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Das alte Lied der Geisteswissenschaft

Das folgende Gespräch bei SpOn erinnert mich fast wörtlich an diverse Unterhaltungen, die ich in den letzten Jahren mit Freunden, Bekannten und Verwandten bezüglich der Wahl meines Studiums der Geisteswissenschaften geführt habe. Das Resultat war stets das Gleiche: Resignation meinerseits ob der Ignoranz/Unwissens meines Gegenübers, denn jemandem den “Nutzen” eines Geisteswissenschaftlers zu erklären, der mit dem Hintern schon so weit im Kapitalismus steckt, dass er sich auf den reinen monetären oder materiallen Wert jeder Sache berufen muss, ist wie Eulen nach Athen zu tragen (um mal literarisch zu bleiben). Gerade bei Passagen wie der folgenden dreht sich mir der Magen um.

Emmanuelle: Wir können uns doch gegenseitig nicht wie Produkte behandeln und sagen, du bist so und so viel wert, je nach Studienfach. Ich weiß nicht, warum ein Ingenieur mehr bekommen soll als ein Literaturprofessor. Die Gesellschaft braucht Literaturwissenschaftler genauso wie Ingenieure.

Leonard: Das ist eben Marktwirtschaft, das erfolgreichste Wirtschaftssystem der Welt. Der Sozialismus hat nicht funktioniert.

Emmanuelle: Aber wenn ich fünf Jahre studiert habe und du auch fünf, warum sollst du dann doppelt so viel bekommen?

Leonard: Das weißt du doch schon vorher, bevor du das Studium beginnst. Wenn es dir aufs Geld ankommt, musst du eben etwas anderes studieren als Geisteswissenschaften.

Lars: Ein Ingenieur schafft eben auch mehr Wert als ein Literaturwissenschaftler. Wir reden hier über Geld, also über materiellen Wert. Wie viel materiellen Wert produziert ein Literaturwissenschaftler?

Emmanuelle
: Willst du heute in Geld bemessen, was Mozart für die Gesellschaft getan hat? Kannst du Musik oder Gedanken in Geld bemessen? Das ist mehr als Geld.

Leonard: Man braucht einfach eine bestimmte Anzahl von Ingenieuren, um die Probleme des Alltags zu lösen. Wenn du keine Ingenieure hast, die eine Brücke bauen, kommst du nicht über den Neckar. Wenn ich nicht weiß, wie ich das Gedicht interpretiere, warte ich eben eine Woche.


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