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6. September 2009, 02:54

Alben

Dinosaur Jr.- Farm

Alte Hunde beißen nicht. Von wegen! Dinosaur Jr. kommen mit dem zweiten Album seit ihrer Reunion im Jahr 2005 mit einem Paukenschlag zurück, der in diesem Jahr nur schwer zu toppen sein dürfte. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal unbeobachtet Luftgitarre gespielt habe, aber zu jedem Track auf Farm habe ich das Bedürfnis danach, ganz einfach weil es, und hier lehne ich mich weit aus dem Fenster, eines der besten Indierock-Album seit Jahren ist. Dass es ausgerechnet von drei Stonern jenseits der 40 aufgenommen wurde, macht die Sache nicht minder bemerkenswert.

Doch irgendwie ist wie mit dem Whiskey – je älter, desto besser. Denn auf Farm zeigt sich die Band geschlossener und energetischer denn je – schon der Opener Pieces (ein harter Anwärter für den Song des Jahres) lässt die Drums nur so vor sich hin rollen während Mascis Gitarre über allem schwebt und ein unfassbar gutes Riff reitet, dessen Intensivität lange nicht erreicht wurde. Überhaupt scheint es, als hätten Dinosaur Jr. auf ihre alten Tage plötzlich den Spaß am Spielen (wieder)entdeckt, so spielend leicht, so unaufhörlich treibend wird hier nach vorne gespielt, mit einer Energie wie sie viele jüngere Bands nicht haben. Das fast fünfminütige Solo von Mascis auf I Don’t Wanna Go There dürfte eines der besten der letzten Dekade sein, eine markerschütternde Ode an den Rock ‘n’ Roll Gott. Die Single Over It zeigt die Band im passenden Musikvideo nicht nur beim jugendlichen Skaten, sondern auch beim Augenzwinkern, wenn es heißt “life’s so easy to get through”, und scheinbar scheinen die drei Herren nach diversen Unstimmigkeiten wirklich endgültig ihren spirituellen Frieden gefunden zu haben. Auch wenn es ruhiger zugeht, wie auf dem herrlich verzerrten Plans oder Said the People zeigen sich die Stärken einer Band, die geschlossener wirkt wie zu den, bekanntlich mehr als erfolgreichen, Lo-Fi Zeiten der 80er Jahre. Hier geht es um Rock, der endlich den modernen Sound hat, den Dinosaur Jr. lange vermisst haben und gleichermaßen die Energie der Anfangsjahre aufgreift. Es ist der Sound einer Band, die sich wiedergefunden hat und ihre Stärken auch nach langer Abstinenz nicht verloren hat.

Farm ist vielleicht das Album, das am ehesten an You’re Living All Over Me aus dem Jahr 1988 herankommt, und den Sound der Band nach dem ebenfalls sehr gutem Beyond endgültig ins neue Jahrtausend gebracht hat. Dass es dabei so ziemlich alles andere in diesem Jahr in den Schatten stellt, dürfte die Band wohl selbst nicht erwartet haben. Das macht aber nichts. Großartig!

2 Kommentare

  1. andi

    super review! full acknowledge

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Trackbacks

  1. [...] Dinosaur Jr. packen auf dem zweiten Album nach ihrer Reunion nochmal eine Schippe drauf, hauen mal so eben einige der markantesten Gitarren-Riffs und Soli des Jahres raus, spielen so zuversichtlich wie seit den 80ern nicht mehr, und lassen dabei so ziemlich jede andere Rockband des Jahres hinter ihren Marshall Verstärkern älter aussehen als die drei Mitt-Vierziger selbst. Genau wegen solchen Alben weiß man immer wieder, warum Luftgitarre im Wohnzimmer spielen ab und zu einfach sein muss. [Review] [...]

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