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23. August 2007, 00:50

Alben

Cobblestone Jazz – 23 Seconds

Cobblestone Jazz, das kanadische Trio um Mathew Jonson, Tyger Dhula und Danuel Tate hat nach einigen 12″s auf Itiswhatitis und Wagon Repair nun also auch ein Album ins Visier genommen. Nicht selbstverständlich, liegt doch der Fokus der Band eher auf Live-Improvisationen als akribischer Studioarbeit. Trotzdem ist auch das Album in einem ähnlichen Arbeitsprozess enstanden wie die Singles, vielleicht nicht in 23 Seconds, wie der Titel vermuten lässt, aber einige Stücke wurden nach eigenen Angaben in weniger als einer Stunde produziert.
Die Arbeitsteilung, so erklärt Mathew Jonson im Interview, ist dabei klar geregelt: Tate beginnt mit den Keys, Dhula steuert die Percussion und Ambience bei, und Mathew Jonson ist für Basslines, Drums und das anschließende Editing zuständig. Dass dies bestens funktioniert, beweisen Tracks wie das letztjährige India in Me, dessen hypnotischer Sound sich in nicht wenige Sets geschlichen hat, und auch das “Jazz” im Namen kommt nicht nur in Sachen Improvisation zum tragen – Cobblestone Jazz durften u.a. auf dem renommierten Montreux Jazz Festival auftreten.

Der Vorteil der Improvisation zeigt sich in einem Album, das vor allem Lebendigkeit zu bieten hat: Vom noch etwas dunstigen Opener Waiting Room, das zwischen Vocoderspuren noch den Beat missen lässt, geht es mit Hired Touch schon in tanzbarere Gefilde. Der einzige schon als 12″ veröffentlichte Track, Lime in da Coconut, steigert sich stetig in eine quirlige Harmonie, die immer wieder erweitert, durchbrochen und modifiziert wird. Loops springen umher, deepe Pads legen sich sich über ausgefeilte Percussion. Dazu diese plinkernden Synth Chords, die immer wieder aufblitzen, und gerade Tracks wie das stark Detroit-beeinflusste PDB und der anschließende Titeltrack durch diese positive Nervosität aufleben lassen. Keine bis ins letzte Detail ausgefeilten Tracks, wenige Pausen und Build-Ups, aber dafür ein sehr verspielter, abwechslungsreicher Sound, den die Herren ihrem größtenteils analogen Equipment entlocken.
Gegen Ende wird dann auch noch etwas aufs Tempo gedrückt, Saturday Night ist sicherlich der offensivste Track auf dem Album, geht mit grollender Bassline, markanten Drums und etwas düsterer Atmosphäre in Richtung Dancefloor, Peace Offering sorgt mitsamt Vocoder für einen gewissen Housetouch, und das trancige W (Aril Brikha lässt grüßen) führt zu einem geradezu hinreißenden Abschluss.

Die zweite CD bietet neben den beiden “Hits” Dump Truck und India in Me auch noch ein Liveset aus Madrid, das bei einer Band, dessen Fokus auf der Improvisation liegt, natürlich nicht fehlen darf.

# Cobblestone Jazz Interview @ TAPE
# Preview + Order @ Soulseduction

5 Kommentare

  1. coicoi

    …also wenn du in lime in da wire die akkord harmonien raushörst.. dann scheinst du echt ein musikalisches genie zu sein. normalsterbliche wie ich..erkennen da gradnoch das grundton schema der bassline..
    ansonsten ist das echt ne kaufempfehlung. danke!

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  2. coicoi

    lime in da coconut mein ich.

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  3. Eikman

    musikalisches genie trifft es ganz gut.

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  4. Matthias

    Aah, diese Bescheidenheit … herzerfrischend ;O)

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  5. Essie

    Unblieebvale how well-written and informative this was.

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