochen) geht diese Ehre an Familienministerin Ursula von der Leyen, die das satirische Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? indizieren will, weil es angeblich Kinder in ihrer Entwicklung gefährdet (wie auch immer) und zudem antisemitische Tendenzen aufweist (das zieht immer noch), weil in dem Buch die drei großen Weltreligionen kritisch dargestellt werden:

Im ministerialen Indizierungsantrag wird behauptet, das Buch sei „geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer (sic!) eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden”. Jugendgefährdend seien Medien, „wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen”. Dass ausgerechnet die niedlich illustrierte Geschichte vom kleinen Ferkel zu solcher „Verrohung” beitragen könne, wird damit begründet, dass in dem Buch „die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht” und „die Besonderheiten jeder Religion (…) der Lächerlichkeit preisgegeben” würden. Nach Ansicht des Ministeriums werde dabei insbesondere das Judentum auf diffamierende Weise angegriffen, so dass „Text und Abbildung mithin antisemitische Tendenzen” aufweise.

Die Frage, die sich natürlich stellt ist, ob hier nicht versucht wird Religionskritik zu verbannen, auch wenn man spätestens nach der “Mohammed-Affäre” immer vorsichtig mit diesem Thema umgehen sollte. Ich dachte eigentlich, das wir zumindestens in Deutschland aus dieser Diskussion raus sind, aber vielleicht gibt es nächstes Jahr dann auch Kreationismus als Wahlpflichtfach in deutschen Schulen.
Was mir bei der ganzen Diskussion etwas fehlt, ist die tatsächliche Wirkung des Buchs auf die Kinder. Es ist wohl kaum der Fall, dass die Kinder nach der Lektüre zu atheistischen Religionshassern heranwachsen, ebensowenig wie das alleinige Lesen der Bibel einen aufrichtigen Christen aus einem Kind macht. Kinder zu einem kritischen Denken zu erziehen finde ich dagegen wichtig, und man sollte dies nicht aufgrund fragwürdiger Anklagen verhindern. Im Endeffekt bestimmen ohnehin weder ein Buch noch die Politik die Erziehung zu einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.

# Artikel aus der Süddeutschen
# Seite zur Unterstützung des Buchs.

Antworten