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22. April 2005, 18:10

Alben

Autechre – Untilted

Hier kommt nun, nach dem etwas schwächeren Draft 7.30, ihr achtes Album mit dem schönen Titel Untilted , das, soviel sei gleich zu Beginn gesagt, abermals alle Hoffnungen auf eine Rückkehr zum organischen Sound der Bandanfänge unter seinen Noise-Konstrukten begräbt. Doch wo Draft 7.30 noch etwas planlos, etwas hastig wirkte, kontert Untilted mit starken individuellen Songs. Natürlich ist das immer noch abstrakt von Anfang bis Ende, die Tracks drehen und falten sich in sich selbst, nur um anschließend plötzlich wieder gänzlich auseinanderzubrechen, viel Zeit zum luftholen bleibt da nicht. Alles beim Alten also? Nicht ganz, denn Autechre haben es geschafft ihren Songs wieder Substanz einzuhauchen. Und so sind Tracks wie das 10-minütige Kernstück “Ipacial Section” und das klaustrophobische “Pro Radii” wieder mal ein Hörabenteuer allererster Güte, ein Dschungel kleinster Soundpartikel, wo jedoch alles seinen Platz hat und nichts willkürlich erscheint. Das Drumtiming von Tracks wie “Iera” ist dermaßen neben der Spur, dass es selbst beim 10ten Hördurchgang noch nicht zu greifen ist. Insgesamt wirkt die Platte, trotz aller Abstraktheit offener und zugänglicher. Es ist vielleicht übertrieben zu sagen dass Autechre einen Gang zurückgeschaltet haben, aber Tracks wie “The Trees” und der breakbeat-angehauchte Opener “LCC” sind, gemessen an anderen Songs, doch recht gradlinig, und gerade bei letzterem merkt man wieder einmal die Liebe zum Detail, wenn sich jenseits der 4 min. Marke dann doch noch eine beruhigende Fläche eröffnet.
Für den Discobesuch oder den nächsten Kindergeburtstag ist das zwar immer noch nichts, aber wie fast alles bei Autechre macht auch Untilted nur im Dunklen so richtig Sinn. Einzig und allein “Fermium” klingt wie ein Überbleibsel aus der Lp5-Phase, aber ansonsten eine solide und kompromisslose Rückkehr zur Form.

Autechre – Untilted ist auf Warp erschienen.

Ein Kommentar

  1. kai

    iera, find ich gradezu entspannt… es ist kein agro gefrickel. man muss da differenzieren. ich hör da sogar flächen… sich selbst im a-rythmischen gestotter verliert sich der track auch nicht… gute gradwanderung. weil gerade noch zu fassen mit dem durchschnittsrythmus emfpinden. masters @work.

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