RSS

13. November 2008, 01:33

Feature

Feature: Damián Schwartz

Damián Schwartz hat gut lachen. Neben seinem stetig größer werdenden Terminplan und DJ Gigs in ganz Europa, hat er nach gut einem Dutzend Singles in den letzten beiden Jahren gerade sein erstes Album fertiggestellt. Nebenbei ist er zudem einer der Gründer des inzwischen auch über die Landesgrenzen heraus bekannten Net28-Kollektivs, das im Verlauf der letzten Jahre die europäische Clublandschaft ordentlich durchgerüttelt hat, und fast schon im Vorübergehen dem ewigen Rivalen, nicht nur in Sachen Fußball, Barcelona die Krone in Sachen Techno zu entreißen scheint. Denn während in Katalonien der Erfolg des Sonar Festival inzwischen eine geradezu unüberschaubare Masse an DJs innerhalb einer Woche in die Stadt und durch die Clubs treibt, so dass Anwohnern bald die Geduld, und Partygängern schlichtweg die Puste ausgeht, blickt man in Madrid um einiges relaxter in die südländische Sonne.

Wieso auch nicht? Net28 hat sich mit seinen Sublabels Apnea, CMYK, Cyclical Tracks und eben Múpa, dem Label von Damián Schwartz, einen internationalen Namen gemacht, und hat mit Tadeo und Alex Under noch zwei weitere ausgezeichnete Producer der neuen spanischen Technowelle im Boot sitzen. Als Booking-Agentur und Flaggschiff hält dieses Netzwerk die Fäden zusammen, und mit dieser gebündelten Kraft erscheint nun auch mit Party Lovers das Debütalbum von Damián Schwartz, der mit guten Connections zum Frankfurter Label Oslo und Auftritten auf einigen renommierten Mix-CDs des vergangenen Jahres (darunter Steve Bugs Bugnology 3 und Ellen Allien Boogy Bytes Mix) nun endgültig durchstartet.

Party Lovers ist ein interessantes Album, gar nicht mal typisch für den Minimal-Sound des Labels, es pendelt vielmehr gleichermaßen zwischen Dancefloor-Tauglichkeit und subtilen Jazz-Einflüssen, durchbricht enge, treibende Grooves immer wieder mit überraschenden Strukturen und zollt ebenso Chicago- und Vocalhouse wie jenem Minimalismus Tribut, der auch die früheren Produktionen schon immer durchzog. Ein guter Zeitpunkt also, dem dynamischen Spanier einige Fragen zu stellen.

Hallo Damián, du hast in den letzten Jahren einige Singles veröffentlicht, aber kommst erst jetzt zu deinem ersten Album. Wann hast du dich dafür entschieden, nun ein Album zu machen?

Ich habe schon lange darüber nachgedacht, konnte die Ideen aber nie so wirklich umsetzen, der richtige Moment war einfach nicht da. Letzten Sommer habe ich dann damit angefangen, fertig war es schließlich im Februar diesen Jahres. Es hat eine Weile gedauert, aber es sollte auch etwas besonderes sein.

Was heißt besonders? Spricht der Titel „Party Lovers“ für sich, d.h. ist es ein Album für Partys, für den Dancefloor, oder zeigt es vielleicht eine andere Seite von dir als Producer?

Trotz des Titels ist das Album eigentlich gar nicht nur für den Club gedacht, sondern spiegelt meine Gefühle zur elektronischen Musik insgesamt wieder. Angefangen habe ich letzten Sommer, fertig war es dann im Februar, und es enthält sicherlich einige Tracks, die als Single nicht funktionieren würden. Das Album war einfach notwendig, um die Ideen der letzten Jahren zusammenzufassen.

