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29. October 2008, 12:25

Singles

Johnny D – Requiem of A Dream (8Bit 015)

Da fehlen einem zunächst die Worte, wenn man sich in die Platte einhört. Johannes Debeses, oder auch Johnny Ds, Produzentenoutput strahlt locker über die Mannheimer Szene hinweg. Der Sohn eriträischer Flüchtlinge hat ganz klar den goldenen Housevibe in den Adern. Seit seiner Jugend in der Mannheimer Musikszene aktiv, reicht seine wenige, aber hochqualitative Releasearbeit (in nur drei Jahren) aus, um ihm mittlerweile einen internationalen Bookingkatalog als DJ zu bescheren.

Requiem of A Dream ist keinesfalls ein trauriger Abgesang an das Leben, sondern eine hochemotionale, sich langsam steigernde Househymne. Die Basis der A-Seite ist ein unterschwellig bedrohliches Streicherthema, leicht dissonant in Moll gespielt, dessen Wirkung sich über den Dialog mit einem wippendem Bass und einem ausgetüftelten Beat mit Bassdrum zum Reinlegen ausbreitet. Untermalt und ergänzt wird ab und an durch verschiedene Hornbläser-Elemente. Wer sich an die finster romantischen Streicher in der Eröffnungssequenz in Kubricks Shining erinnert, weiß in etwa wo wir uns hier orchestral befinden und dem wird dann auch die offensichtliche Filmreferenz des Tracktitels deutlich. Kurz zündende Vokalperkussions tun ihr Übriges dazu, dass der Track sich sogartig über jegliches Zeitgefühl hinwegsetzt. Gekonnt sanftmütig wird dem Psychotischen des Tracks zum Ende hin dann mit einem glasklaren, warmen Glockenspiel ein gebürtiger Gegenpart zur Seite gestellt. Sehr ausgewogener Track, vielseitig einsetzbar und nicht zuletzt durch seine Hörerqualität langlebig.

Wenn die A-Seite schon so gut ist, hat es die B-Seite meist schwer. Scope of Mind funktioniert aber zum Glück komplett anders als die A . Debese feiert hier weniger ein Melodiethema ab, sondern zelebiert einen recht entspannten früh-am-morgen Groove, fadet gekonnt verschiedene Synthsounds und -flächen ein und aus und wendet sie ab und an in den Delay- und Modulationspfannen. Ein nicht zu aufdringliches Vokalsample (Keep Buzzin’) ist dann noch das gewisse Etwas, um sich richtig schön im Vibe gehen lassen zu können. (rydm)

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