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9. February 2006, 20:38

Tägliches

Bundesvision Schrottcontest

Der langweilige Donnerstagabend wird mit Synchron-Blogging über Raabs entsetzlichen Bundesvision Song Contest (BVSC) überbrückt. Diverse Flaschen Bier und ein Sack Vorurteile werden mich am Leben erhalten. Hoffentlich.

Zur Info: Ähnliches Live-Blogging gibt es auch beim Popkulturjunkie, Sichelputzer und Franziskript (toll dass ich das so früh rausfinde, aber besser spät als nie).

Los geht’s:

1) AK 4711 / Nordrhein-Westfalen: Eine Girlgroup Lesbentruppe Frauenband. Bekloppter Name, dürftiger Gesang, generischer Poprock, den Text konnte ich aufgrund des schlechten Gesangs nicht verstehen, aber die Mini-Instrumente waren witzig.

2) Marlon / Niedersachsen: Ein Mischung aus Otto Waalkes und dem jungen (möchtegern) Rod Stewart. Sneakers zum Anzug können den seiernden Schmuserock auch nicht besser machen, ebenso wenig wie die Ballettänzerinnen im Hintergrund, die wunderbar unsynchron tanzen und wohl von der Frisur ablenken sollen.

3) Reminder / Saarland: Bis jetzt die Besten, die Gitarren sehen echt aus, die Posen stimmen, Tätowierungen hab ich auch erspäht. Aber was hat es mit dem Titel Augen zu (und rein) auf sich? Sowas hört man von betrunkenen Pärchen hinter dem Toilettenwagen auf Dorffesten häufiger…

4) Massive Töne / Baden-Würrtemberg: Die ‘Massiven’ haben spätestens nach Cruisen sämtlichen Respekt von mir verloren. Danach kam auch nicht mehr viel, deswegen jetzt wohl beim BVSC zu finden. Machen die jetzt keinen Hip Hop mehr? Plötzlicher Swing-Einschlag, seltsames Lied, die drei sehen aus wie Mafiosi, aber davon gibt’s in Stuttgart ja einige…von welchem Job singen sie eigentlich?

(20:53 Uhr – Bierpause)

5) Toni Kater / Sachen-Anhalt: Dachte die kommt aus Berlin, aber das sagen ja alle aus dem Osten gerne. Die ist mir sympathisch, aber die Outfits sind wohl vom Laster einer Fechtmannschaft gefallen. Eine Ballade mit netter Keyboard-Line, aber zu glatt um ernsthafte Chancen zu haben.

6) In Extremo / Thüringen: Dudelsäcke, Harfen und altertümliche Klamotten. Ich dachte immer die seien mehr auf dem Gothic-Trip. Extrem ist das aber auch nicht, eher nervig. Der Sänger singt im Refrain wie Campino, der Harfenspieler erinnert mich an einen der Mönche in Der Name Der Rose. Sowas kommt in die Top 30 in Deutschland? Erstaunlich…

7) 200 Sachen / Rheinland-Pfalz: Die Sängerin nennt sich wirklich Katta Strophe. Der Name ist Programm. Mit 200 Sachen gegen eine Wand fahren macht mehr Spaß. Und dieser 60ies Look erst…da läuft dir jede Katze weg.

8) Die Raketen / Sachsen: Oh Gott. Sprechgesang im Elektropopgewand, sowas kann nur schiefgehen. Wie eine schlechtes Version des Jeans Teams. This Is Not a Popsong, aber alles andere auch nicht. Der Tiefpunkt bist jetzt. Zum Glück kommt nun Werbung.

(21:20 – Bierpause)

9) Diane / Brandenburg: Ah, das Ex-Lemonbaby. Nett, nicht zu aufgesetzt, nur das Augenaufreissen sollte sie sich abgewöhnen, das wirkt unheimlich. Ansonsten nicht viel zu bemängeln, oder?

