RSS

14. November 2005, 10:12

Dates

Cocorosie – Frankfurt, 13.11.

Als Cocorosie pünktlich um kurz vor 21 Uhr die Bühne betraten wurde bereits klar, dass den zwei Damen aus New York ein guter Ruf vorauseilt; Die Brotfabrik in Frankfurt war gefüllt wie selten zuvor, die Schlange vor der Theke bemerkenswert, der Platzmangel ebenso, das Publikum irgendwo zwischen FAZ-Lesern, Bioteetrinkern und Indienerds. Gelobt wurde die intime, ja fast heilige Stimmung, die die Konzerte von Bianca und Siera Casady begleitet, und, um das vorwegzunehmen, sie erfüllten diese in vollem Maße. Neben Piano, Harfe und Gitarre warteten auch die etwas ungewöhnlicheren Instrumente – diverses Kinderspielzeug, ein Sampler und eine menschliche Beatbox, die (oder der) einen Großteil der Songs begleitete, auf das gespannte Publikum. Ein Großteil der Songs wurde durch Sprachsamples und Soundschnipsel aller Art eingeleitet, sowie von Visuals auf einer großen Leinwand unterstützt, bevor dann die gegensätzlichen Stimmen der beiden Damen einsetzten. Siera in hohen, engelsgleichen Tönen, ähnlich einer Opernsängerin, Bianca auf der anderen Seite der Bühne, in typischer Art gepresst, gedrückt, gemurmelt singend. Was auf der Platte schon interessant klingt, erreicht auf der Bühne weitaus intensivere Dimensionen – die beiden Stimmen ergänzen sich perfekt, die Beatbox reiht sich in beeindruckender Perfektion ein.
Gespielt wurden sowohl Songs vom neuen als auch vom alten Album, allerdings teilweise sehr abweichend von der Albumversion. Highlights waren in der ersten Hälfte “Dizzy Dog”, “Left-Handed Shoe” und “Beautiful Boyz”. Der wirkliche Höhepunkt ließ aber bis zum Schluss auf sich warten: Ein Cover von Kevin Littles Dancehall-Charthit “Turn Me On”, eingeflochten in eine Rap-Version von “Noah’s Ark” und “By my Side”. Das ohnehin schon faszinierte, wenn auch zurückhaltende, Publikum ließ sich am Ende sogar noch auf Call & Response Spielchen ein: “When I say Coco…you say ROSIE!”. Unter tosendem Applaus folgten zwei Zugaben, bevor dann nach napp 90 min, wirklich Schluss war. Was bleibt ist der Eindruck, dass die Auftritte dieser Damen in der Tat ihrem Ruf gerecht werden. Mal schmachtend, mal aufreibend, mal ernsthaft, mal augenzwinkernd. Eines der Konzerterlebnisse des Jahres.

# Bilder

Antworten