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31. May 2012, 21:55

Alben

Beach House – Bloom

Vor einigen Jahren waren Beach House nicht viel mehr als ein nerdiges Duo aus Baltimore. Sängerin Victoria Legrand hauchte ihre ungewöhnliche, ungewohnt tiefe Stimme ins Mikrofon, ihr Partner Alex Scally sorgte für die spärliche Instrumentierung aus Gitarren und Keyboard. “Dream Pop” nannte man das, und es funktionierte genau in dieser Mischung aus Minimalismus und kühler Laszivität. Dann, vor zwei Jahren, kam Teen Dream. Das Duo zeigte sich auf ihrem dritten Album verspielter, melodiöser und ja, auch mutiger. Es war ein Erfolg für die Band, gewissermaßen ein Statement gesunden Wachstums.

Kaum zu glauben, dass sie das mit Bloom tatsächlich noch einmal toppen können.

Und doch: Wo sich andere Bands mit ihrem vierten Album schon längst in sicherer Genugtuung aufgeben, feilen Beach House offenbar einfach immer weiter an ihrer eigenen Vision von Pop. Inzwischen auch gerne mal ohne den Vorsatz “Dream”. Denn Songs wie Wild, New Year und das tösende Wishes zeigen, das Beach House längst ihre alten Hipsterhosen abgelegt haben: Die Drums etwa sind präsenter, die Hooks eingänglicher, die Arpeggios euphorischer und Legrandes Songwriting präziser. Das ist zugänglich, ohne die sympathische Verschrobenheit vermissen zu lassen, die immer wieder durchblinzelt, wenn man gerade das Gefühl hat, es sei vielleicht doch etwas zu geschliffen.

Aber keine Angst, Bloom behält alles Gute des Duos bei: Dieses Gefühl schwermütiger Nostalgie, wenn sich Legrandes Contralto erhebt und in Songs wie Other People “was it ever quite enough?” fragt oder in Troublemaker schwierige Beziehungen resummiert. Die Melodien, die sich unerwartet aufbauen und dann plötzlich einschlagen. Und natürlich auch die Euphorie, die einen immer wieder überkommt. Denn Beach House waren zwar schon immer melancholisch, aber nie bedrückend. Und vielleicht nie optimistischer als heute.

Wie Scally in einem Interview sagte, haben sich Beach House im Kern nicht verändert. Aber noch einmal verbessert. Und es dürfte für andere Bands in diesem Jahr schwer werden, dieses Ergebnis zu toppen. So what comes after this? Momentary bliss.

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