10) Tiptop / Bayern: Das ist doch einer der Sportfreunde! Was haben eigentlich alle mit diesen weißen Sportklamotten, ist das nicht so ein Grime-Ding? Grime ist das hier aber nicht, sondern eher die Fruityloops Beats eines Ballermann-Hits. Der Text klingt auch so, als wäre er genau dort nach zwei, drei, sieben Liter Sangria entstanden. Ich hoffe davon gibt es kein Album. Die Leute, die jubeln sind bestimmt Sportfreunde Fans, sowas kann doch keiner ernsthaft gut finden…

11) TempEau / Schleswig-Holstein: Es wird Zeit dass Wortpiele in Bandnamen verboten werden. Marlon’s Ballettänzer sind wieder zurück, diesmal mit lustigen Kaninchenmasken und striktem Tanzverbot. 1000x gehörte Gitarrenriffs, ein Text mit gesellschaftskritischem Anspruch (?) Ein schöner Tag, schade das Krieg ist. Wohl wahr, aber mit der Musik hört er bestimmt nicht auf.

12) OleSoul / Hamburg: Klar, keine Hamburger Band ohne St. Pauli Shirt. Soulige Töne werden angeschlagen, interessante Countrygitarre als Begleitung. Ein Liebeslied wohl, kickt mich aber nach drei Bier nicht mehr. Ist das Joachim Deutschland an der Gitarre?

13) Pyranja / Mecklenburg: Wer auch immer die Bilder zu Pyranjas Promo Fotoshooting bearbeitet hat, hat sein Handwerk verstanden. Abgesehen davon, wo ist denn die Street Cred geblieben? Klingt zu sehr nach Charts, da helfen auch die Posen nichts. Und Scratching vom Band – das geht gar nicht! Ein Rapper/in braucht doch einen DJ, dass bisschen Plattenschubsen bekommt selbst die mp3 Generation auf Oma’s altem Plattenspieler hin.

(21:54 – Bierpause)

14) Revolverheld / Bremen: Sorry, war auf dem Klo.

15) Nadja Benaissa / Hessen: Die großen Namen zum Schluss. Der Ex-Engel, äh, Ex-Nicht-Engel. Um was ging es nochmal in dem Lied? Meine Aufnahmebereitschaft nimmt langsam rapide ab, zum Glück ist gleich Schluss.

16) Seeed / Berlin: Auch ein Favorit, daher vermutlich nicht zufällig an letzter Position. Hab die Jungs 2003 auf dem Hurricane gesehen, und zumindestens live für empfehlenswert empfunden. Doch wie Johnny von Spreeblick schon letztens im Podcast gemeint hat – irgendwie riecht das nach Sell-out, den sie doch gar nicht nötig haben. Der Song ist auch nicht das stärkste was sie je gemacht haben, schon etwas auf Blödelei getrimmt, aber gemessen an der ‘Konkurrenz’ sicher vorne dabei.

So, damit wären die Kandidaten durch, jetzt geht das elende Telefonvoting für läppische 49 Cent/SMS los. Mein Favorit ist jedenfalls Janine Reinhard, die taugt zwar auch nicht für ne Sprechrolle, ist aber wenigstens einigermaßen sympathisch (und nett anzuschauen).

(22:32 – Nochmal Werbung)

So, jetzt treten natürlich auch noch die Titelverteidiger Juli auf (man beachte – wieder weiße Klamotten). Ich finde die ja immer noch nicht schlecht, gemessen an dem was sie machen und für wen sie es machen, aber nach fast zwei Jahren könnten sie sich langsam mal neue Songs beschaffen, denn was wäre eine bessere Promo als ein Auftritt bei so einer Veranstaltung?

(22:55 – Die Auswertung startet. Die machen das wirklich analog zum Eurovision Contest, d.h. jedes Bundesland darf seine Abstimmung zelebrieren, es wird also noch eine Weile dauern)

Wie es scheint kämpfen Revolverheld aus Bremen um den Gesamtsieg. Leider hab ich die verpasst und kann jetzt nicht drüber lästern schreiben.

(23:50 – Endstand)

Endergebnis: Seeed vor Revolverheld und In Extremo. Keine große Überraschung also, wie die gesamte Veranstaltung.

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Jetzt, zum runterkommen und um die Ohren durchzuspülen, empfehle ich noch einmal das großartige Yasume Album. Gute Nacht.

5 Kommentare

  1. franziska

    Hihi. Dafür ist doch die Werbepause da…

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  2. Mike Schnoor

    Wir haben jeweils eine Cocktailpause eingelegt… sehr hilfreich beim Zuhören :)

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  3. Eikman

    Ich habe die letzte Werbepause absichtlich etwas verlängert *g*

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  4. beingboring

    respekt! wie hast du soviel elend (kurz unterbrochen von pinkelpausen) bloß ertragen?! :-)

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  5. Eikman

    Bier hilft ;)

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