RSS

2. July 2008, 14:15

Alben

Cyne – Starship Utopia

Cyne sind zurück! Nach dem großartigen Evolution Fight im Jahre 2005, das nicht nur einer unserer Favoriten aus dem Jahr 2005 war, sondern es auch irgendwie auf das knuddelige CCO Label geschafft hat, kommen Cyne nun mit ziemlich genau 30 Minuten neuem Material zurück. Das klingt zwar nach einem kurzen Erlebnis, doch Cyne schaffen es in einer halben Stunde ein größeres Ausrufezeichen zu setzen als andere Hip Hop Künstler auf drei Alben.

Kaum einer der 11 Tracks auf Starship Utopia geht über die drei Minuten-Marke hinaus, was gar nicht weiter schlimm ist, denn Cyne bleiben ihrem warmen Oldschool-Sound treu, produzieren punktgenau und verlieren sich nicht in überflüssigen Sample-Eskapaden oder im Interlude/Skit-Overkill. Stattdessen gibt es abwechslungsreiche Tracks aus dem Labor der beiden Beatsmiths Enoch und Speck, die immer eine gewisse elektronische Edge haben (Sextapes, Six Shooter), aber gleichzeitig auch wieder auf passgenaue, stets sehr homogene und geerdete Soundsamples zurückgreifen, so dass alles auch sehr gut einer Liveinstrumentation entspringen könnte und stets jazzig-angehaucht klingt.

Die Stimmung der einzelnen Tracks ist nicht minder vielseitig, variiert zwischen optimistischen, souligen Tracks (Starship Utopia), nachdenklichen Kopfnickern (Hurricane Song, Catharsis) und kritischen Überlegungen (Kill the Music), wobei die Raps immer passgenau sind, nur selten in Profanitäten abdriften, und man generell das Gefühl hat, dass in diesen 30 Minuten sehr viel Detail steckt. Letztendlich sind da natürlich auch noch die Hits wie Floatin’, das mit Raps von Seven Star und Soarse Spoken schon auf der Grey Matter Ep zu finden war, und mit seinen epochalen Bläsersamples klingt wie das Theme einer 70er Jahre Actionserie, ohne dabei aber in eine ähnliche Cheeseyness abzufallen, sondern einen schlichtweg fantastischer Hip Hop Track darstellt, bei dem man nicht um das obligatorische Kopfnicken herumkommt.

We floatin’ above the nonsense – auch wenn die halbe Stunde viel zu schnell vorbei ist, haben Cyne mit diesem Album ihre Homebase Gainesville in Florida endgültig als Schmiede von intelligentem und anhaltendem Hip Hop etabliert. Hip Hop ohne Nonsense, hier passt alles.

Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] Starship Utopia war eigentlich nur der Vorgänger für das später in diesem Jahr erschienene Album Pretty Dark Things, aber trotzdem datieren die Tracks hier anscheinend in eine andere Zeit, und sind vielleicht auch deswegen im direkten Vergleich die besseren. Cynes Beats sind immer noch unglaublich homogen und down-to-earth, lassen aber im jazzig-souligen Hintergrund immer wieder elektronische Facetten aufblitzen, während die Lyrics der beiden MCs Akin und Cise Star wieder absolut spot-on sind, und in den größtenteils melancholischen Conscious-Texten auch immer wieder die Konfrontation suchen. Lange Rede, kurzer Sinn: HipHop war selten besser in 2008. [Review] [...]

Antworten