RSS

6. January 2009, 15:28

Artists

Artist Watch: The Martinez Brothers

martinez brothers Wenn man sich die Bilder der Martinez Brothers (kurz TMB) anschaut, mag man vielleicht eher an ein neues R&B Duo für schmachtende Teenie-Herzen denken, oder möglicherweise an Party Rap á la Spank Rock, aber sicherlich nicht an die neue, aufstrebende Generation von Houseproduzenten aus New York. Und doch scheinen die beiden Brüder Steve (20) und Chris (17) innerhalb des letzten Jahres ihren Namen an so manche Clubtür geschrieben zu haben, und das nicht nur in ihrer Homebase NYC, sondern auch in Europa – natürlich nur unter Aufsicht ihres Vaters, denn in die Clubs dürften die beiden in ihrem Heimatland ansonsten nicht. Aufgewachsen in Upstate New York in einer musikalischen Familie, kamen sie über ihren Vater, einen einstigen Stammgast der legendären Paradise Garage, mit elektronischer Musik in Verbindung, vor allem mit der Latin- und Discoszene der frühen 90er Jahre – ein Einfluss, der auch heute noch immer wieder durch ihre Sets fließt, und was angesichts ihres jungen Alters regelmäßig auf Verwunderung trifft. Aber das Alter spielt bei TMB öffensichtlich keine große Rolle, und die Geschichte wird erst richtig bizarr, wenn House-Legende Dennis Ferrer, ihr Entdecker und Mentor erzählt, wie er vor zwei Jahren dem damals erst 15-jährigen Chris die erste Gelegenheit gab, in einem Club aufzulegen – nachdem ihm dieser über MySpace einige Mixe geschickt hatte.

Der “Durchbruch” kam dann mit der ersten Single My Rendition, das zweite Release auf Ferrers Objektivity Label, auf die schon Philip Sherburne Anfang 2007 aufmerksam machte. Letztes Jahr hat RA den Youngsters ein Feature gewidmet, Dixon hat TMB als einen “frischen Wind” bezeichnet, und jetzt, 2009, ist auch die heimische New York Times auf den Zug aufgesprungen, und blickt in einem Artikel gleich auf die gesamte House-Szene in New York, die inzwischen eine Veränderung des Publikums erfährt. Viele junge Clubgänger, die gerade vom Hip Hop kommen, interessieren sich zunehmend für House, und genau die sind es, die TMB mit ihrer frischen und unvoreingenommenen Attitude zu begeistern wissen.

While American audiences for dance music, especially house, steadily age, TMB’s sets have inspired a generation raised on hip-hop to move to a different beat.
[...]
Mr. Ferrer offered a similar sentiment, saying that without “the injection of youth, we’ll be playing to the same old cats we’ve always played to. Not that there’s anything wrong with it, but if your audience doesn’t grow, it stagnates.” The “hip-hop kids” are “thirsty,” he added. “They want something new. They see ‘we’ve got somebody our age we can look up to.’ TMB represent the new demographic.”

Aktuell ist die zweite Single der Brüder auf Objektivity erschienen, eine Kollaboration mit Argy aus Berlin, die, wenn man den MySpace Previews Glauben schenken darf, auch durchaus hörenswert ist. Man darf gespannt sein, was da noch kommt, und vor allem was passiert, wenn denn der Vater nicht mehr wachsam neben dem DJ-Pult steht. Ob TMB wirklich das geschichtsträchtige House-Feuer im Big Apple weitertragen können, wird sich zeigen, aber auf einem guten Weg sind sie sicherlich. Nur diese Baseballkappen, die müssen verschwinden, Jungs.

Antworten