Wo wir bei den Ideen sind: manche Tracks scheinen sich sowohl an der alten Chicago-House-Schule zu orientieren, andere wirken in ihren Strukturen dagegen freier, fast schon jazzig…

Das stimmt beides. Gerade Jazz überschreitet ständig die Grenzen von Genres, es ist weniger eine bloße Stilrichtung für mich, als vielmehr ein mentales Konzept. Es ist nicht leicht, diese Jazz-Idee auf elektronische Musik anzuwenden, aber das ist genau das, was mir immer wieder die Augen öffnet. Was ich beim Produzieren im Kopf behalte, sind keine längeren Grooves, sondern kleine Elemente wie Bass Riffs, Melodien oder Pianochords, mit denen ich dann weiterarbeite und improvisiere. Daneben ist natürlich Chicago-House ebenso ein Einfluss wie Salsa, Herbie Hancock oder experimentelle Sachen von Vladislav Delay und Thomas Brinkmann.

Wie auch schon bei Alex Under, sind die meisten deiner Tracktitel in Spanisch. Ein bewusstes Tribut an deine Heimat oder einfach nur Zufall?

Naja, Spanisch ist eben meine Muttersprache, und deswegen fällt es mir einfacher, passende Tracktitel auf Spanisch zu finden. Ich benutze auch manchmal englische Titel, wenn es denn passt. Aber mit Tribut hat das nichts zu tun.

Du bist einer der Gründer von Net28 und hast dort fast alle deiner Platten veröffentlicht. Wie wichtig ist dieses Netzwerk für dich als Produzent?

Sehr wichtig! Wir haben schon vor langer Zeit mit Net28 angefangen, aber erst seit ca. zwei Jahren versuchen wir es auch als Marke und Booking-Agentur zu pushen. Net28 ist das Mutterlabel, es ist der Name, mit dem uns die Leute assoziieren. Dieser Kollektiv-Gedanke ist unglaublich wichtig für mich, er wirkt als Katalysator and Antrieb für meine Ideen und lebt vom ständigen Austausch von Freunden untereinander. Es ist toll, wenn man seine Sachen mit Leuten teilen kann, die man mag und schätzt, wenn man Teil eines größeren Ganzen ist und damit auch wachsen kann.

Hat sich dadurch auch die allgemeine Rezeption von Techno in Spanien in den letzten Jahren verändert?

Ja, ich denke schon. Wir haben den Leuten gezeigt, dass es möglich ist, auch hier etwas aufzubauen, was sich um elektronische Musik dreht und eben nicht nur um den Mainstream. Dass man dadurch auch international wahr genommen werden kann. Natürlich waren wir nicht die ersten Techno-Produzenten aus Spanien, die über die Landesgrenzen heraus einen Eindruck gemacht haben, aber ich glaube, dass wir das erste wirklich geschlossene Kollektiv aus Spanien sind, das sich international einen Namen gemacht hat.

Net28 besteht aus vielen kleineren Labels, die jeder von euch zusätzlich für sich betreibt. Wo liegen da die Unterschiede?

Das ist ja gerade das interessante, dass so viele kreative Köpfe zusammenkommen, aber trotzdem jeder seine eigene Idee verfolgt, sein eigenes Konzept hat, das er dann auf seinem Label selbst und mit anderen Künstlern auslebt. Ich denke schon, dass es da gewisse Unterschiede in Sachen Artists und auch Sound gibt, wobei natürlich alles auch irgendwie zu Net28 passen sollte. Ich sehe mein Múpa-Label nicht nur als kreativen Output, sondern auch als A&R. Zusammengehalten wird das alles von Jose, dem Antreiber von Net28, der die Fäden spinnt und auch das Booking übernimmt. So kann ich mich auf Múpa und andere Projekte konzentrieren, ohne dass das Netzwerk als solches vernachlässigt wird.

Apropos Projekte, wie schauen nun deine weiteren aus, nachdem das Album draußen ist?

Es geht genau dort weiter, wo ich aufgehört habe. Ich habe mir einige Sachen für nächstes Jahr vorgenommen. Zum einen natürlich einige Singles auf unseren Labels, dann noch eine EP auf Oslo, die im Dezember erscheinen wird. Außerdem versuche ich ein Projekt mit meinem Bruder und seiner Band anzutreiben, eine Art Disco meets Funk Instrumental Projekt, aber das ist noch am Anfang. Die Zeit ist wie immer das größte Problem…

Muchas Gracias!

# Net28
# Múpa
# Damián Schwartz

Antworten