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Geschmacksemanzipation

Man könnte ja meinen die Kartoffelchipsindustrie in Deutschland würde boomen wenn man so durch den Supermarkt seines Vertrauens schlendert; Dort türmen sich klassische Chips, geriffelte Chips, Ökochips (von freilaufenden Kartoffeln vermutlich), Ofenchips, Stapelchips, Chips mit Löchern, längliche Chips und verdrehte Chips - keine Frage, in Sachen Design sind die namhaften deutschen Hersteller wie Chio, Funny Frisch und Bahlsen Lorenz vorne dabei. Was jedoch auffällt ist das Geschmacksauswahl, vor allem im Vergleich mit dem britischen Angebot, relativ dürftig ist, und selten über die klassische Paprika Variante (auch gerne ungarisch genannt), den schärferen Bruder Chili (auch gerne mexikanisch genannt) und die einfach nur gesalzenen herausgeht. Die etwas ausgefalleneren Arten erkennt man meistens schon am Namen - ‘Salt & Vinegar’ oder ‘Cheese & Onion’ zeigen schon dass hier irgendetwas ‘exotisches’ drin steckt.
Mit ‘Cheese & Onion’ ist aber auch fast schon das Ende der Salzstange erreicht, und ich frage mich warum in England die Auswahl so ungemein größer ist: Sind die Engländer einfach experimentierfreudiger oder konsumieren sie allgemein mehr Chips (oder Crisps wie es dort heißt)? Warum gibt es sonst in England so großartige Crisps mit Pfeffernote, Hühnchen oder Lamm und Pfefferminz (in Kombination) Geschmack, während hier die Ersatzpausenbrote für Grundschüler seit Jahren ein tristes Geschmacksdasein fristen?

Zudem sind uns die Engländer auch in der Dosierung der fettigen Snacks vorraus: Während man hierzulande die Glutamatbomben meistens in der Standard 175g Tüte kauft, gerne auch mal zur 250g Jumbopackung für den nächsten Fußballabend greift, gibt es in England vermehrt kleine, mund- und handgerechte 35g Beutel. Der Vorteil ist klar: Anstatt innerhalb von einer halben Stunde eine 175g Packung in sich hineinzuschaufeln (und diese gerne mit dem ein oder anderen Bier runterspült), isst man eben eine kleine Packung und belässt es dabei. Falls man sich und seinem Herz wirklich noch mehr antun möchte, öffnet man eben noch eine, aber das kostet schon Überwindung, oder zumindestens den unliebsamen Gang in die Küche.
Auch kann man die kleinen Tüten, so wie es gedacht ist, als ‘Snack’ auch nebenbei essen, z.b. in der U-Bahn, ohne dabei gleich die gierigen Blicke des ganzen Abteils auf sich zu ziehen, die erhoffen, man würde wie damals der Ültje Mann mit breitem “Crunch mit!” Grinsen aufstehen und seinen überteuerten Spaß teilen.

Fazit: Ich fordere eine sofortige Aufstockung des Geschmackangebotes! Mehr Geschmack in kleineren Tüten!

Eine Meldung zu “Geschmacksemanzipation”
  1. 1
    dings (14.4.06, 23:36):

    Das musste mal gesagt werden. ‘Thai Sweet Chili’, oder selbst ‘Ketchup’, sind Varianten, die alles, was hierzulande bräsig auf den Konsumenten losgelassen wird, bei weitem übertrifft. Und mehr als 50g sind eh nur in Ausnahmesituationen genießbar - der Geschmack hält dann nicht mehr.


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