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27. October 2008, 15:29

Alben

Beat Pharmacy – Wikkid Times (Deep Space)

Brendon Moellers neues Album unter seinem Beat Pharmacy Alias ist eine weitere Expedition in tiefe Dubsphären, und bedient sich, wie auch schon die Vorgänger, wieder an den Vocals renommierter Dub-Stimmen wie Paul St. Hilaire, Spaceape und Ras B. Dass diese Sammlung von Tracks glücklicherweise nicht bloß ein weiteres, generisch Dub-Album ist, das dem Ruf von Rhythm & Sound ein wenig zu genau folgt, wie man möglicherweise nach dem Hören von Tracks wie Time oder Piece of Mind vermuten könnte, liegt vor allem an Moellers Gespür für eingängliche Grooves und den immer wieder durchschimmernden Dancefloorelementen, die sicherlich auch Moellers aktuellen Produktionen und Remixen für bekannte Technolabels entspringen.

Wikkid Times ist daher kein schlichtes Dub-Album, sondern zeigt schon mit dem Opener Rooftops oder Songs wie Hope & Frustration eine klare Affinität für den Dancefloor, die mit verwaschenen Synthsm kickender Bassdrum und feinen Percussionelementen durchaus auch an die Produktionen von Vladislav Delay als Uusitalo oder auch Luomo erinnern, wenn auch um einiges ernster und mit weniger Pop-Appeal als Letzterer. Nicht umsonst handelt es sich bei Wikkid Times um eine Sammlung von Protestsongs, was bei genauer Betrachtung der Texte dem Album auch eine zusätzliche, ungemein packende lyrische Seite beschert.

Strangers, vielleicht nicht zufällig mit den Vocals von Spaceape, taucht mit einer leichten Wobbly-Bassline und peitschender Snare eher durch Dubstep-Gewässer, holt aber zwischendurch und breite Flächen immer wieder genug Luft um sich in den Fluss des Albums einzureihen. House of Love, der einzige instrumentale Track, ist gleichermaßen auch der befreiteste, mit entfernten Trompetensounds und einem locker treibenden Groove, der sich gänzlich dem Listening-Erlebnis hingibt, und ähnlich wie auch Nuclear Race, zusammen mit Paul St. Hilaire, die 4/4 Bassline etabliert, ohne dadurch sofort “Dubtechno” zu schreien. Nein, Wikkid Times bedient sich vieler Einflüsse, die trotzdem gekonnt auf einen Nenner (in diesem Falle Dub) gebracht werden, ohne dadurch ihren individuellen Charakter zu verlieren.

Zum Schluss gibt es mit Backwards noch einen Track, der enger dem etablierten Schema folgt, und durch deepe, schwere Dubs und den geradezu außerweltlich klingenden Vocals von Infinity watet, während sich die das ganze Album durchziehenden Synth-Pads in bekannter Manier ein und ausfaden, bevor sich alles immer mehr zu entfernen scheint bis nur noch eine einzelne Rauchschwade übrig ist.

Es ist die Leichtigkeit, wie Moeller es schafft, die Fäden über fast 80 Minuten nicht nur gespannt zu halten, sondern sie immer wieder zu verknüpfen, so dass sich immer wieder neue Strukturen entfalten und auftun, ohne dadurch ihren Ursprung aus dem Auge zu verlieren. Wunderbare Platte für bunte Herbsttage, die obendrein auch noch etwas (wichtiges) zu sagen hat. (Eikman)

# Wikkid Times Sampler

Ein Kommentar

Trackbacks

  1. [...] Ein Protestalbum, das man wirklich hören muss, um auch dahinter zu kommen. Brendon Moeller ist ein großartiger Produzent, und hier fließen alle seine Einflüsse aus Techno, Dub und Dubstep zusammen, und sind, auf den gemeinsamen Nenner gebracht, eine unheimlich wirkungsvolle Medizin des Beat Pharmazeutikers. Fadende Synth-Stabs, tiefe Bässe, Dub-Chords, und dazu noch die teilweise atemberaubenden Vocals von Paul St. Hilaire, Ras B und Spaceape machen dieses Album zu einer Reise in die tiefen des Bewusstseins, ohne das politische Statement außer Acht zu lassen. [Review] [...]

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