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16. February 2009, 13:22

Positionen

Berghain – Rave und Religion

Auf der Seite der Jungle World gibt es einen Auszug aus Tobias Rapps Buch Lost and Sound: Berlin, Techno und der Easyjetset. Nachdem in einer der letzten De:Bug schon ein Auszug war, in dem es um die neue “Partymeile” bzw. Clubmeile in Berlin ging, geht es in diesem Auszug um den Techno-Tempel schlechthin: das Berghain.

Der Initiationsritus setzt sich mit dem sorgfältigen Drogencheck fort, den man im Kassenraum durchläuft: die rituelle Reinigung. Danach entrichtet man seinen Obolus, auch ein religiöser Akt. Um dann in der Garderobe zu landen, einem riesigen Raum, in dem einige Sofas stehen und der von einem riesigen Wandgemäl­de des polnischen Künstlers Piotr Nathan dominiert wird. Es heißt »Rituale des Verschwindens«. Die Lichtarchitektur unterstützt das Gefühl einer Initiation: Draußen ist es dunkel, im Kassenraum schummerig, in der Garderobe hell. Wenn man die letzte Schwelle überschritten hat und die große Halle betritt, aus der man es vorher schon wummern gehört hat, dann wird es auf einmal wieder dunkel. Man durchquert den Saal, geht die große Stahltreppe hinauf, und auch wenn man weiß, worauf man sich für die kommenden Stunden eingelassen hat: Es ist jedes Mal aufs Neue ein kurzer Schock, vor der Tanzfläche zu stehen und sich von der Musik anbrüllen zu lassen. Einige Sekunden lang, bis sich die Augen auf die Stroboskopblitze eingestellt haben, irrt man halbblind in der Gegend herum. Es hat etwas von einem Schlag ins Gesicht – man muss sich als einigermaßen Nüchterner ja nicht nur durch eine Masse von schwitzenden Körpern drängeln, die alle schon ein paar Stunden länger dabei sind. Die Schallwellen der Musik greifen einen ja ganz körperlich an.

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