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24. February 2010, 11:34

Positionen

be Berlin, be Berghain

Nachdem also schon die BILD über die “Villa Kunterbums” berichtete, die FAZ es “fast wie Bayreuth” nannte, die Süddeutsche (wenn auch kritisch) von der “Mitte der Welt” sprach, und gleich noch den Gebäudeplan nachlieferte für alle Druffis, die sich drinnen verlaufen, Tim Caspar Boehme in der taz ein Profil von Ben Klock mit der Historie des Clubs verbindet, und sein Kollege Tobias Rapp natürlich ein ganzes Kapitel seines Buchs einer Nacht vor Ort widmete, hat es das Berghain inzwischen auch in die hiesige Frankfurter Rundschau geschafft. Ein Auszug:

Der erste Eindruck ist atemberaubend, überwältigend, unvergleichlich. Man wähnt sich eher in der Bronx als in der eigenen Hauptstadt, wie Herzog Blaubarts Burg, beleuchtet von David Lynch, liegt das ehemalige Heizkraftwerk auf einer Anhöhe im Nowhereland hinterm Ostbahnhof. Hat man es hinein geschafft, beginnt Phase 2 der Überwältigung. Der gigantische, absolut einmalige Ort ist durchgearbeitet bis ins letzte Detail. […] Es ist laut, voll, eng, sehr körperlich. Aber Kommunikation ist gewünscht und findet statt, auf vielen Ebenen. Und, hej, das alles ist einfach schön, geschmackvoll, stilsicher. Die irgendwann schleichend einsetzende Ekstase der tanzenden Leiber, aufgefangen in der kristallinen Härte der Beats..

Von Bayreuth in die Bronx, von Blaubarts Burg zur sakralen Pilgerstätte, in der sich die tanzenden Leiber aneinanderreiben wie früher die Jünger am Ölberg – schön, dass dem Feuilleton die Vergleiche nicht ausgehen. Dass Oliver Reese aber auch noch diesen unsäglichen Roman von Helene Hegemann erwähnen muss, geht wirklich zu weit. Wir wissen doch inzwischen alle, dass sie selbst vermutlich noch niemals dort war.