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28. May 2008, 17:08

Alben

Kettel – Myam James Pt.1

Sind wir ehrlich: Ein Sommer ohne ein Kettel Album wäre nur halb so schön. Schon seit Jahren liefert Reimer Eising mit beeindruckender Beständigkeit Alben ab, mal auf Neo Ouija, mal auf DUB, und in letzter Zeit besonders gerne auf seinem eigenen Sending Orbs Label, und ein wirklich schlechtes oder gar mittelmäßiges Release wird man nicht finden. Daran ändert sich auch in diesem Jahr nichts, denn Myam James Pt.1 ist ein Juwel sommerlicher Pop-Elektronika.

kettel - myam james pt.1 Schon immer hat es Kettel wie kaum ein anderer geschafft wunderbar zuckersüße Melodien, ergreifende Pianohooks und schwer zu greifende Samples unter einen Hut zu bringen, und daraus dermaßen griffige Tracks zu zaubern, die einfach im Gehörgang hängenbleiben, und man sich nicht selten dabei ertappt, die eine oder andere Melodie im Nachhinein zu summen. Auf Myam James Pt.1 findet man dieses Mischung wieder, doch wie auch schon auf My Dogan hat er seine Melodien mit einer kräftigen Brise Acid aufgepeppt, was zeitweilen klingt wie eine Mischung aus freudig-hüpfenden Luke Vibert Tracks, gepaart mit der musikalischen Finesse eines Aphex Twin, ohne dabei jedoch auch nur annähernd ausufernd zu werden. Denn auch wenn man diese Musik im weitesten Sinne als IDM bezeichnen könnte, auf die Weise wie sich Melodien und Beats immer wieder überlagern, durchbrechen und ergänzen, so bleibt letztendlich doch immer diese fast schon kindliche Fröhlichkeit über, die nur gelegentlich einer wohligen Sentimentalität weicht.

Im Opener The Wombat wird eine quirlige 303-Bassline von luftigen Synths umgarnt, das fantastische Kroost Kids entwickelt sich aus einem kopfnickenden Hip Hop Beat zu einer Hymne, die man am liebsten bei offenem Fenster der Welt vorspielen möchte, bevor sie sich in verträumten Ambient auflöst. Überhaupt schafft es Kettel immer wieder aufs neue seine Tracks in unterschiedliche Richtungen zu leiten, den Hörer an die Hand zu nehmen und durch ein quietschbuntes Melodienmeer zu begleiten. Egal ob im Acid-infizierten Church, das plötzlich die Orgeln spielen lässt, bei My Dogan, das inmitten pulsierender Statik immer wieder kurze Melodiefragmente aufblitzen lässt, oder bei der ätherischen Eleganz von Ende, ein Song für jenen Moment wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, Kettels Produktion ist immer auf den Punkt, trifft genau diesen, und erleuchtet alles, was daran Zweifel aufkommen lässt.

Myam James Pt.1 wird sicherlich ein Teil des Soundtracks meines Sommers werden, und wenn der zweite Teil, der vermutlich noch dieses Jahr erscheinen wird, auch nur halb so gut ist, dann hat es nicht nur einen Platz an der Sonne, sondern auch in unserer Jahresbestenliste sicher.

# Kettel @ MySpace
# Preview @ Sending Orbs

Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] Ach Kettel, wenn doch nur jeder so lekker Melodien über die bunten holländischen Tulpenwiesen wehen könnte wie du. Aber es gab kaum jemanden in diesem Jahr, der die Mischung aus sommerlich-pausbäckigen Grinsebeats, tollen Pianopassagen und über allem stehend noch einer kräftigen Brise Acid so gut getroffen hat. Ich frage mich zwar, was aus Pt.2 geworden ist, der eigentlich auch noch in diesem Jahr erscheinen sollte, aber auch der erste Teil hat meinen Sommer an mehr als einem Tag versüßt, und spätestens damit hast du dich endgültig in mein Herz gespielt. [Review] [...]

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