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26. September 2007, 02:07

Tägliches

FAZ Relaunch

Wer hätte es für möglich gehalten – auch die letzte Bastion des Konservatismus, unsere Frankfurter Allgemeine Zeitung, läutet die Revolution ein: In Zukunft (ab 5. Oktober) wird es auf der Titelseite der Zeitung auch Bilder geben, und die sogar in Farbe! Zudem wird die Frakturschrift in den Überschriften abgeschafft, die mindestens genauso alt ist wie die Leserschaft. Insgesamt soll das Blatt freundlicher und heller werden, doch ob die optische Veränderung das schleichende Abnehmen der Auflage (mehr als 40.000 Exemplare in den letzten Jahren) stoppen kann ist fraglich. Im aktuellen Spiegel (39/2007) wird das Problem auf den Punkt gebracht:

D’Inka (Anm: einer der Herausgeber) spricht von einer hohen Einstiegshürde in die Zeitung und dem Zugänglichmachen. Es klingt, als wolle er sagen, was Politiker sagen, wenn ihre Botschaft nicht ankommt: alles nur ein Vermittlungsproblem. Die Inhalte stimmen. Doch tatsächlich befindet sich die Frankfurter Allgemeine gerade dort im Rückzugsgefecht. Die politische Kommentierung verharrt in oft marottenhaftem Konservativismus. Die Debattenathletik, die das Feuilleton einst groß machte, hat sich erschöpft.

In der Tat ist die FAZ, trotz journalistischer Klasse, leser- und leseunfreundich: Die Artikel sind häufig übermäßig verkompliziert, und die Themen im Feuilleton und Lokalteil angestaubt, was gerade junge Leser abschreckt. Daher werde ich auch weiter zur lokalen Konkurrenz greifen, die nebenbei vor nicht allzu langer Zeit den riskanten Schritt zum Tabloid Format gewagt hat, und dadurch abermals genau diesen Sinn für Veränderung gezeigt hat, dem die FAZ nur alle 20 Jahre nach geht.

Ansonsten bleibt mein Favorit auch weiter die NZZ: Dynamisch, unvoreingenommen, verständlich, und dabei trotzdem in Sachen Korrespondenz und Qualität auf höchstem Niveau. Leider in der internationalen Ausgabe etwas teuer und ohne Lokalteil.

In England fiel meine Wahl übrigens meistens auf den Guardian, was nicht nur am frischen Design und dem unschlagbaren Preis von umgerechnet 50 cent (!) für Studenten lag, sondern vor allem an der Auswahl von interessanten Themen und Kolumnen. Über die generelle Pro-Labour Einstellung kann ich dafür problemlos hinwegsehen.