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Di Canio Strikes Again

Ein Sprichwort sagt “Du kannst deine Frau und deinen Glauben wechseln, aber nicht dein Team”. Einige scheinen noch nicht mal das zu können. Nachdem der Kapitän von Lazio Rom, Paolo di Canio, schon Anfang des Jahres durch einen faschistischen Gruß aufgefallen ist (Artikel), und daraufhin vom italienischen Verband eine Geldstrafe in Höhe von 10.000€ zahlen musste, hat er seitdem offensichtlich nichts daraus gelernt:

Livorno - Der Kapitän des italienischen Fußball-Erstligisten ist am vergangenen Wochenende erneut in die Kritik geraten. Der 36 Jahre alte Stürmer hatte am Sonntag beim Spiel Livorno Calcio gegen Lazio (2:1) seine Fans mit dem ausgestreckten rechten Arm begrüßt. Di Canio trägt zudem eine Tätowierung mit der Schrift “Dux” (lateinisch: Führer) auf dem Arm [...]

Man kann nun hoffen, dass der italienische Verband diesmal härter durchgreift vor der Tatsache dass di Canio ein Wiederholungstäter ist, und sich seine Schuld offensichtlich nicht eingesteht. Doch vermutlich wird auch diesmal nur eine Geldstrafe folgen, und das obwohl die öffentliche Unterstützung des Faschismus in Italien verboten ist. Der Grund: Paolo di Canio ist ein Vorbild, eine Identifikationsfigur für die Fans von Lazio Rom, einer der bekanntesten italienischen Fußballer, eine Sperre oder gar ein Ausschluss aus dem Kader könnte die ohnehin schon hitzigen Italiener noch weiter anheizen - ein Eklat wäre vorprogrammiert, und genau davor fürchtet sich der italienische Fußballverband. Schon beim letzten Mal kündigten die Fans an vor den Verband zu maschieren falls di Canio gesperrt werden sollte. Das aggressive Verhalten kommt nicht von ungefähr, nicht umsonst galt Lazio Rom lange Zeit als “Faschisten-Club”, immerhin war es der Verein, den Mussolini zu seiner Zeit unterstützte, und aus dieser Ecke kam der Club auch nach Kriegszeiten nie so richtig raus (eine Polemik über die Beziehung Mussolini - di Canio).
Der Eindruck dass der Nationalsozialismus in Italien doch tiefer verwurzelt ist als man zugibt, wird durch die Vorkommnisse in den Fußballstadien verstärkt. Noch heute hat Lazio Rom eine rechts-orientierte Fangemeinde, die nicht selten mit Hakenkreuzen und Mussolini-Postern im Stadion auftaucht, unbeachtet von Ordnern und Sicherheitspersonal. Man nimmt es einfach hin in Italien und legt den Mantel des Schweigens darüber. Zwar sagt man in der Öffentlichkeit, dass man keine Politik auf dem Fußballplatz duldet, der Verband kündigt ‘Ermittlungen’ und ‘Vorgehensweisen’ an, doch passieren wird letztendlich nichts. Zudem versuchen Politiker der postfaschistischen “Nationalen Allianz” die Tat herunterzuspielen. Ein ‘römischer Gruß’ soll der ausgestreckte Arm sein, nichts politisches. Und wenn der Mann mit der Adler-Tätowierung auf dem Rücken das sagt, dann muss das stimmen.
Es stellt sich die Frage wer denn eigentlich das Sagen hat im italienischen (es gibt ähnliche Beispiele aus anderen Ligen, es ist bei weitem kein italienisches Problem) Fußball - der Verband (und Clubs) oder die Fans. Solange scheinbare Vorbilder wie di Canio ungeahndet faschistische Parolen im Stadion verbreiten und ihre Ausrichtung an die Fans weitergeben ist die Antwort jedenfalls leicht zu erraten.

2 Meldungen zu “Di Canio Strikes Again”
  1. 1
    Matthias (13.12.05, 22:19):

    Und natürlich macht er das ausgerechnet gegen Livorno, die ja als besonders “linker” Verein gelten, womit sich fast schon eine Tradition einbürgert. Schade ist das alles!

  2. 2
    Eikman (13.12.05, 23:29):

    Ja, was momentan in und abseits der Stadien passiert ist wirklich nicht schön. Kann man nur hoffen dass die WM gut läuft, aber man weiß ja nie…


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